Harvey Weinstein: Sexualstraftäter klagt via Haftbedingungen

Harvey Weinstein hat über seine Zeit hinter Gittern gesprochen und stellt sich dabei selbst als Opfer dar.
Der verurteilte Sexualstraftäter Harvey Weinstein (73) sitzt auf Rikers Island hinter Gittern. Mit dem „Hollywood Reporter“ sprach der 73-jährige ehemalige Hollywood-Mogul über seine Haftbedingungen im berüchtigten New Yorker Gefängnis. Demnach verbringt Weinstein fast den gesamten Tag alleine in seiner Zelle, weil er sich nicht unter seinen Mithäftlingen aufhalten will.
„Ich verbringe fast die gesamte Zeit in meiner Zelle. Manchmal fahre ich kurz im Rollstuhl raus, um etwas Luft zu schnappen – aber nur für eine halbe Stunde. Meistens bin ich 23 Stunden am Tag eingeschlossen.“ Er habe lediglich zu seinen Wärtern, Anwälten und einigen Freunden Kontakt.
Schlag ins Gesicht und Isolation
Wenn er sich doch mal unter seinen Mithälftlingen aufhielte, fühle er sich „unter Belagerung“. Sie würden ihn angeblich um Geld anbetteln und sich wünschen, dass sein Star-Anwaltsteam auch ihre Fälle übernimmt. Einmal sei Weinstein auch mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden, als er es eilig hatte, an ein Telefon zu kommen.
Er habe seinen Vordermann an den Knast-Telefonen gefragt, ob er fertig sei. Als Antwort erhielt er eine Faust ins Gesicht. Warum Weinstein seinen Vordermann drängelte, wird aus dem Interview nicht klar. „Er legte auf und schlug mich hart ins Gesicht. Ich fiel zu Boden, blutete überall. Ich war wirklich schlimm verletzt“, jammert Weinstein. Rikers Island sei schlicht „die Hölle“. Die Vorstellung, im Gefängnis zu sterben, bereite ihm „wahnsinnig Angst“.
Ähnliches hatte der gefallene Filmproduzent schon im Januar bei einer Anhörung vor Gericht gesagt. Laut „Hollywood Reporter“ flehte er den Richter damals um „eine zweite Chance“ an. Seine Zeit im Gefängnis auf Rikers Island bezeichnete er damals als „seelenerdrückend“ und sprach von einem „langsamen Marsch in den Tod“. Der Richter zeigte sich davon unbeeindruckt, sagte: „Sie hatten einen fairen Prozess.“
Hält sich selbst für unschuldig
Im aktuellen Interview enthüllt Weinstein noch, dass seine zwei jüngsten Kinder den Kontakt zu ihm abgebrochen hätten. Über sein früheres Verhalten sagt er, Frauen gegenüber aufdringlich gewesen zu sein. Nach seiner eigenen Einschätzung hätte er mit seinem Verhalten aber keine Gesetze gebrochen.
Weinstein wird sich ab dem 14. April erneut vor einem New Yorker Gericht verantworten müssen. Schon zum dritten Mal werden dann Vorwürfe der Schauspielerin Jessica Mann (40) verhandelt. Weinstein war 2020 wegen der Vergewaltigung von Mann verurteilt worden, doch das Urteil wurde 2024 wegen Verfahrensfehlern aufgehoben.
Jury konnte sich 2025 nicht einigen
Im darauffolgenden Wiederaufnahmeverfahren im Juni 2025 wurde der Miramax-Gründer zwar in einem Punkt des sexuellen Übergriffs schuldig gesprochen, doch in einem weiteren Anklagepunkt, der mutmaßlichen Vergewaltigung der Schauspielerin Mann, war es zu keinem Urteil gekommen. Der Vorsitzende der Jury hatte sich damals geweigert, die Beratungen fortzuführen, da er sich von anderen Geschworenen bedroht gefühlt habe. Schon damals sprachen sich die Staatsanwaltschaft und auch Mann für eine erneute Wiederaufnahme des Verfahrens aus. Weinstein sitzt derzeit in New York im Gefängnis, weil er in Kalifornien in einem weiteren Prozess zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde.
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Source: stern.de