In dieser Verfassung kann Gnabry die Sorgen des Bundestrainers trennen
Serge Gnabry ist beim Kantersieg in Bergamo einer der besten Bayern-Spieler. So könnte er auch für Julian Nagelsmann extrem wichtig werden. Lothar Matthäus nennt ihn sogar als Lösung für eine Problemstelle im DFB-Team.
Der Mann mit dem weißen Stirnband war in Topform. Serge Gnabry trägt in Partien oft ein Schweißband am Kopf, längst nicht nur deswegen stach der Offensivprofi des FC Bayern Dienstagabend in Bergamo heraus.
Im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League bei Atalanta (6:1) war der Nationalspieler des deutschen Fußball-Rekordmeisters einer der besten vieler guter Bayern. Vor dem 1:0 (12. Minute) reagierte er gedankenschnell, als er nach einem kurz ausgeführten Eckball seiner Mannschaft auf Josip Stanisic passte und dieser nur noch einzuschieben brauchte. Michael Olise schoss das 2:0 (22.), das 3:0 erzielte Gnabry selbst (25.). Kurz vor der Halbzeitpause traf er beinahe erneut, sein Schuss aus der Distanz knallte an die Latte.
Die Partie war eine äußerst deutliche Angelegenheit, ein solcher Kantersieg in einem Achtelfinale ist außergewöhnlich. Bergamo war enorm unterlegen – obwohl den Bayern der verletzte Manuel Neuer fehlt und Harry Kane angeschlagen nicht zur Startelf gehörte. Das macht diese Mannschaft aktuell unter anderem aus: vor allem dank Gnabry, Luis Diaz und Michael Olise besticht sie durch eine enorme Spielfreude, Dominanz und Effizienz in der Offensive.
Seit 2017 spielt Gnabry schon in München
Gnabry galt in den vergangenen Jahren mehrfach als Verkaufskandidat bei den Bayern. Immer blieb er. Und verlängerte kürzlich seinen nach der Saison endenden Vertrag bis zum 30. Juni 2028. Gnabry spielt seit 2017 für die Münchner.
In dieser Saison kommt er in allen Wettbewerben insgesamt nun auf acht Tore und zehn Vorlagen. Gnabry spielt nicht in jeder Partie von Beginn an, zeigt aber immer wieder seine Stärken und wird von den Klubverantwortlichen gelobt. In Bergamo war die Partie zur Halbzeitpause (3:0 für Bayern) bereits entschieden, sein Trainer Vincent Kompany nahm Gnabry zur zweiten Spielhälfte raus und brachte Jamal Musiala in die Partie.
Nicolas Jackson traf zum 4:0 (52.), Olise zum 5:0 (64.), Musiala drei Minuten später zum 6:0. Bergamo kam in der Nachspielzeit nur noch zur Ergebniskosmetik. Es war ein Klassenunterschied. In beiden Halbzeiten waren die Münchner enorm dominant, das Rückspiel in einer Woche in München ist jetzt nur noch eine Pflichtaufgabe für die Bayern auf dem Weg ins Viertelfinale. Sie träumen vom Triple.
Gnabry als Stürmer bei der WM?
Der 30-jährige Gnabry dürfte auch für Julian Nagelsmann in den kommenden Monaten sehr wichtig sein. Der Bundestrainer sprach zuletzt mit Sorge über die Verfassung der deutschen Mittelstürmer. In rund drei Monaten beginnt die WM in den USA, Kanada und Mexiko.
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Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat in dieser Hinsicht eine besondere Idee: „Die Mittelstürmer-Position macht nicht nur Nagelsmann aktuell Sorgen. Ändert sich an dieser Situation im Sturm bis zur WM nichts, wäre eine Möglichkeit, auf ein System mit einer verkappten Neun umzustellen“, so der 64-Jährige. „Tatsächlich sehe ich da Serge Gnabry als gute Lösung. Auch bei Bayern ist er als Backup für Harry Kane eingeplant. Sein Herausforderer wäre dann Deniz Undav. So wie er bei Stuttgart in der Spitze auch mal Demirovic vertritt, könnte Undav das auch beim DFB machen.“
An diesem für seinen FC Bayern so erfolgreichen Abend in Bergamo hat Gnabry, der in bislang 57 Länderspielen 25 Tore erzielte, Argumente für sich gesammelt.
Julien Wolff ist Sportredakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren aus München über den FC Bayern und die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Wolff hat das Spiel in Bergamo im Stadion verfolgt.
Source: welt.de