Hyundai und Toyota: Angriffe gen die Autofabriken

Die Nachrichten sorgen für Alarmstimmung in der Belegschaft von Hyundai. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas stellte der koreanische Autokonzern mit seiner Tochtergesellschaft Boston Dynamics den humanoiden und mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboter „Atlas“ vor. In den ohnehin hoch automatisierten Autofabriken soll er bald dort eingesetzt werden, wo jetzt noch Menschen arbeiten. Schon diesen Sommer wollen die Koreaner Versuche in ihrer neuen Fabrik in den USA starten, von 2028 an könnte „Atlas“ dann nach und nach Mitarbeiter ersetzen. Am Aufbau einer Serienproduktion von bis zu 30.000 Humanoiden im Jahr arbeite man schon.

Der Protest folgte prompt. Ohne Vereinbarung mit der Belegschaft werde kein Roboter in die Hallen kommen, ließ die koreanische Metallergewerkschaft wissen. Ganz anders sehen das die Investoren. Die Aussicht auf raschen Einsatz der Atlas-Roboter ließ den Aktienkurs der Hyundai Motor Group seit Anfang des Jahres um mehr als 70 Prozent steigen.

Hyundai ist nicht irgendwer. Gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Kia liegen die Koreaner auf Platz drei der größten Autokonzerne der Welt, hinter Toyota und Volkswagen. Die deutschen Wettbewerber in Wolfsburg, Stuttgart und Rüsselsheim sollten also genau hinschauen, wie die Konkurrenz in Fernost die Kosten drücken will.

Asiaten greifen zu härteren Mitteln

Die Probleme sind schließlich die gleichen: das rasante Aufkommen neuer chinesischer Wettbewerber am Markt für Elektroautos, die unstete Nachfrage der Konsumenten nach den Stromern und die Zusatzkosten durch Donald Trumps Zölle. Im Gegensteuern greifen die Asiaten aber zu weit härteren Mitteln als ihre europäischen Wettbewerber. Sie bereiten sich auf einen größeren Umbruch als nur die nächste Sparrunde vor – auf eine Zeit, in der das Geschäftsmodell der Autokonzerne ganz anders aussieht als heute.

Mitsubishi Motors aus Japan ist eine Verbindung eingegangen, die zur Zäsur im Autobau werden könnte. Als erster traditioneller Autobauer lässt sich der Konzern ein neues Elektromodell von dem taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn entwickeln und bauen, das dann unter der Marke Mi­tsubishi verkauft werden soll. Foxconn ist einst durch die Massenfertigung der IPhones für Apple in Taiwan und China berühmt geworden, nun zielt Konzernchef Liu Young auf die Autobranche.

Der rasche Aufstieg von Tesla und BYD habe gezeigt, dass die Einstiegsbarriere in den Automarkt immer weiter sinke, sagt er. Er verspricht schnellere Entwicklungszeiten für neue Modelle und natürlich niedrigere Kosten als in den eigenen Fabriken der großen Hersteller. Auch der deutsche Dax-Konzern Daimler Truck fühlt schon einmal vor: Die japanische Tochtergesellschaft Fuso will bald Elektro-Busse gemeinsam mit Foxconn bauen.

Überraschender Chefwechsel bei Toyota

Völlig überraschend tauschte der japanische Branchenprimus Toyota Motor Anfang Februar seinen Vorstandschef aus. Koji Sato hatte den Konzern in den drei Jahren seiner Amtszeit eigentlich recht erfolgreich durch die Krise geführt. Doch der bisherige ­Finanzvorstand und enge Vertraute des Konzernpatriarchen Akio Toyoda, Kenta Kon, soll Toyota nun noch mehr auf Effizienz trimmen.

Toyoda warnt schon seit Längerem davor, dass Autos im Elektrozeitalter mehr und mehr zur bloßen „Commodity“ würden, also einem einfach und rasch nachzubauenden Massenprodukt. Um dem entgegenzuwirken setzt Toyota unter anderem auf die neue Luxusmarke „Century“ und lässt seinem Oberklasse-Hersteller Lexus freieren Lauf, was den Wettbewerb für Porsche, Mercedes und Co. weiter verschärfen dürfte.

Während der neue Konzernchef Kon den Toyota-Konzern für die neue Zeit fit machen soll, soll sich sein Vorgänger Sato in der neu geschaffenen Rolle des „Chief Industry Officer“ um die gesamte japanische Autoindustrie kümmern. Was nach Wegloben auf den Posten eines Frühstückdirektors klingt, ist womöglich ernst gemeint. Sato soll als Vorsitzender des japanischen Auto-Verbands JAMA neue Netzwerke innerhalb und außerhalb der Branche knüpfen, um Japans Schlagkraft zu erhöhen.

Im Dezember erst hatten Toyota, Hitachi und andere Konzerne ein Bündnis gebildet, um schneller neue Batterien für die Elek­tromobilität entwickeln zu können. Mehrere japanische Autohersteller kooperieren schon in der Entwicklung des autonomen Fahrens und anderer Zukunftstechnologien. Unterstützt oder sogar initiiert werden solche Allianzen von dem gestaltungsfreudigen Industrieministerium METI. „Dies ist nicht mehr eine Ära, in der Toyota, Honda, Nissan, Mazda und andere es sich leisten können, unterschiedliche Wege zu gehen“, sagt der designierte Toyota-Chef Kon. Der Umbruch in der Autoindustrie ist in vollem Gang.