Interimsleitung beim Hamburg Ballett verlängert
Der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper hat unter Vorsitz von Kultursenator Carsten Brosda (SPD) die gemeinschaftliche Interimsleitung des Hamburg Ballett für eine weitere Spielzeit bestätigt. Nicolas Hartmann, Lloyd Riggins und Gigi Hyatt hatten die Leitung des Hamburg Ballett mit Beginn der Spielzeit 2025/26 übernommen, nach dem unerwartet frühen Ende der Ballettintendanz von Demis Volpi. Die Stadt Hamburg unterzeichnete noch in dessen ersten Spielzeit einen Auflösungsvertrag. Diesem drastischen Schritt waren Querelen zwischen Solisten und Teilen der Compagnie mit dem Intendanten Volpi vorausgegangen. Mit dessen vorzeitiger Ablösung war das Projekt, einen Nachfolger für John Neumeier zu etablieren, den Gründer und jahrzehntelangen Leiter des Hamburg Ballett, gescheitert.
Suche nach Neumeier-Nachfolger bleibt schwierig
Seitdem gestaltet sich die Suche nach einem Neumeier- und Volpi-Nachfolger als außerordentlich schwierig. Welche erfolgreiche Choreografin, welcher Choreograf würde den Schleudersitz in der Neumeier-Nachfolge ohne Not einnehmen? Daher bleibt Nicolas Hartmann bis Mitte 2027 als geschäftsführender Ballettbetriebsdirektor dritter Geschäftsführer der Hamburgischen Staatsoper und leitet die Compagnie gemeinsam mit dem künstlerischen Ballettdirektor Lloyd Riggins. Gigi Hyatt wird als interimistische Ballettschuldirektorin gemeinsam mit Hartmann an der Spitze der Ballettschule des Hamburg Ballett wirken.
Die Interimsleitung erzielte mit dem (Not)Programm ihrer ersten Saison einen Achtungserfolg. Sie brachte spannende Handschriften von Choreografen nach Hamburg und entwickelte eigene Arbeiten aus der Compagnie heraus, wie das Ballett „Äther“ von Aleix Martínez. Sogar ein erstes Handlungsballett nach Neumeiers Intendanz-Ende ist zum Abschluss der Saison mit „Wunderland“ von Alexei Ratmansky (Premiere: 20. Juni) zu erwarten. Das angekündigte Stück „Demian“ von Demis Volpi nach Hermann Hesse war zuvor nicht mehr zustande gekommen.
Lloyd Riggins will das Repertoire „mutig erweitern“
Die Begründung des Aufsichtsrats für die Verlängerung des Interimsteams weist über dessen Amtszeit hinaus: „Die Fortsetzung der Interimsleitung sichert eine stabile Basis für die weitere Entwicklung des Hamburg Ballett. Parallel laufen die Vorbereitungen für die Findung einer neuen Ballettintendanz.“ Die künstlerische Entwicklung des Hamburg Ballett könnte derweil unter einem neuen Intendanten nachhaltiger vonstattengehen und neue internationale Erfolge ermöglichen, die es seit dem Ausscheiden Neumeiers nicht mehr gibt. Kultursenator Brosda dankte derweil der Interimsleitung „für ihre engagierte Arbeit“. Lloyd Riggins bedankte sich im Gegenzug für das Vertrauen des Aufsichtsrats und kündigte an, „das Repertoire mutig um neue Aspekte zu erweitern“.
Source: welt.de