Hohe Immobilienrisiken: Fast zehn Prozent aller Helaba-Immobilienkredite wedeln

Nach drei Rekordjahren hat die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) 2025 etwas weniger verdient. Nach einem Gewinnrückgang um 4,8 Prozent auf brutto 731 Millionen Euro und um 2,3 Prozent auf netto 514 Millionen Euro rechnet Vorstandschef Thomas Groß für 2026 wegen Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe in IT und Künstliche Intelligenz (KI) und rückläufiger Wirtschaftswachstumsaussichten durch den Irankrieg mit einem Gewinnrückgang auf brutto 600 bis 700 Millionen Euro. Groß bekräftigte aber die 2025 ausgegebene Prognose, mittelfristig, das heißt für ihn spätestens 2030, einen Vorsteuergewinn von mehr als eine Milliarde Euro zu erreichen.

Thomas Groß
Thomas GroßHelaba

Mit ihrem Vorsteuergewinn, der einer im Branchenvergleich unterdurchschnittlichen Eigenkapitalrendite von 6,7 Prozent entspricht, reiht sich die Helaba unter den Landesbanken ein hinter die größere Bayern LB und die LBBW, die 2025 vor Steuern 1,4 und 1.3 Milliarden Euro verdienten. Die kleinere Nord LB lieferte für 2025 rund 0,5 Milliarden Euro Vorsteuergewinn ab bei ihren Eignern, darunter das Bundesland Niedersachsen und die norddeutschen Sparkassen. Die Helaba gehört den Ländern Hessen und Thüringen sowie Sparkassen dort und auch in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

Ihre Achillesferse ist seit einigen Jahren das Immobiliengeschäft: Die Projektfinanzierungsgesellschaft OFB fuhr 2025 einen zweistelligen Millionenverlust ein. Das Immobilienkreditgeschäft, das etwa 16 Prozent am Kreditbestand von 230 Milliarden Euro ausmacht, lieferte immerhin fast 200 Millionen Euro zum Vorsteuergewinn. Hier sank der Risikovorsorgebedarf von 158 auf 98 Millionen Euro, der Anteil der notleidendenden Kredite (NPL), bei denen also die Schuldner Zinsen oder Tilgung nicht leisten, blieb mit 9,4 Prozent aber sehr hoch.

Frühzeitig „Tabula Rasa“ im Immobilienkreditportfolio

Tamara Weiss, im Vorstand für Risikomanagement verantwortlich, führte die hohe NPL-Quote am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz darauf zurück, dass die Helaba schon früh proaktiv im Immobilienpreisabwärtszyklus „Tabula rasa“, also reinen Tisch, in ihrem Immobilienkreditportfolio gemacht habe. Inzwischen stiegen die Preise für Wohnimmobilien, die für Gewerbeimmobilien stabilisierten sich, allerdings bleibe der unter stärkerer Nutzung von Homeoffice leidende Büromarkt schwierig.

Das Immobilienkreditportfolio der Helaba schrumpfte 2025 von 34,2 auf 31,7 Milliarden Euro, allein die Finanzierungszusagen an Büros sanken um gut zwei Milliarden Euro. Vor allem in den USA, insbesondere in der Hauptstadt Washington, sei der Abschwung nicht ausgestanden, hieß es von der Helaba.

Stadtwerke wichtige Kundengruppe

Wachsen will die Landesbank daher nicht mit Immobilien-, sondern mit Krediten an Unternehmen. Hier sind die wichtigste Kundengruppe kommunale Unternehmen, etwa Stadtwerke. Wenn auch (zu) langsam, begännen bei diesen Kunden die staatlichen Investitionsprogramme („Sondervermögen“) für Infrastrukturverbesserungen etwa bei Energie- und Wasserversorgung an zu greifen, sagte Groß. Die Helaba stehe für direktes Kundenkreditgeschäft bereit.

Den Umweg über Privatkreditfonds (Private Credit), in die Anleger erst investieren und die dann Kredite an Unternehmen vergeben haben, sei die Helaba nicht eingegangen und dort nicht engagiert. Der Markt für Private Credit sei in den vergangenen Jahren derart stark gewachsen, dass man allerdings schon allein deshalb Vorsicht walten lassen sollte, meinte Groß. Tatsächlich haben mehrere US-Fonds Liquiditätsengpässe und können ihren Anlegern derzeit nicht ihr Geld wie gewünscht zurückzahlen.

Groß betonte, dass die Helaba 90 Prozent ihres Geschäftes in Europa macht. Angesichts der Weltlage müssten Politik und Wirtschaft „mehr Europa machen und wagen“. Als Groß daraufhin an einen früheren Vorstoß erinnert wurde, mit dem er den Widerstand in der Sparkassen-Gruppe gegen eine europäische Einlagensicherung (EDIS) hatte brechen wollen, sagte er, der Ball für EDIS liege in Brüssel. Mit seinem Vorstoß hatte sich Groß in der Sparkassengruppe keine Freunde gemacht.

Am Donnerstag ging es ihm vor allem um Wachstumschancen der Helaba. Ihre Investitionen in KI zeigten erste Effizienzgewinne, kein Bereich – ob Kundenansprache oder Rechnungswesen – werde davon unberührt bleiben. Die Helaba sei erster Bankpartner von Schwarz Digits, dem Digitalisierungsspezialist der Schwarz Gruppe („Lidl“, „Kaufland“). Mit der im Dezember 2025 geschlossenen Kooperation sollen Lösungen zur digitalen Souveränität gestärkt und europäische Datenschutz- und Sicherheitsstandards durchgesetzt werden.

Source: faz.net