Hinter dem US-Angriff hinaus den Iran steht ein Streit um Israel, welcher die MAGA-Rechte spaltet
Teile der Maga-Rechten mögen sich von Israel abwenden – doch eine harte Form des christlichen Zionismus scheint weiter die Politik der Regierung Donald Trumps zu prägen. Das war zuletzt an einer hitzigen Debatte zwischen dem Moderator Tucker Carlson und Mike Huckabee, dem US-Botschafter in Israel, zu erkennen.
Carlson hatte das konfrontative Videointerview mit Huckabee, das am Ben-Gurion-Flughafen in Israel geführt worden war und die tiefe Kluft zwischen zwei Fraktionen der Republikanischen Partei zeigt, Mitte Februar veröffentlicht. Auf der einen Seite steht eine christlich-nationalistische Strömung der Maga-Bewegung, die die engen Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Israel mit zunehmendem Misstrauen betrachtet. Auf der anderen Seite steht ein älteres christlich-konservatives Establishment, das dieses Bündnis als ein Symbol der US-Außenpolitik betrachtet – und in Teilen glaubt, dass israelische Juden ein göttliches Recht auf einen großen Teil des Nahen Ostens haben, ungeachtet der öffentlichen Meinung in den USA.
Carlson vs. Huckabee: „Schlägerei am Ben Gurion“
Nennen wir es die „Schlägerei am Ben Gurion“: Während ihres mehr als zweistündigen Dialogs unterstellte Carlson Huckabee wiederholt, dass dieser sich mehr für die Verteidigung der Interessen Israels engagiere als für die seines Landes, das er als US-Beamter vertritt. Mike Huckabee seinerseits – ein prominenter christlicher Zionist, der glaubt, dass Israel ein biblisches Recht auf das Gebiet hat, das seine Regierung und Siedler beanspruchen – widersprach Carlsons Andeutungen, dass Israel die militärische und finanzielle Hilfe, die es von den USA erhält, nicht verdiene, scharf.
Die Gereiztheit im Interview machte deutlich, wie wenig die Trump-Regierung auf die wachsende Unzufriedenheit der Amerikaner mit Israel reagiert, die sich in Umfragen unter verschiedenen Bevölkerungsgruppen zeigt – darunter auch ein leichter Rückgang der pro-israelischen Stimmung unter den Republikanern.
Für Mike Huckabee hat Israel Anspruch auch auf Jordanien, Syrien, Libanon, große Teile Saudi-Arabiens und des Irak
In einer besonders bemerkenswerten Seuquenz des Interviews fragt Carlson Huckabee nach einem Bibelvers, in dem Gott Abraham verspricht, dass seine Nachkommen Land „vom Wadi Ägyptens bis zum großen Fluss Euphrat – das Land der Keniter, Kenizziter, Kadmoniter, Hethiter, Perizziter, Rephaiter, Amoriter, Kanaaniter, Girgaschiter und Jebusiter“ erhalten würden. Ob also Israel gemäß einer wörtlichen Auslegung der Bibel das Recht habe, einen Großteil des modernen Nahen Ostens für sich zu beanspruchen: „Die Levante … Israel, Jordanien, Syrien, Libanon – dazu kämen noch große Teile Saudi-Arabiens und des Irak“, so Carlson.
Huckabee antwortete: „Ich bin mir nicht sicher, ob es so weit gehen würde, aber es wäre ein großes Stück Land.“ Und weiter: „Israel ist ein Land, das Gott durch Abraham einem Volk gegeben hat, das er auserwählt hat. Es war ein Volk, ein Ort und eine Bestimmung.“ Von Carlson gefragt, ob Israel ein Recht auf dieses Land habe, antwortete Huckabee: „Es wäre in Ordnung, wenn sie alles nehmen würden.“ Einen Moment später ruderte er zurück und argumentierte, Carlsons Frage sei irrelevant, da Israel keine solchen Absichten habe.
Das Interview fand vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Israel und Gaza statt, der trotz einer fragilen Waffenruhe weiterhin palästinensische Leben fordert, und zu einem Zeitpunkt, an dem Israel jüngst Maßnahmen ergriffen hat, um die Kontrolle über die palästinensischen Gebiete im Westjordanland zu verschärfen, was ein israelischer Minister als Maßnahme bezeichnet hat, um „die Idee eines palästinensischen Staates zu zerstören“.
Nur 20 Prozent der Amerikaner befürworteten einen Krieg mit dem Irans, so Carlson
Zudem lag das Gesapräch der beiden im unmittelbaren Vorfeld des nun erfolgten Angriffs Israels und er USA auf den Iran. Einen solchen hatte Carlson stets vehement ablehnt, Huckabee deutete an, dass er den Angriff notwendig hält. Carlson wies darauf hin, dass laut Umfragen nur etwa 20 Prozent der Amerikaner einen Krieg mit dem Iran unterstützen. „Wir leben nicht in einer Welt, in der man eine Umfrage durchführt, um herauszufinden, ob unsere Politik eine bestimmte Richtung einschlagen sollte“, sagte Huckabee und argumentierte, dass es Bedrohungen für die USA gebe, deren Ausmaß das amerikanische Volk möglicherweise nicht verstehe. (Er hat keine direkte Bedrohung durch den Iran für die USA formuliert.)
Carlson kritisierte Huckabee auch scharf wegen seiner Entscheidung, sich Ende vergangenen Jahres mit Jonathan Pollard zu treffen, der wegen Spionage für Israel verurteilt worden war; wegen der Frage, warum ein israelischer Beamter nach Israel zurückkehren konnte, nachdem die Polizei ihn im August letzten Jahres in Nevada wegen angeblicher Anwerbung einer Minderjährigen für Sex festgenommen hatte; warum die USA möglicherweise Geld an ein Land überweisen, das seinen Bürgern staatlich finanzierte Abtreibungen anbietet, und über Verbindungen zwischen Jeffrey Epstein und Ehud Barak, dem ehemaligen Premierminister Israels. (Der in Nevada wegen eines Sexualdelikts angeklagte Beamte plädierte auf nicht schuldig. Barak wurde nicht in ein Verbrechen verwickelt und sagte, er bereue es, Epstein jemals gekannt zu haben.)
Israel „sieht viel schöner aus als unser Land. Es hat schönere Straßen als die Vereinigten Staaten“, sagte Carlson. „Es ist so: OK, warum schicken wir all dieses Geld an ein Land, das einen höheren Lebensstandard hat als wir?“
Tucker Carlson hatte einst den Irak-Krieg unterstützt
Carlson und Huckabee blieben größtenteils höflich, diskutierten jedoch heftig – oft unterbrachen sie sich gegenseitig, um die Prämissen der jeweiligen Behauptungen in Frage zu stellen.
Carlson, der einst den Irak-Krieg unterstützt hatte, verkörpert mittlerweile den populistisch-nationalistischen Flügel der Maga-Bewegung. Seit er 2023 den Fernsehsender Fox News verlassen hat, kritisiert er Israel und dessen amerikanische Unterstützer mit besonderer Vehemenz. Einige Kritiker werfen ihm vor, Verschwörungstheorien und antisemitische Klischees zu verbreiten.
Obwohl die republikanischen Wähler insgesamt weiterhin pro-israelisch eingestellt sind, stehen jüngere Konservative der Unterstützung der USA für das Land zunehmend skeptisch gegenüber und sympathisieren mit Carlsons Standpunkt. „Ich denke, wir nähern uns dem Ende einer Ära, die unter George W. Bush ihren Höhepunkt erreichte, in der es als selbstverständlich galt, dass Vertreter der Republikanischen Partei oder des Konservatismus Israel wohlgesonnen waren“, sagte Samuel Goldman, Associate Professor für Geisteswissenschaften an der University of Florida und Autor von God’s Country: Christian Zionism in America.
Benjamin Netanjahu hat bewusst in Kauf genommen, liberale jüdische Amerikaner zu verprellen
Goldman merkte an, dass die Debatte zwischen Carlson und Huckabee „eindeutig generationsbedingt“ sei. Der 70-jährige Huckabee gehört zu einer Generation amerikanischer Christen, die Israel tendenziell als Säule einer gemeinsamen jüdisch-christlichen Zivilisation betrachteten. Darüber hinaus glaubten viele evangelikale Protestanten, dass es eine biblische Verpflichtung für amerikanische Christen gebe, den jüdischen Staat zu unterstützen. Im Gegensatz dazu hat Carlson, 56, den Aufstieg einer Strömung der Maga-Bewegung verfolgt, die isolationistisch und christlich-nationalistisch ist. „Ich denke, er spiegelt die Zweifel jüngerer Christen und Konservativer wider und spricht sie an, ob die Begeisterung für Israel, die ihre Eltern – und mittlerweile manchmal auch Großeltern – an den Tag legten, politisch oder theologisch sinnvoll ist“, sagte Goldman.
In den vergangenen Jahrzehnten pflegte die israelische Rechte enge Beziehungen zur Republikanischen Partei und zu konservativen christlichen Gruppen in den USA. Premierminister Benjamin Netanjahu war der Ansicht, dass christliche Zionisten für Israel langfristig nützlichere Verbündete seien als liberal gesinnte jüdische Amerikaner und dass es das Risiko wert sei, andere Teile der amerikanischen Unterstützung zu verprellen, um sich mit der Rechten zu verbünden.
Solange Trump jedoch an der Macht ist, werden die Maga-Kritiker Israels wahrscheinlich weiter nur bedingt Einfluss auf die tatsächliche US-Politik bezüglich Israels und des Nahen Ostens haben. Sobald Trump aus dem Amt scheidet, könnte die interne Spaltung der Rechten in Bezug auf Israel ernsthafte Probleme für sie bedeuten. Was dann passieren wird, kann niemand vorhersagen. „Wir stehen am Anfang von etwas, nicht am Ende“, sagte Stern. „Wir wissen derzeit noch nicht, wohin das führen wird.“