Heikler Einsatz im Nordatlantik: Medien: USA erwirtschaften russischen Öltanker unter Kontrolle
Heikler Einsatz im NordatlantikMedien: USA bringen russischen Öltanker unter Kontrolle
07.01.2026, 14:54 Uhr

Zwei Wochen lang verfolgen die USA einen Öltanker, der wohl für Russland fährt. Plötzlich tauchen russische U-Boote und Militärschiffe auf, um den Tanker zu begleiten. Dann schlägt das US-Militär zu: Es entert das Schiff aus der Luft.
Die USA haben Medienberichten zufolge nach einer mehr als zweiwöchigen Verfolgungsjagd einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker vor der Küste Islands unter ihre Kontrolle gebracht. Der russische Staatssender RT hatte zuvor berichtet, US-Kräfte hätten offenbar versucht, von einem Hubschrauber aus an Bord des Tankers „Marinera“ zu gelangen, und veröffentlichte dazu ein entsprechendes Bild.
In der Nähe des Einsatzortes befänden sich ein russisches U-Boot und ein Kriegsschiff, sagten zwei US-Vertreter dem „Wall Street Journal“ und Reuters. Der mit Venezuela in Verbindung stehende Tanker werde von der US-Küstenwache und dem US-Militär verfolgt. Die USA entsandten zur Unterstützung P-8 Poseidon „U-Boot-Jäger“-Flugzeuge und AC-130J Kampfhubschrauber.
Das russische Außenministerium erklärte staatlichen Medien zufolge, das Schiff befinde sich in internationalen Gewässern und handele im Einklang mit dem internationalen Seerecht. Es forderte die westlichen Länder auf, das Recht des Schiffs auf freie Schifffahrt zu respektieren.
Dem jetzigen Einsatz sei vorausgegangen, dass der Tanker, der ursprünglich den Namen „Bella-1“ trug und unter guyanischer Flagge fuhr, eine US-Seeblockade für sanktionierte Tanker durchbrochen habe. Zudem habe er sich den inzwischen zwei Wochen andauernden Versuchen der US-Küstenwache widersetzt, an Bord zu gehen, und sei seitdem unter russischer Flagge registriert.
RT zitierte eine ungenannte Quelle mit den Worten, es sei bereits ein Versuch unternommen worden, den Tanker während eines Sturms zu kapern. Es scheint das erste Mal seit Langem zu sein, dass das US-Militär versucht, ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff zu beschlagnahmen.
Die Aktion ist Teil der Kampagne von US-Präsident Donald Trump gegen Venezuela und erfolgt nur wenige Tage, nachdem US-Spezialkräfte den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro in Caracas gefangen genommen haben. Führende venezolanische Vertreter bezeichneten die Gefangennahme Maduros als Entführung und warfen den USA vor, die riesigen Ölreserven des Landes stehlen zu wollen. Trump wiederum warf Venezuela vor, US-Öl gestohlen zu haben. Die US-Küstenwache hat zudem einen weiteren mit Venezuela in Verbindung stehenden Tanker in lateinamerikanischen Gewässern abgefangen.
Die „Marinera“ sollte ursprünglich auf ihrer aktuellen Fahrt in Venezuela Öl laden. Vor zwei Wochen wollten die Vereinigten Staaten dann zugreifen, doch die Besatzung konnte mit dem Tanker flüchten. Öl sei laut den USA allerdings nicht an Bord des Schiffes. Das Weiße Haus sagte, es handle sich um ein staatenloses Schiff, das unter falscher Flagge fährt und gegen das ein gerichtlicher Beschlagnahmebeschluss vorliegt.
Source: n-tv.de