In drei Minuten und 18 Sekunden erklärt Vance die Gespräche pro beendet
Nach dem vorzeitigen Ende des Gipfeltreffens zwischen den USA und dem Iran ist das Rätselraten groß: Woran sind die Gespräche gescheitert? Und vor allem: Geht der Krieg nun wieder los? Washington lässt Teheran eine Hintertür offen. Doch in der Straße von Hormus spitzt sich die Lage zu.
Gastgeber Pakistan hatte sich das wohl etwas anders vorgestellt. Das eigens eingerichtete Medienzentrum im Regierungsviertel von Islamabad sollte bis zu 15 Tage lang rund um die Uhr geöffnet sein. Die pakistanische Regierung hoffte, dass die rund 300 aus dem Ausland angereisten Journalisten nicht nur über die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran berichten würden, sondern auch über den Vermittler.
Immer wieder werden an diesem Wochenende westliche Reporter von pakistanischen Kollegen interviewt, auf der Suche nach lobenden Worten über den Ausrichter des Gipfels. Und dann das: In drei Minuten und 18 Sekunden erklärt der amerikanische Vizepräsident J.D. Vance die Gespräche mit Teheran für beendet – ohne Einigung. „Wir haben sehr klar gemacht, was unsere roten Linien sind, wo wir noch Entgegenkommen zeigen können und wo nicht. Die Iraner haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren.“
Keine Stunde später hebt die Maschine mit der amerikanischen Delegation vom Internationalen Flughafen Islamabad ab – und hinterlässt viele offene Fragen. Was hat die Verhandlungen am Ende scheitern lassen? Ist die Tür zu weiteren Gesprächen geschlossen und werden nun wieder die Waffen sprechen?
Fest steht: Beide Seiten, Amerikaner und Iraner, waren mit klaren Vorstellungen in die Gespräche gegangen. Washington wollte die Zusicherung Teherans, dass kein waffenfähiges Uran mehr angereichert wird und die bereits angereicherten Bestände abgegeben werden; Experten sprechen von rund 500 Kilo. In beiden Punkten wollten die Iraner nicht nachgeben und werfen den USA jetzt vor, gar nicht an tatsächlichen Verhandlungen interessiert zu sein.
„Wir haben nicht erwartet, dass es hier ein Entgegenkommen der Amerikaner geben würde“, sagt der iranische Politologe Mohsen Farkhani von der Universität Isfahan im Medienzentrum vor Journalisten. „Sie haben hier nur eine Show abgezogen und den Eindruck erwecken wollen, dass sie ernsthaft an Gesprächen interessiert sind.“ Von US-Seite wiederum steht der Vorwurf im Raum, die Delegation aus Teheran habe auf Verzögerung gesetzt. Tatsächlich waren die Iraner darauf eingestellt, mehrere Tage zu verhandeln. „J.D. Vance hat keine Erfahrung in solchen Gesprächen. Er versteht die iranische Verhandlungskultur nicht“, erklärte Ross Harrison vom Middle East Institute in Pittsburgh.
Im iranischen Staatsfernsehen heißt es am Sonntagvormittag, unverantwortliche Forderungen der Vereinigten Staaten hätten den Gipfel zum Scheitern gebracht. „Die iranische Delegation hat ununterbrochen und intensiv 21 Stunden lang verhandelt, um die nationalen Interessen der iranischen Bevölkerung zu verteidigen. Trotz zahlreicher Initiativen der iranischen Abordnung haben die Forderungen der USA einen Fortgang der Gespräche verhindert.“
Trump: „Wir gewinnen so oder so“
Für die Islamische Republik hatte Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf in Pakistan verhandelt. Die Runde war laut „New York Times“ das hochrangigste direkte Treffen zwischen amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf zwei hochrangige iranische Beamte, dass Vance und Ghalibaf sich die Hand schüttelten. Die Stimmung des Treffens war zunächst als herzlich und ruhig beschrieben worden.
US-Präsident Donald Trump hatte am Samstagnachmittag kurz vor seinem Abflug nach Miami noch gesagt, ihm sei gleichgültig, ob ein Abkommen mit dem Iran erreicht werde oder nicht. „Wir gewinnen so oder so“, erklärte er vor Journalisten. „Wir haben sie militärisch besiegt.“
Zeitgleich mit den Verhandlungen in Pakistan erklärte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom), einen Marineeinsatz zur Räumung von Seeminen begonnen zu haben. Zwei Zerstörer hätten dazu die Straße von Hormus passiert und seien im Arabischen Golf im Einsatz gewesen, hieß es in einer Mitteilung auf X. Trump sagte wenig später, Minensuchboote seien im Einsatz.
Centcom erklärte, die Mission solle sicherstellen, dass die Straße vollständig frei von Seeminen sei. „Heute haben wir mit der Einrichtung einer neuen Passage begonnen und werden diesen sicheren Weg bald mit der Schifffahrtsindustrie teilen, um den freien Warenverkehr zu fördern“, wurde Centcom-Kommandeur Admiral Brad Cooper zitiert.
Den Mullahs könnte in diesem Fall ein sicher geglaubtes Faustpfand entgleiten: die Blockade der Straße von Hormus. Die Revolutionsgarden beeilten sich denn auch, eine klare Warnung auszusprechen. „Jeder Versuch von Marineschiffen, die Straße von Hormus zu durchqueren, wird schwere Konsequenzen nach sich ziehen“, hieß es in einer Erklärung. Den drohenden Worten folgten bislang jedoch keine Taten.
So verhärtet die Fronten weiterhin erscheinen: Vance ließ bei seiner Abreise eine Hintertür offen: „Wir reisen ab und haben unser letztes Angebot abgegeben. Wir werden sehen, ob die Iraner das akzeptieren.“
Auch Gastgeber Pakistan hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Außenminister Ishaq Dar sagte, es sei unumgänglich, dass sich beide Seiten weiterhin an den vor knapp einer Woche ausgehandelten Waffenstillstand hielten. „Wir werden den Dialog zwischen beiden Ländern weiter unterstützen.“ Man hoffe, dass beide Seiten „dauerhaften Frieden und Wohlstand für die gesamte Region und darüber hinaus“ erreichen würden, teilte Dar mit.
Auch das mit viel Aufwand hergerichtete Medienzentrum soll daher erst einmal geöffnet bleiben. Islamabad hofft, dass sich die Augen der Welt schon bald wieder auf die pakistanische Hauptstadt richten – bei einer möglichen Fortsetzung des Gipfels.
mit dpa/cat
Source: welt.de