Heimatschutzminister: Aus dem Käfig ins Kabinett – die steile Karriere des Markwayne Mullin

Markwayne Mullin war einst Kampfsportler, jetzt wird er das neue Gesicht von Trumps harter Migrationspolitik. Die Strategie für die Einwanderungsbehörde ICE will er verändern.
Er ist ein früherer Käfigkämpfer, Inhaber eines Klempnereibetriebs und saß zuletzt im US-Kongress: Markwayne Mullin wird nach dem Willen von Präsident Donald Trump neuer Heimatschutzminister. Der US-Senat bestätigte Mullin am Montag. Erfahrungen in der Innen- und Sicherheitspolitik hat der 48-Jährige zwar nicht. Viel wichtiger für Trump aber ist: Mullin ist ein treuer Gefolgsmann.
Nach der Bestätigung durch den Senat kann Mullin zum Monatsende die umstrittene Heimatschutzministerin Kristi Noem ablösen, die Trump Anfang März gefeuert hatte. Sie war nach den Todesschüssen ihrer Einsatzkräfte auf zwei US-Bürger in Minneapolis in Ungnade gefallen. Dazu kam eine kostspielige Werbekampagne, in der viele eine PR-Aktion für Noem sahen.
Mullin werde „einen spektakulären Heimatschutzminister abgeben“, erklärte Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Er werde die US-Grenze sichern, „Mörder und andere Kriminelle“ aus dem Land halten und den Drogenhandel beenden, schrieb der Präsident ihm ins Stammbuch.
Markwayne Mullin will ICE von der „Frontlinie” holen
Damit ist Mullin künftig das Gesicht von Trumps Massenabschiebungen. Der bisherige Senator aus dem Bundesstaat Oklahoma verantwortet ein Heimatschutz-Budget von rund 115 Milliarden Dollar (rund 100 Milliarden Euro). Ihm unterstehen die Einwanderungsbehörde ICE und die Grenzschutzbehörde CBP, die seit den tödlichen Schüssen von Minneapolis der Kritik stehen.
Bei seiner Nominierungsanhörung im Senat sagte Mullin, er wolle ICE von der „Frontlinie“ wegbringen, damit die Einsätze nicht mehr die Schlagzeilen beherrschen. ICE hatte durch brutale Abschieberazzien in Minneapolis, New York, Los Angeles und anderen von Demokraten regierten Städten von sich reden gemacht.
Um weitere Tote zu verhindern, fordern die Demokraten im Kongress deutlich verschärfte Regeln für ICE, unter anderem ein Maskenverbot. Weil die Trump-Regierung dies bisher verweigert, ist das Budget des Heimatschutzministeriums teils eingefroren.
Um die Demokraten zum Einlenken zu zwingen, lässt Trump seit Wochenbeginn bewaffnete ICE‑Kräfte an US-Flughäfen patrouillieren. Sie sollen die Mitarbeiter der Flughafensicherheit unterstützen, die unbezahlt arbeiten müssen und teils gekündigt haben. Dadurch kam es teils zu langen Schlangen an Airports.
MMA-Kämpfer und Chef eines Handwerksbetriebs
Doch auch unter Trumps Republikanern gibt es Mullin-Kritiker. Der republikanische Senator Rand Paul, der dem Ausschuss für Heimatschutz vorsitzt, verweigerte ihm seine Zustimmung und begründete dies mit Mullins „Wutproblemen“. Mullin hatte Paul als „verdammte Schlange“ beschimpft, weil er sich mehrfach Trumps Willen widersetzt hatte.
Mullin gehört der Stammesgemeinschaft der Cherokee an und ist damit künftig der einzige indigene Vertreter in Trumps Kabinett. Er sitzt seit 2013 im Kongress, zunächst im Repräsentantenhaus und zuletzt im Senat. Der Chef des Klempnerei-Familienbetriebs Mullin Plumbing beschreibt sich auf seiner Webseite als „erfolgreicher Unternehmer, aktiver Kuh- und Kalb-Rancher und seit 28 Jahren stolzer Ehemann“ und sechsfacher Vater.
Zwischen 2006 und 2009 war Mullin professioneller Mixed-Martial-Arts-Kämpfer, eine von Trump favorisierte Sportart. Trump beschreibt ihn als „Krieger“ seiner Maga-Bewegung „Make America Great Again“ (Macht Amerika wieder großartig).
Bei seiner Senatsanhörung erzählte Mullin unter Tränen, warum er Trump für immer Dank schulde. Dieser habe während der Präsidentschaftskampagne 2020 in Begleitung von Kamerateams Mullins Sohn Jimmy am Krankenbett besucht, der mit einer Gehirnverletzung zu kämpfen hatte. Das habe Trump ganz sicher nicht aus PR-Gründen getan, sagte Mullin mit belegter Stimme.
AFP
Stephanie Lob/epp
Source: stern.de