Hier ist welcher Dschungel keine Kulisse, sondern Gastgeber
Wer in den Tropen Urlaub macht, wählt am besten ein Hotel, das die umgebende Fauna und Flora zum Erlebnis macht. Da kann man hier mit der Zipline durch die Wildnis schießen, während man sich dort raffinierter Meuten erwehren muss. Wir stellen drei besondere Häuser auf drei asiatischen Inseln vor.
Tief im Regenwald: „The Datai“, Malaysia
Am Morgen des 26. Dezember 2004 stand Dev Abdullah allein am Strand der Insel Langkawi. Während die Hotelgäste noch schliefen, zog sich das Meer plötzlich Hunderte Meter zurück. Der Naturforscher wusste sofort, was sich da anbahnte: ein Tsunami. „Ich bin um mein Leben gerannt“, erzählt er heute.
Dass das malaysische Luxusresort „The Datai“, für das er als Botaniker arbeitet, damals verschont blieb, lag nicht zuletzt am Regenwald, der es umgibt. Millionen Jahre alt, wirkte er wie ein natürlicher Schutzwall. Abdullah erinnert sich, dass die Besitzer bei der Eröffnung Teile des Waldes roden wollten, um ihn durch tropischer wirkende Palmen zu ersetzen. Er konnte sie überreden, die einheimischen Bäume stehenzulassen. Sie bremsten die Wucht der Wellen und retteten das Hotel.
Bis heute ist Naturschutz das Motto des Resorts – und der Regenwald eine Attraktion, die Abdullah interessierten Gästen bei Führungen näherbringt. Man sieht und erfährt dabei viel: Auf Langkawi, etwa halb so groß wie Berlin, leben mehr als 530 Schmetterlingsarten, Nashornvögel und die geheimnisvollen Kolugos, Gleitflieger, die fast 100 Meter weit durch die Nacht segeln können.
Im Dschungel verbergen sich winzige Orchideen, die die Form ihrer Blüten an die Insekten der Umgebung anpassen können. Im hauseigenen Garten gedeihen tropische Pflanzen wie Ananas und Pfeffer, gedüngt mit Kompost aus Küchenresten.
Auch die Architektur fügt sich nahtlos in den Regenwald. Offene Wände, Dächer aus Palmstroh, Rattan und Stein – nichts sticht heraus, alles verschmilzt mit der Umgebung. So akzeptieren die Tiere die Anlage als Teil ihres Lebensraums. Warane überqueren die Wege, Nashornvögel fressen die Früchte der großen Würgefeige vor der Lobby, Äffchen turnen über die Dächer. Das Problem, dass die Affen das Frühstücksbuffet plündern, wurde entschärft, indem rund um das Hotel gezielt Obstbäume angepflanzt wurden, die ihnen ausreichend Nahrung bieten.
Das Umweltengagement erstreckt sich auch aufs Wasser: Biologen dokumentieren Schweinswale und die seltenen rosa Delfine in der Andamanensee, untersuchen ihre Gesänge und die Auswirkungen des Bootsverkehrs. Vor der Küste wurden künstliche Riffe installiert, auf denen sich neue Korallen ansiedeln. Fische finden dort Schutz, und selbst die lange verschwundene goldene Seegurke kehrt zurück. Wer in „The Datai“ eincheckt, wohnt in einem lebendigen Ökosystem.
Infos: Doppelzimmer ab 642 Euro (thedatai.com)
Robinsonade für Familien – „Nikoi Island“ in Indonesien
„Nikoi Island“ ist ein Resort auf der gleichnamigen indonesischen Tropeninsel, unweit von Singapur gelegen – ideal für einen Abstecher im Südostasienurlaub. Und ideal für Familien, denn vor allem Kinder können hier viel erleben. Der Nachwuchs wird nicht im plastikbunten Kids-Club vor Videoschirmen bespaßt, sondern kann sich in einem für Kinder reservierten Bereich unter schattigen Bäumen mit hölzernem Piratenschiff, Klettergerüsten und Spielen aus Naturmaterialien austoben. Auch wer ohne Kinder reist, findet auf Nikoi Ruhe und Naturerlebnisse – zwischen den 18 Villen und im Dschungel ringsum ist Platz genug.
Morgens klettern Kinder, von engagierten Mitarbeitern begleitet, gesichert eine Kokospalme hinauf, basteln danach Pfeil und Bogen aus Treibholz oder binden Armbänder aus Muscheln, die sie vorher am Strand gesammelt haben.
Jeden Nachmittag gibt es eine Schatzsuche für alle Kinder rund um die Insel, abends können sie Marshmallows über einem Lagerfeuer am Strand rösten. Mit etwas Glück können sie zusehen, wie Schildkröten schlüpfen und ins Meer krabbeln. Eine Robinsonade für die Kids, die auch den Eltern gefällt, denn dank des umfassenden Kinderprogramms können sie sich ungestört erholen.
Nikoi ist eine 15 Hektar große Privatinsel vor dem indonesischen Eiland Bintan. Der weiße Sandstrand und das türkisfarbene Wasser sind durchbrochen von gewaltigen Granitblöcken, die wie hingestreut an der Küste liegen, das Inselinnere besteht aus dichtem Regenwald mit Banyan-Bäumen, Lianen und Palmen: ein Dach aus Grün, unter dem Otter und Eidechsen ihr Zuhause haben und das etwa 60 Prozent des Eilands bedeckt. Wie es sich für ein Familienziel gehört, führt eine Zipline mitten durch den Dschungel.
Die Hotelvillen schmiegen sich perfekt in die Natur. Gebaut sind sie aus Treibholz, weitgehend offen und ohne Klimaanlage. Der Wind übernimmt die Kühlung, nachts lullt das Rauschen der Brandung in den Schlaf.
Auch sonst verzichtet das Resort auf Überfluss: Es gibt nur zwei Restaurants – ein indonesisches und ein westliches – mit jeweils einem Menü pro Mahlzeit. Viele Zutaten kommen von der eigenen Farm auf Bintan. Gegessen wird mit nackten Füßen im weichen Sand. Unbedingt probieren: Das wunderbare hausgemachte Kokoseis, das die Hotelküche frisch aus den Kokosnüssen zubereitet, die hier regelmäßig von den Bäumen fallen.
Infos: Villa für zwei bis vier Personen ab 294 Euro (nikoi.com)
Affentheater: „The Heritance Kandalama“, Sri Lanka
Dass dieses Hotel mitten im Dschungel von Sri Lanka liegt, merkt man bereits bei der Anfahrt: Kilometerlang geht es durch dichten Urwald, an der Zufahrt-Piste stehen Schilder mit aufgemalten Elefanten und der Aufschrift „Slow“. Langsam fahren sollte man tatsächlich, denn die Chance, dass eine Herde von Dickhäutern ohne Beachtung von Vorfahrtsregeln aus dem Dickicht herausbricht und den Weg kreuzt, ist groß.
Angekommen im „The Heritance Kandalama“, wird man von Vogelgekreisch empfangen (mehr als 200 Arten leben im Regenwald, in den das Hotel eingebettet ist) und von einer Meute Affen neugierig beobachtet. Diesen Dschungelbewohnern wird man später noch begegnen.
Das 1994 eröffnete Hotel ist ein wahrer Hingucker, obwohl es sich im Tropengrün fast verliert und stellenweise überwuchert ist: Erbaut vom sri-lankischen Star-Architekten Geoffrey Bawa, zieht es sich mit offenen Gängen, riesigen Glasflächen, Freiluftgalerien und Terrassen in zwei Flügeln fast einen Kilometer lang durch den Regenwald, entlang einer Felskante.
Hier und da ragt das Gestein direkt in die Räume hinein, wurde aber geschickt integriert – dadurch kommt man sich stellenweise, etwa auf dem Weg zur Lobby, wie in einer Höhle vor. Von den Restaurants und allen Zimmern aus hat man einen wunderbaren Blick in die üppige Natur. Das Hotel bietet dorthin geführte Ausflüge an, zum Beispiel eine Schmetterling-Großlibellen-Tour, eine Elefanten-Safari oder eine Vogelbeobachtung.
Wer will, kann auch den Monolithen von Sigiriya erklimmen, ein nahegelegenes Weltkulturerbe: Auf einem 200 Meter hohen Granitklumpen wurde anno 473 eine Festung errichtet, deren Ruinen sich lohnen, zumal sie ein Traumpanorama über Urwald und Reisfelder bieten. Einziger Haken: Die Anlage ist nur über schweißtreibende 1200 Fels- und Treppenstufen zu erreichen, die man sich in der Tropenhitze hinaufschleppen muss.
Zurück im „The Heritance Kandalama“ verspricht das klimatisierte Hotelzimmer mit seiner großen Fensterfront Abkühlung. Doch hier ist Vorsicht geboten – denn die eingangs erwähnten Affen sind nicht nur neugierig, sondern auch hungrig und schlau.
Natürlich wissen sie, dass sich hinter jeder Balkontür ein Affenparadies verbirgt, sprich: ein Hotelzimmer. Dort stehen üppige Früchtekörbe auf dem Tisch und es liegen Koffer herum, die nur darauf warten, geplündert zu werden.
Wer vergisst, seine Balkontür zu verriegeln, bekommt garantiert Besuch von der Affenmeute, die von außen jeden Tag die Balkongitter entlangklettert: Werden sie auf ihrer Inspektionsrunde fündig, schiebt einer die Balkontür auf, während seine Kumpels mit einem Affenzahn das Zimmer durchwühlen und sich mit Proviant und Spielzeug eindecken. Weshalb sich niemand wundern sollte, der bei einer Dschungelexkursion Affen mit verbogenen Brillen oder geklauten Büstenhaltern begegnet.
Infos: Doppelzimmer ab 262 Euro (heritancehotels.com/kandalama)
Die Recherche wurde unterstützt von „The Datai“. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Source: welt.de