Hightech-Strategie: Europa knüpft ein Netzwerk von KI-Fabriken

In Stuttgart wird der US-Computerbauer HPE einen speziellen Superrechner für Anwendungen der Systeme der Künstlichen Intelligenz (KI) aufstellen. Die auf „HammerHai“ getaufte Maschine soll am Höchstleistungsrechenzentrum der Universität (HLRS) stehen, vor allem institutionellen Nutzern aus Wissenschaft, Forschung und der Gründerszene dienen sowie ein zentraler Punkt im europäischen Netzwerk sogenannter AI Factories werden.

HammerHai wird als erste deutsche KI-Fabrik angesehen. Eine zweite Fabrik wird unter der Bezeichnung JAIF vom Jülich Supercomputing Centre betrieben und basiert auf dem Jupiter-Rechner, einem der leistungsstärksten Computer der Welt, einem sogenannten Exascale-Computer. KI-Fabriken sind im Grunde große Hochleistungsrechenzentren, die auf spezielle KI-Systeme ausgerichtet sind. Geliefert und installiert werde der neue Stuttgarter Rechner in den kommenden Wochen. Bis Ende des Jahres soll er in Betrieb genommen sein.

Ein Schritt auf einem langen Weg

Entwickler müssten allerdings schon heute Rechenzeiten beantragen, sagt Bastian Koller, Geschäftsführer des HLRS, der F.A.Z. Denn die Nachfrage werde aufgrund der Leistung des Computers hoch sein. In der Maschine arbeiten neue ­Nvidia-Chips, die HPE-Morpheus-Enterprise-Software sowie die KI-optimierten Inferenz-Maschinen und Hardware-Beschleuniger des niederländischen Unternehmens Axelera AI.

HammerHai steht für „Hybrid and Advanced Machine Learning Platform for Manufacturing, Engineering, and Research“. Der Rechner ist nach den Worten von Koller ein Schritt auf dem Weg zu einem eigenen leistungsfähigen europäischen KI-Ökosystem. Mit einem Preisschild von 55 Millionen Euro sei die Anlage im Branchenvergleich relativ preiswert. Dennoch könne sie hiesigen Start-ups wie auch renommierten Industrieunternehmen wertvolle Dienste bei KI-Eigenentwicklungen leisten.

Das HLRS koordiniert die HammerHai-Anlage und arbeitet dafür mit der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen, dem Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching, dem Karlsruher Institut für Technologie sowie der Simulation, Computing und Storage BW GmbH zusammen. Darüber hinaus kooperieren die Stuttgarter mit Partnern außerhalb der EU wie der UK AI Factory Antenna in Edinburgh.

Brüssel macht Druck

Treibende Kraft hinter der Knüpfung eines europaweiten Netzwerkes von KI-Rechenzentren ist die EU-Kommission. Sie hatte im Januar 2024 ein Paket von Maßnahmen geschnürt, um den alten Kontinent im Rennen um neuartige KI-Systeme weiter nach vorn zu bringen als bisher. Bislang machen Amerika und China das Rennen. Das soll sich ändern. Dafür machte Brüssel nach dem Vorbild Pekings und Washingtons den Weg für die Errichtung eigener KI-Fabriken frei.

So schuf die Kommission mit dem Euro HPC JU eine Rechts- und Finanzierungseinrichtung, die eine geschlossene europäische Supercomputing-Lieferkette samt Chips und Software knüpfen sowie hiesige technologische Kräfte vernetzen soll. Zur Entwicklung dieses Netzes hatte Brüssel im Dezember 2024 sieben Konsortien für die anfangs sieben Fabriken ausgewählt. Im März und im Oktober 2025 fügte sie je sechs weitere KI-Fabriken dazu.

Diese Rechenzentren sind über ganz Europa verteilt, haben verschiedene Größen, unterschiedliche Betreiber und sind auf Nutzer aller Art ausgerichtet. Sie sind untereinander vernetzt und an hiesige digitale Innovationszentren angebunden. Darüber hinaus arbeiten sie mit festen Partnern in Ländern zusammen, in denen bislang keine KI-Fabrik steht oder die außerhalb der EU liegen. In einem zweiten Schritt baut das Gemeinschaftsunternehmen eine In­frastruktur für Quantencomputer auf.