Hohe Nachfrage: So teuer ist dies Skivergnügen in den Alpen

Viele Urlauber machen sich in diesen Tagen wieder auf zum Winterurlaub. Österreich ist für Deutsche das Lieblingsziel vor der Schweiz, Italien/Südtirol und Frankreich. Das belegen verschiedene Marktanalysen. Dabei spielen die Nähe, eine große Gebietsvielfalt sowie das deutschsprachige Umfeld eine Rolle. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis zählt. Doch spüren Skifahrer die rasante Teuerung. Schließlich gibt es seit Jahren eine im Vergleich zu Deutschland deutlich höhere Inflation. Allein von 2020 bis 2024 hat sich das Verbraucherpreisniveau nach Angaben der Statistik Austria etwa 28 Prozent erhöht. Einschließlich des vergangenen Jahres – von dem es noch keinen endgültigen Wert gibt – müssen Konsumenten mehr als 30 Prozent berappen.

Schon länger liegt Österreich bei den Skipass- und Gesamtkosten im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld. Gegenüber der Schweiz ist Österreich meist spürbar günstiger, gegenüber Italien/Südtirol häufig ähnlich oder leicht teurer, gegenüber Frankreich je nach Gebiet vergleichbar, wie etwa ein ADAC-Skipreisvergleich zeigt. Ein Skipass kostet in Österreich im Durchschnitt zwischen 65 und 80 Euro am Tag, abhängig vom Gebiet. Dynamische Preismodelle machen den Vergleich komplexer: Sechs-Tage-Pässe für Erwachsene schlagen in großen Verbünden häufig mit rund 400 Euro zu Buche.

Skipasspreise hängen auch am Klimawandel

Dass Skipasspreise ein wichtiger Kostenfaktor für Winterurlaube sind, hängt mit dem Klimawandel zusammen. Denn ohne künstliche Beschneiung wäre in mittleren alpinen Lagen schon lange kein Pistenzauber mehr möglich. Diese ist eine finanziell aufwendige Angelegenheit. Zudem kostet die Modernisierung von Liftanlagen.

Wer früh bucht oder schwache Tage wählt, zahlt deutlich weniger. Wer wegen schulpflichtiger Kinder nicht auf die Hauptsaison angewiesen ist, kommt in der Nebensaison günstiger davon: vor Weihnachten, im Januar außerhalb der Ferien, im März jenseits von Ostern. Auch kosten mittelgroße Skigebiete außerhalb der führenden Ziele weniger. Zudem lohnt es sich, Familienangebote und Bahn-Pakete zu prüfen.

Auch wenn Österreich attraktiv für Wintersportler ist, spüren Beherbergungsbetriebe den Wettbewerb. Sie leiden unter weiter steigenden Kosten für Energie, Personal und Lebensmittel, erklären viele Branchenvertreter – und bleiben weitgehend darauf sitzen. „Bei den Preisen stehen wir mit dem Rücken zur Wand“, fasst die Vorsitzende der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), Susanne Kraus-Winkler, die Lage zusammen.

Hotelbetriebe stehen unter Kostendruck

„Preiserhöhungen, wie sie in den letzten drei Jahren stattgefunden haben, sind nicht mehr möglich“, hielt die Branchenvertreterin fest. In der Zeit nach der 2020 einsetzenden Corona-Pandemie habe es in den Hotels zunächst Teuerungen „im zweistelligen Bereich, über zehn Prozent“, gegeben, danach fünf bis sechs Prozent. Das geht jetzt nicht mehr: Die Preisdurchsetzung wird da und dort schwieriger, meint Kraus-Winkler. Bestätigt wird diese Einschätzung von der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank. Demnach kann die österreichische Hotellerie zwar auf eine stabile Nachfrage bauen, steht aber unter Druck durch steigende Kosten und sinkende Rentabilität.

Zwar sind die Perspektiven des Wintertourismus insgesamt positiv, doch steht die Branche vor großen strukturellen und klimatischen Herausforderungen. Nach Einschätzung der für die Vermarktung der Tourismusnation zuständigen staatlichen Österreich-Werbung und dem Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) bleibt die Nachfrage für diese Wintersaison stabil. Besonders Urlauber aus den Kernmärkten Deutschland, Schweiz, Tschechien und Großbritannien zeigen weiterhin großes Interesse.

Sinkende Schneesicherheit zwingt zu Alternativangeboten

Die größte Gefahr für den alpinen Tourismus droht aus Sicht des Wifo durch den Klimawandel. Sinkende Schneesicherheit zwingt viele Regionen, ihr Angebot zu verbreitern. Wellness, Kultur, Kulinarik und nachhaltige Naturerlebnisse sollen unterstützen. Auf diese sogenannten Entschleunigungsangebote setzen Anbieter, um auch in wärmeren Wintern Gäste bei der Stange zu halten.

Entsprechend locken immer mehr Anbieter mit sanfter Mobilität und energiesparenden Infrastrukturprojekten. Österreich gilt in Europa zu den Vorreitern für grüne Wintertourismuskonzepte, wie die OECD vor Jahren festgestellt hat. Es dürfte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein, um dauerhaft punkten zu können.

Deutsche sind zentrale Gästegruppe

Deutschland ist der größte Auslandsmarkt für Österreich und damit ein zentraler Umsatztreiber. Mit 25,9 Millionen Nächtigungen in der Wintersaison 2024/25 entfiel nach Angaben der Statistik Austria fast die Hälfte aller internationalen Übernachtungen auf Gäste aus Deutschland.  Damit sichern sie Auslastung in der Haupt- und Nebensaison und tragen wesentlich zur Profitabilität bei.

Nach wie vor reisen Urlauber vor allem im Auto an. Doch Bahnverbindungen gewinnen vor allem aus Süddeutschland an Bedeutung, stellt die Österreich-Werbung fest. Bahn- und Fernbusangebote Richtung Tirol/Salzburg/Kärnten wurden ausgebaut, was vor allem Deutsche nutzen.

Zwar achten Gäste verstärkt auf umweltverträgliche Angebote, dennoch spielen Preis und Komfort eine Rolle. Anbieter verweisen auf Ökostrom, Photovoltaik, Bus-Shuttle, Bahn- und Nahverkehrs-Kooperationen, regionale Lieferketten. Auch werden CO₂-Bilanzen öfter transparent gemacht.

Dem österreichischen Wintertourismus könnte eine gute Saison bevorstehen: Das Interesse für Winterurlaub sei auf höchstem Niveau, sagte der Wiener Tourismusberater Richard Bauer Ende November bei einem Treffen des Netzwerks Winter – einer Plattform aus Vertretern von Seilbahnen, Skiindustrie und Touristikern – in Kaprun. Auch die Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) hat zu Weihnachten von einem starken Saisonauftakt gesprochen. Diese Zahlen bedeuten Nachfrage, Beschäftigung und Wertschöpfung in allen Regionen, von den Städten bis ins kleinste Tal. Schließlich ist der Tourismus ein Pfeiler für den Wohlstand zwischen Bregenz und Eisenstadt und trägt rund ein Zehntel zur Wirtschaftsleistung bei. „Gleichzeitig sehen wir, viele Menschen im Inland müssen genauer rechnen. Unser Anspruch ist, dass Tourismus stark bleibt und Urlaub leistbar“, ließ die Politikerin wissen. Dieser Anspruch klafft mit der Realität auseinander. Denn immer weniger Österreicher können sich das Skifahren leisten. Das zeigen seit Jahren Umfragen. Vom einstigen Breitensport wandelt es sich in der dafür traditionsreichen Alpinnation zum exklusiven Freizeitvergnügen. Auch schließen immer mehr kleine Skigebiete wegen des Klimawandels, was den Einstieg erschwert.