Inmitten dieser Chipkrise: Volkswagen tauscht den Beschaffungsvorstand aus

Mitten in der Chipkrise gibt Volkswagen bekannt, dass zum 1. November das Vorstandsressort Beschaffung neu besetzt wird. Der neue Vorstand heißt Karsten Schnake, ist 57 Jahre alt und übernimmt den Posten bei Volkswagen zusätzlich zu seiner Position als Beschaffungschef der Konzernmarke Škoda. Der bisherige Beschaffungsvorstand, der 61 Jahre alte Dirk Große-Loheide, werde das Unternehmen „im Rahmen einer länger geplanten Altersregelung verlassen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Volkswagen.
Mit dieser Formulierung soll offenbar der Eindruck vermieden werden, dass die Ablösung von Große-Loheide im Zusammenhang mit den aktuellen Nachschub-Problemen für Chips steht, die möglicherweise sogar zu Produktionsstopps führen können. Vorsorglich prüft Volkswagen für verschiedene Werke die Möglichkeit für Kurzarbeit. Zwar ist die komplette Industrie damit konfrontiert, dass der Chipweltmarktführer Nexperia in einen geopolitisch geprägten Machtkampf zwischen den USA, den Niederlanden und China geraten ist. Vor allem die Autohersteller, die allesamt nur indirekt Kunden von Nexperia sind, machen sich Sorgen, wie lange sie ihre Produktion fortsetzen können. In jedem Auto sind zwischen hundert und 500 solcher Chips in verschiedenen Zuliefererteilen verbaut.
Nur bei VW schien das Problem aber sehr drängend zu sein. Der Vorrat an diesen Teilen scheint schnell sehr knapp zu werden. Daher wurde schon geplant, dass von nächstem Mittwoch an sowohl in der Golf-Produktion in Wolfsburg als auch im Elektroauto-Werk Zwickau die Bänder still stehen sollten. Mittlerweile haben Volkswagen-Manager offenbar ihren Einfluss als Großkunden geltend gemacht und versucht, für ihre Zulieferer oder sogar deren Lieferanten neue Wege der Chipbeschaffung zu eröffnen. Ob das gelingt, ist allerdings noch nicht sicher. Ein Volkswagen-Sprecher sagte, die Situation sei nach wie vor dynamisch.
Karsten Schnake, der nun in dieser herausfordernden Lage seinen Posten als Beschaffungsvorstand antritt, startete bei Volkswagen 1996 als Projektmanager, war später unter anderem bei Volkswagen China für den strategischen Einkauf und die Beschaffungssteuerung zuständig. Seit 2020 ist er Beschaffungsvorstand bei Skoda. Über den bisherigen Beschaffungsvorstand Dirk Große-Loheide findet Volkswagen-Chef Oliver Blume lobende Worte. „In herausfordernden Zeiten hat Dirk Große-Loheide die Beschaffung neu ausgerichtet und eine zukunftsweisende Einkaufsstrategie entwickelt“, wird Blume in der Pressemitteilung zitiert.