Hamburg: Historischer Paternoster offenbar verschwunden – Denkmalschützer empört








Der vermutlich älteste Paternoster der Welt ist aus einem Hamburger Kontorhaus demontiert worden – ohne Erlaubnis. Der Restaurator ist entsetzt, die Stadt verhängt Baustopp.

Der vermutlich älteste Paternoster der Welt ist aus einem Hamburger Gebäude ohne Genehmigung des Denkmalschutzamts ausgebaut worden. Was genau mit dem Paternoster geschehen ist, ist derzeit unklar.



Es sei umgehend ein Baustopp verhängt worden, teilte die Kulturbehörde mit. Der historische Aufzug war 2018 von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt und anschließend aufwendig saniert worden. Der zuständige Restaurator Patric Wagner nannte den Verlust im Gespräch mit dem NDR einen Schlag ins Gesicht. Tausende Arbeitsstunden seien in die Restaurierung geflossen. „Es handelt sich hier um ein schützenswertes Baudenkmal, das hätte nicht geschehen dürfen“, sagte Wagner dem „Hamburger Abendblatt“.

Die Anlage im Flüggerhaus, einem Kontorhaus aus dem Jahre 1908 am Rödingsmarkt, war Ende der 70er-Jahre stillgelegt worden. Das Flüggerhaus gehörte bis vor wenigen Jahren dem Unternehmen Signa Real Estate von René Benko. Nach der Pleite des Immobilien-Imperiums wurde das Gebäude verkauft, nach einem aktuellen Bericht von NDR 90,3 an den Hamburger Investor Harm Müller-Spreer.


Müller-Spreer erklärte dem „Hamburger Abendblatt“, die Signa habe den Fahrstuhl ausgebaut. Er selbst habe ihn „nicht vollständig wieder eingebaut“, da einige Teile fehlten. Zudem habe unter anderem die Dekra festgestellt, dass der Fahrstuhl aufgrund der Gesamtkonstruktion nicht mehr betriebsfähig sei.

Wagner widerspricht dem. Es habe im vergangenen Jahr zwei Termine vor Ort gegeben, an einem davon habe Müller-Spreer teilgenommen. Zu diesem Zeitpunkt sei der Paternoster „vollständig und intakt“ gewesen, sagte er dem „Abendblatt“. Bei dem Termin sei besprochen worden, welche Schritte nötig wären, um den Fahrstuhl wieder in Betrieb zu nehmen. Wagner habe dem Investor anschließend ein Angebot gemacht.




Paternoster in Hamburg weg: „An Skrupellosigkeit nicht zu überbieten“

Müller-Spreer droht jetzt dennoch Ärger mit den Behörden. „Das Denkmalschutzamt wird sich nun einen Überblick über den entstandenen Schaden verschaffen und die weiteren rechtlichen Schritte klären“, erklärte der Sprecher der Behörde, Enno Isermann. Er verwies auf das Hamburgische Denkmalschutzgesetz, nach dem Eigentümer verpflichtet werden können, ein beschädigtes Denkmal auf eigene Kosten wiederherzustellen. Auch die Verhängung eines Ordnungsgelds ist möglich.


Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein wirft dem neuen Eigentümer schweres Fehlverhalten vor. „Wir haben so etwas als Denkmalverein auch noch nicht erlebt. Das ist an Skrupellosigkeit nicht zu überbieten. Der Eigentümer ist ein erfahrener Immobilienbesitzer, und er wusste ganz genau, was er da tat“, sagte sie dem NDR.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, „Hamburger Abendblatt“, „Bild“, NDR

rw

Source: stern.de