„Im Land der Vergessenen“ von Aliyeh Ataei: Die erste Kugel

Jeden Tag sehen wir Bilder und hören Nachrichten aus dem Krieg. Je weiter weg das Leid, desto stumpfer scheint, was durch die Köpfe des Tagesschau- und Social-Media-Publikums rauscht. Was Krieg, was schon eine einzige Bombe, ja ein einziger Schuss auf einen Menschen tatsächlich bedeutet, davon erzählt Aliyeh Ataei. „Ist die erste Kugel einmal abgefeuert, wirkt dies noch die nächsten zehn oder mehr Generationen nach“, schreibt die iranische Schriftstellerin in Im Land der Vergessenen, ihrer Sammlung nun übersetzter autofiktionaler Erzählungen. Heute lebt Ataei in Paris, doch einen großen Teil ihres Lebens verbrachte Ataei im iranischen Grenzgebiet zu Afghanistan, in das ihre Familie floh, als ihre Heimat 1979 von der Sowjetunion besetzt wurde. Danach kamen die Taliban an die Macht, dann folgte die Invasion der USA, dann fielen Teile an den „Islamischen Staat“, und mittlerweile regieren wieder die Taliban. Aber da sind wir noch nicht.