Immobilienkonzern LEG: Schuss aufs Mieterbüro

Reifen wurden zerstochen, einem Mitarbeiter wurde die Hand gebrochen, und einmal wurde gar ein Schuss auf ein Mieterbüro abgefeuert. Außerhalb der Geschäftszeiten zwar, doch spürt der Immobilienkonzern LEG eine Verrohung im Umgang. „Das sind alles Einzelfälle, aber man sieht eine zunehmende Tendenz“, sagte Volker Wiegel, der im Vorstand der LEG das operative Geschäft verantwortet, in einer Pressekonferenz anlässlich der Vorlage der Geschäftszahlen am Donnerstag. Das Düsseldorfer Wohnungsunternehmen engagiert inzwischen mitunter Wachpersonal für Sprechstunden oder installiert Kameras, um seine Mitarbeiter zu schützen. „Wir wurden auch als Verbrecherverein bezeichnet, das ist doch kein Ton eines konstruktiven Umgangs“, sagte Wiegel.
Wohnen ist ein emotionales Thema, angesichts von Kostensteigerungen und Wohnungsnot nimmt die Schärfe im Umgang zu. Gerade die börsennotierten Konzerne wie die LEG oder der deutlich größere Konkurrent Vonovia werden häufig als Symbol genommen dafür, was schiefläuft in der Wohnungspolitik. Am Donnerstag beklagte auch der nordrhein-westfälische Mieterbund eine „verantwortungslose Zurückhaltung“ des Immobilienunternehmens bei Instandhaltungen. Von den 171.000 Wohnungen des Unternehmens vermietet die LEG mehr als 133.000 im bevölkerungsreichsten Bundesland. „Die LEG holt das Maximale aus ihren Beständen für die Aktionäre raus. Die Mieterinnen und Mieter zahlen die Zeche – und zwar doppelt“, sagte Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des DMB NRW. In Beratungen gehe es häufig um Wasserschäden, verschleppte Schimmelbeseitigung oder defekte Heizungen und Aufzüge. „Auf der einen Seite schraubt das Unternehmen die Mieten in die Höhe, dass es kracht, und auf der anderen Seite werden die Gebäude immer stärker vernachlässigt“, sagte Witzke.
Lars von Lackum, der Vorstandsvorsitzende der LEG, weist diese Vorwürfe weit von sich. „Wir investieren 400 Millionen Euro im Jahr in die Bestände“, sagte von Lackum. Das entspreche den gesamten Mieteinnahmen des Unternehmens von Januar bis Mitte Juni. „Ich finde, dass das ein sehr substanzieller Betrag ist, den wir jedes Jahr investieren.“ Tatsächlich ist die LEG, was die Höhe der Mieten angeht, weit davon entfernt, was private Vermieter in Großstädten für den Quadratmeter verlangen.
Wiegel: Niemand jubelt über eine Mieterhöhung
Zwar treibt die weiterhin hohe Nachfrage das Geschäft an, wovon auch die Aktionäre profitieren, doch liegt die Durchschnittsmiete des M-Dax-Unternehmens im Schnitt bei 7,04 Euro. Erhöht hat die LEG die Mieten im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent, für das laufende Jahr sollen sie zwischen 3,8 und vier Prozent zulegen. Zuletzt hat das Unternehmen Neubauwohnungen in Essen fertiggestellt, wo der Quadratmeterpreis bei etwas mehr als zwölf Euro liegt, das Unternehmen hat allerdings auch fast 30.000 preisgebundene Sozialwohnungen im Portfolio, deren Durchschnittsmiete bei 5,42 Euro je Quadratmeter liegt.
Im Jahr 2028 fallen davon rund 16.000 Wohnungen aus der Preisbindung, weshalb Mieter in diesen Wohnungen mit vergleichsweise kräftigen Mietaufschlägen rechnen müssen. Die LEG plant mit einem Aufschlag von zwölf Prozent. Damit liege das Niveau aber immer noch unter der Marktmiete und im Rahmen, in dem Wohnkosten vom Sozialamt übernommen würden, argumentierte LEG-Vorstand Wiegel. So bestünde für Bewohner eine Absicherung. Niemand jubele über eine Mieterhöhung, aber das Unternehmen verspreche einen verantwortungsvollen Umgang mit Härtefällen. Die LEG werde weiterhin für bezahlbares Wohnen stehen, sagte auch der Vorstandsvorsitzende am Donnerstag. „Wir streben immer nach funktionalem Wohnraum. Das goldene Wasserhähnchen werden Sie bei uns nicht finden“, sagte von Lackum.
Gleichwohl konnte der hinter Vonovia zweitgrößte private Vermieter im Land seinen Gewinn deutlich ausbauen – durch einen Zukauf von Wohnungen und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum. Das operative Ergebnis, der sogenannte AFFO, legte im Jahresvergleich um zehn Prozent auf 220,5 Millionen Euro zu. Diesen Wert will der Immobilienkonzern komplett an seine Anteilseigner ausschütten, der Vorstand schlägt der Hauptversammlung eine Dividende von 2,92 Euro vor, was einem Plus von acht Prozent entspricht. Auch für das laufende Jahr ist die LEG optimistisch: Sie erwartet ein operatives Ergebnis zwischen 220 und 240 Millionen Euro, was ein Rekordwert wäre. Die Wohnungsdebatte dürfte anhalten.