Industrieproduktion sinkt: Schon vor dem Irankrieg stagnierte die Wirtschaft

Schon vor Beginn des Irankriegs hat die deutsche Industrie das Jahr ohne Schwung in der Stagnation begonnen. Das zeigen am Donnerstag veröffentlichte Konjunkturdaten. Die Produktion im produzierenden Gewerbe inklusive Baugewerbe und Energieproduktion ging im Februar leicht um 0,3 Prozent gegenüber Januar zurück, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.
Im Januar hatte die Produktion stagniert. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich betrug das Minus zuletzt 0,4 Prozent. Die Entwicklung des Lkw-Verkehrs auf den Straßen, gemessen am Maut-Index des Bundesamts, deutet zudem darauf hin, dass die Produktion auch im März gesunken sein dürfte.
Bundesregierung: Industriekonjunktur hat sich im Winter erneut abgekühlt
Die Wirtschaft scheine im ersten Quartal wieder in die Kontraktion gefallen zu sein, kommentierte Carsten Brzeski, der Chefvolkswirt der ING Bank. Ralph Solveen von der Commerzbank erwartet, dass die gesamte Wirtschaft im ersten Quartal kaum gewachsen sein dürfte. Die jüngste Entwicklung der Auftragseingänge mache wenig Hoffnung, dass die Wirtschaft von der Industrie her bald deutlich mehr Rückenwind bekomme.
Im Februar war der Auftragseingang im verarbeitenden Gewerbe nur leicht gestiegen (F.A.Z. vom 9. April). Die Industriekonjunktur habe sich im Laufe der Wintermonate abermals abgekühlt, schrieb das Bundeswirtschaftsministerium. Angesichts der erhöhten geopolitischen Unsicherheit deuteten jüngste Umfragen wie der Ifo-Geschäftsklimaindex auf eine Eintrübung im zweiten Quartal hin.
Das größte Produktionsminus im Februar gab es mit minus 1,2 Prozent im Baugewerbe, was Ökonomen auch auf das kalte Winterwetter Anfang Februar zurückführten. Die Industrieproduktion (ohne Bau und Energie) blieb mit minus 0,1 Prozent nahezu unverändert. Die moderate Erholung, die sich in der zweiten Jahreshälfte abgezeichnet hat, ist wieder vorbei. Die Produktionszahlen sind um die Inflation und saisonale Effekte bereinigt und spiegeln die reale Entwicklung.
Pharmaindustrie verzeichnet Minus in der Produktion
Im Februar sank die Produktion vor allem in der pharmazeutischen Industrie (minus 4,4 Prozent), von Geräten zur Datenverarbeitung (minus 3,9 Prozent) und im gewichtigen Maschinenbau (minus 0,3 Prozent). Die Produktion von elektrischen Ausrüstungen wuchs um 2,6 Prozent, von Autos und Kfz-Teilen um 1,7 Prozent und von Metallerzeugnissen um 1,6 Prozent.
Als positives Signal werteten Ökonomen, dass die Warenausfuhr im Februar um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat auf 135,2 Milliarden Euro zulegte. Damit dauert eine leichte Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate an. Die Wareneinfuhr stieg im Februar um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat auf 1154 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind nicht um die Preisentwicklung bereinigt, sodass sie nur bedingt einen Hinweis auf die realwirtschaftliche Entwicklung geben.
Wie schon in den vergangenen Monaten speist der Zuwachs im Export sich vor allem aus der Nachfrage aus anderen Staaten der Europäischen Union. In die Vereinigten Staaten und nach China lieferten die deutschen Unternehmen in den ersten beiden Monaten des Jahres 6,6 und 8,6 Prozent weniger Waren. Auch diese Entwicklung der vergangenen Monate hin zu einer gewissen Handelsentflechtung der großen Wirtschaftsräume dauert an.