Hilfen zu Gunsten von die Ukraine: Die USA nach sich ziehen ihre Unterstützung sozusagen komplett eingestellt

Die EU trägt inzwischen den Hauptteil der Hilfen für Kiew, während die USA ihre Unterstützung 2025 praktisch komplett eingestellt haben. Das zeigt ein Bericht des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel). Während Washington im Jahr 2024 noch gut 15 der 35 Milliarden Euro für militärische und 20 von 45 Milliarden Euro an Finanz- und humanitärer Hilfe zur Verfügung stellte, fiel dieser Anteil mit dem Einzug von Donald Trump ins Weiße Haus praktisch auf null. Dagegen steigerte die EU ihre Militärhilfe zur Verteidigung der Ukraine um 67 Prozent sowie finanzielle und humanitäre Unterstützung um 59 Prozent.
„Infolge des vollständigen Rückzugs der USA lagen die gesamten militärischen Hilfszusagen für die Ukraine dennoch um 13 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre“, so das IfW Kiel, das seit Beginn des Krieges die Hilfen für die Ukraine erfasst. „Der wachsende Finanzbedarf der Ukraine wird nun größtenteils durch Darlehen und Zuschüsse auf EU-Ebene finanziert“, sagt Christoph Trebesch, Leiter des Ukraine Support Trackers.
Selenskyj bedankt sich
Die zunehmende Ausrichtung auf multilaterale Hilfe auf EU-Ebene wie der im Dezember beschlossene Kredit über 90 Milliarden Euro bedeute, dass die Ukrainehilfe „fairer über die EU verteilt ist, nämlich entsprechend dem Anteil jedes Landes am BIP der Union“. Das gelte jedoch nur für die Finanzhilfen, während die militärische Unterstützung nach wie vor nur von einer kleinen Anzahl an Ländern getragen werde, vor allem von Deutschland, Großbritannien und den skandinavischen Staaten. Letztere trügen etwa ein Drittel der Militärhilfe, obwohl ihr BIP nur acht Prozent der 31 europäischen Geberländer ausmache, so das IfW Kiel. Westeuropa leiste einen Beitrag, der seinem BIP entspreche, während Südeuropa deutlich darunter bleibe.
Anders als Joe Biden gewährt Trump nur noch von NATO-Partnern bezahlte Waffenlieferungen an die Ukraine, wobei hier vor allem die „Priorisierte Ukrainische Bedarfsliste“ (PURL) zum Einsatz kommt. Im Jahr 2025 kauften NATO-Geberländer der Ukraine dem IfW zufolge in den USA Waffen und Munition für 3,7 Milliarden Euro, darunter auch Flugabwehrsysteme der Typen HIMARS und Patriot. Selenskyj bedankte sich am Donnerstag ausdrücklich bei „allen Ländern, die zur PURL-Initiative beitragen“.
Zudem erklärte Selenskyj, dass die Ukraine an einem von den Amerikanern vorgeschlagenen Treffen in Miami in der kommenden Woche teilnehmen werde. „Wir haben das sofort bestätigt“, sagte er am Donnerstag. Russland hat sich bisher noch nicht zu einer Teilnahme geäußert. Zugleich wartet Kiew auf eine Reaktion aus Moskau auf den US-Vorschlag einer Pause des Angriffs von Energieanlagen, den die USA in Abu Dhabi vorgeschlagen hatten. Russland schweige dazu, sagte Selenskyj. „Wir haben nur eine Antwort in Form von Drohnen- und Raketenangriffen erhalten.“
In der Nacht zum Donnerstag hatte Russland die Ukraine abermals großflächig aus der Luft angegriffen. Dabei kamen in der Stadt Losowa im Gebiet Charkiw zwei Menschen ums Leben, mindestens sechs weitere wurden verletzt, teilte die Militärverwaltung des Gebiets mit. Die ukrainischen Luftstreitkräfte zählten 219 Drohnen und 25 Raketen, von denen die meisten abgefangen worden seien. Hauptziel sei die Energieinfrastruktur in den Gebieten Kiew, Charkiw und Odessa gewesen, zudem habe es Schäden in den Gebieten Donezk und Cherson gegeben.
In Kiew dauerte der Alarm mehr als drei Stunden bis 5.20 Uhr morgens, es waren Einschläge und Abwehrfeuer zu hören. In mehr als 100.000 Haushalten Kiews habe es daraufhin zeitweise keinen Strom gegeben, teilte der Kraftwerksbetreiber DTEK mit. Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge fiel in rund 2.600 Wohnblocks die Wärmeversorgung aus. Zudem sei es wegen der Schäden noch nicht gelungen, weitere 1.100 Gebäude, die seit einem Angriff im Januar ohne Heizung sind, wieder ans Netz anzuschließen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Donnerstag von einer „angespannten Lage“. Die effektivste Verteidigung gegen russische Raketen sei das Flugabwehrsystem Patriot, für das täglich Abwehrraketen benötigt würden. Im Januar war es Russland auch wegen Munitionsmangels der Flugabwehr gelungen, Strom- und Heizkraftwerke zu zerstören.
Source: faz.net