Hormus-Blockade trifft europäische Länder unterschiedlich stark
Seit Ende Februar ist die Straße von Hormus durch Irans Militär de facto gesperrt. Das hat massive Auswirkungen auf den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport. Während Deutschland vergleichsweise glimpflich davon kommt, trifft es andere Länder härter.
Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist mit Beginn des Krieges gegen Iran Ende Februar nahezu zum Erliegen gekommen. Doch nicht alle europäischen Staaten sind von der Blockade gleichermaßen betroffen. Die Risiken konzentrieren sich stark auf einige wenige Länder, wie eine Auswertung des Wiener Supply Chain Intelligence Institute, des Complexity Science Hub (CSH) und der Universität Delft zeigt.
Studienautor Stefan Thurner erklärte, die Dauer der iranischen Blockade entscheide über die wirtschaftlichen Folgen. Dauere sie länger als vier Wochen, könnten sich Verzögerungen entlang globaler Lieferketten aufschaukeln.
Italien, Belgien und das Vereinigte Königreich
Laut der Studie ist Italien mit 9,8 Milliarden US-Dollar pro Jahr (rund 8,5 Milliarden Euro) der am stärksten betroffene EU-Staat, der Waren aus den blockierten Golfstaaten einführt. Das Land bezieht Flüssiggas aus Katar im Wert von jährlich rund 4,4 Milliarden US-Dollar (gut 3,8 Milliarden Euro) sowie Propan im Wert von etwa 3,2 Milliarden US-Dollar (gut 2,77 Milliarden Euro).
Auch Belgien sei „stark exponiert“, hieß es weiter. Vor allem über Zeebrugge importiere das Land jährlich rund 5,8 Milliarden US-Dollar (gut 5 Milliarden Euro) an katarischem Flüssiggas. Dazu komme, dass über Antwerpen viel Handel aus den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Diamanten laufe.
Das Vereinigte Königreich weist der Aufstellung zufolge mit 12,9 Milliarden US-Dollar (rund 11,19 Milliarden Euro) pro Jahr sogar die höchste Betroffenheit Europas auf, davon rund 5,9 Milliarden US-Dollar (rund 5,12 Milliarden Euro) Gasprodukte aus Katar.
Deutschland und Frankreich „breiter diversifiziert“
Deutschland und Frankreich seien dagegen „breiter diversifiziert“, hieß es. Die Bundesrepublik importiert demnach jährlich Waren im Wert von rund 5,7 Milliarden US-Dollar (gut 4,9 Milliarden Euro) aus den betroffenen Golfstaaten, Frankreich etwa 8,1 Milliarden US-Dollar (gut 7,0 Milliarden Euro) aus den betroffenen Staaten.
Den größten Anteil hätten die Vereinigten Arabischen Emirate mit 4,2 Milliarden US-Dollar (gut 3,6 Milliarden Euro) dabei geht es vor allem um den Import von Schiffen, Jachten und Industrieausrüstung. Katar trägt mit 0,6 Milliarden US-Dollar (0,52 Milliarden Euro) bei, vor allem durch Propan und Spezialgase.
EU-Staaten und Japan fordern Blockade-Ende
Derweil haben Deutschland und wichtige europäische Verbündete sowie Japan Iran aufgefordert, die faktische Sperrung der Straße von Hormus zu beenden. Teheran solle unverzüglich seine Versuche stoppen, die wichtige Meerenge durch Drohgebärden, das Verlegen von Minen sowie Drohnen- und Raketenangriffe und andere Maßnahmen zu blockieren, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und Japans.
Das iranische Vorgehen wird darin „aufs Schärfste“ verurteilt. Zudem signalisierten sie die Bereitschaft, zum Schutz der Handelsschifffahrt in der Region aktiv zu werden. „Wir bekunden unsere Bereitschaft, einen Beitrag zu geeigneten Anstrengungen zu leisten, um eine sichere Passage der Meerengen zu gewährleisten“, hieß es in der Erklärung weiter.
Staaten verlangen Moratorium auf bestimmte Angriffe
Die USA und Israel, die mit ihren Angriffen auf Iran den jüngsten Konflikt am Persischen Golf ausgelöst hatten, wurden in der Erklärung nicht erwähnt. Gefordert wurde jedoch ein „unverzügliches, umfassendes Moratorium“ auf alle Angriffe gegen zivile Infrastruktur, einschließlich Öl- und Gas-Anlagen.
„Wir rufen alle Staaten auf, das Völkerrecht zu achten und die wesentlichen Grundprinzipien des globalen Wohlstands und der internationalen Sicherheit aufrechtzuerhalten“, heißt es in der Erklärung weiter. Die Entscheidung der Internationalen Energieagentur, eine koordinierte Freigabe der strategischen Ölreserven zu bewilligen, begrüße man. Zudem sollen weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiemärkte getroffen werden, „auch durch Zusammenarbeit mit bestimmten Erzeugerländern im Hinblick auf eine Produktionssteigerung“.
Source: tagesschau.de