„Ich habe qua Spieler Dinge gemacht, die mir zuwider waren“

Pierre Littbarski nennt den Fußball seinen „Schutzwall“. Nun macht der Weltmeister von 1990 ihn zum Inhalt seines eigenen Theaterstücks. Ein Gespräch über Schauspielkünste und verloren gegangene Typen im Fußball.

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Pierre Littbarski hat nach seiner Karriere als Fußballer schon vieles ausprobiert. Der Weltmeister von 1990 sang als Hammerhai verkleidet bei „The Masked Singer“, zauberte Zupfbrot beim „Großen Promibacken“. Nun wird die Showkarriere des 65-Jährigen um eine Episode reicher. Am 16. April wird sein eigens geschriebenes Bühnenprogramm „Litti macht Theater“ in Köln aufgeführt.

Frage: Herr Littbarski, Millionen Fußball-Fans haben Sie wegen Ihrer Dribblings verehrt. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Schauspieler geworden sind?

Pierre Littbarski: Ich war schon auf dem Platz immer ein Schauspieler. Ich war nicht für Schauspielerei, aber für das schöne Spiel zuständig. Ich habe auch mal eine Schwalbe gemacht. Die kommt auch in dem Stück vor. Ich habe auch Dinge als Spieler gemacht, die mir zuwider waren, aber ich war nie ein „Bescheißer“. Ich wollte immer gewinnen, habe es aber auch akzeptiert, wenn der Gegner besser war – wie 1982 im WM-Finale, das wir 1:3 gegen Italien verloren haben.

Frage: Ihr Programm läuft wie in einem Fußballspiel über zweimal 45 Minuten und heißt „Litti macht Theater“. Haben Sie das selbst geschrieben?

Littbarski: Alles, ja. Auch die Choreografie habe ich mir überlegt. Es ist nicht einfach so dahingeklatscht. Ich wollte nie ein Buch über mein Leben schreiben. Es gibt Teile in dem Stück, da habe ich einen ganz ärgerlichen Gegenspieler, genannt die „Maske“. Der stört das Programm permanent (lacht). Oder ich zerstöre jemanden ganz bewusst, um zu zeigen, was nötig ist, um zwölf Jahre auf höchstem Niveau zu spielen und dreimal in einem WM-Endspiel zu sein. Es ist auch Action dabei. Es wird viele Lacher und auch Tränen geben.

Frage: Wie entstand Ihre Idee?

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Littbarski: Die schwirrte seit Monaten in meinem Kopf. Ich habe oft Vorträge vor Managern gehalten, wie man Weltmeister wird. Aber das wollte ich auch fürs breite Publikum machen, als Unterhaltung, gemischt mit vielen Facetten aus meinem Leben, besonders meiner Kindheit. Ich wollte etwas machen, das noch keiner gemacht hat. Aber ich habe mich gefragt: Wann wäre der ideale Zeitpunkt? Dann fand ich das ganz lustig mit meinem 66. Geburtstag, am 16. April. Das passt ja zum Lied von Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“. Der Udo ist übrigens auch ein Teil des Stücks, in dem es um lustige Schallplattenaufnahmen mit der Nationalmannschaft geht.

Frage: Wie viel Fußball ist in Ihrer Show zu sehen?

Littbarski: Mein ganzes Leben und mein Schutzwall ist der Fußball. Aber es ist eben nicht nur für Fußballfans gemacht. Das ist für Leute, die gern Unterhaltung und Spaß wollen, die sich 90 Minuten einfach mal in eine Welt entführen lassen wollen, die sie noch nicht kennen. Aber – es ist keine Biografie oder eine Lebensbeichte.

Frage: Haben Sie Schauspielunterricht genommen?

Littbarski: Nein, habe ich nicht, und das finde ich auch gut. Für mein Programm braucht man nicht unbedingt Schauspielunterricht. Ich glaube, dass ich mit meinen Fähigkeiten, die Leute unterhalten kann. Und die wollen nicht den Littbarski als perfekten Schauspieler auf der Bühne sehen, der etwa Macbeth von Shakespeare aufsagt.

Frage: Wie lange haben Sie gebraucht, um Ihre Texte zu lernen?

Littbarski: Es gibt Stellen, an denen es nicht entscheidend ist, jedes Wort auswendig zu können. Es kommt auf das Timing an, um eine Pointe richtig zu setzen. Das habe ich mir bei Comedians wie Dieter Nuhr oder Johann König abgeschaut.

Frage: Sie haben früher den Fußball gern als „Zirkus“ und sich als „Entertainer“ bezeichnet. Waren Trainer wie Hennes Weisweiler, Rinus Michels, Franz Beckenbauer oder Christoph Daum für Sie Dompteure?

Littbarski: Sie waren alle auf ihre Art und Weise grandios. Das waren nicht bloß Trainer, das waren Menschenfänger. Typen, die leider fast ausgestorben sind. Auch das arbeite ich auf. Das heißt nicht, dass früher alles besser war – aber früher gab es eben mehr Typen, die authentisch waren.

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Frage: Wie waren die ersten Reaktionen auf Ihr Projekt?

Littbarski: Die Leute wissen, dass ich bekloppt bin. Ich habe ehrlich gesagt noch nicht so viele Rückmeldungen bekommen. Aber mich freut, dass die Leute es mutig finden, was ich da mache.

Frage: Warum gibt es nur am 16. April eine Aufführung?

Littbarski: Wie soll ich diesem Druck denn jetzt standhalten? (lacht). Es war auf eine Show ausgelegt, mal sehen, wie sich das Ganze entwickelt.

Dieses Interview wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) geführt und erschien zuerst in BILD AM SONNTAG.

Source: welt.de