Industrie: Deutsche Industrie hat im vergangenen Jahr 68.000 Stellen abgebaut

Die deutsche Industrie hat im vergangenen Jahr 68.000 Stellen abgebaut. Das entspricht einem Rückgang von 1,2 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Stellenkürzungen gab es in fast allen großen Branchen. Zwischen den Industrien zeigen sich jedoch Unterschiede.

Besonders stark sank die Beschäftigung Ende 2024 im Vergleich zum Vorjahr bei den Herstellern von elektrischer Ausrüstung. Hier wurden laut Statistikamt 3,6 Prozent der Stellen gestrichen. Deutliche Rückgänge gab es auch bei den Herstellern von Metallerzeugnissen (minus 2,9 Prozent), in der Kunststoff- sowie in der Autoindustrie. Hier ging die Zahl der Beschäftigten um jeweils 2,4 Prozent zurück.

Der Maschinenbau als Branche mit der höchsten Beschäftigtenzahl in Deutschland zählte zum Ende vergangenen Jahres 948.000 Beschäftigte und damit 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Experten sprechen von Anzeichen für Deindustrialisierung in Deutschland

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung IMK sieht in der Entwicklung „ein klares Zeichen einer Deindustrialisierung„, wie der wissenschaftliche Direktor Sebastian Dullien sagte. Die deutsche Industrie stehe durch geopolitische Verschiebungen unter Druck. Russland sei als „verlässlicher Energielieferant“ weggefallen. „Sowohl China als auch die USA wollen ihre eigene Industrie stärken“, sagte Dullien. So könnte US-Präsident Donald Trump noch im Laufe des Tages hohe Zölle auf Importe auch aus Deutschland verkünden. 

Getroffen werden dürften von zusätzlichen US-Zöllen vor allem die Auto- und Maschinenbauer. „Zwei Branchen, die ohnehin derzeit kriseln“, sagte Dullien. Daher sei es wichtig, dass die von Union und SPD geplanten 500 Milliarden Euro an Sondervermögen „vollständig und schnell in Infrastrukturprogramme fließen“.

Neben den Rückgängen gab es im vergangenen Jahr auch Branchen, in denen der Stellenabbau geringer ausfiel. Die chemische Industrie und die Metallerzeugung und -bearbeitung strich jeweils 0,7 Prozent der Stellen. Auch in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen lag der Abbau unter der Ein-Prozent-Marke bei 0,4 Prozent. Die Nahrungsmittelindustrie meldete sogar einen Anstieg von 1,8 Prozent.

Weiterhin mehr Industriebeschäftigte als vor zehn Jahren

Um die Daten einordnen zu können, ist auch ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre hilfreich. Das stärkste Beschäftigungsjahr hatte die deutsche Industrie 2018. Im Vergleich dazu liegt die Anzahl der Angestellten nun drei Prozent niedriger, in absoluten Zahlen sind das 172.000 weniger Beschäftigte. 

Vergleicht man die Zahlen mit 2014, steht die Industrie weiterhin besser dar. Die aktuell rund 5,5 Millionen Angestellten in der deutschen Industrie sind ein Plus von 185.000 oder 3,5 Prozent Beschäftigte im Zehn-Jahres-Vergleich. In die Erhebungen hat das Statistische Bundesamt Betriebe des verarbeitenden Gewerbes mit mindestens 50 Beschäftigten einbezogen.