Halbleiterbranche: Das sind die Profiteure des KI-Booms

Lang vergessen sind die Zeiten, als Siltronic s Aktienkurs die Marke von 140 Euro überschritten hat. Damals, Ende 2021 und Anfang 2022, wollte der taiwanische Chipkonzern Globalwafers das deutsche Traditionsunternehmen aus München übernehmen – und scheiterte letztlich an fehlenden Genehmigungen Berlins. Seither ging es für das Unternehmen, das pizzagroße Halbleiter-Waferscheiben herstellt, an der Börse bergab. An diesem Dienstag legte Siltronic vorläufige Geschäftszahlen für das vergangene Geschäftsjahr vor. Dabei gewährte es einen Ausblick auf das laufende Jahr. Beides fiel eher mau aus.

An der Börse kam das nicht gut an, der Kurs fiel zeitweise um rund 5,6 Prozent auf weniger als 50 Euro. Seit Anfang des Jahres hat der Aktienkurs knapp vier Prozent eingebüßt. Der Umsatz des Unternehmens sank wie erwartet um knapp fünf Prozent auf 1,35 Milliarden Euro. Als Grund führte der Chipzulieferer teils sinkende Preise für die Siliziumscheiben und die Abwertung des Dollars an. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um 13 Prozent auf 317 Millionen Euro. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) stand im vergangenen Jahr mit 26 Millionen Euro sogar ein Verlust. Im Vorjahr hatte Siltronic noch ein Ebit von 125 Millionen Euro erwirtschaftet.

Siltronic ist mit den Siliziumscheiben, auf denen die Chips entstehen, Zulieferer für die Halbleiter-Branche. Einerseits sorgt der Boom rund um Anwendungen in der künstlichen Intelligenz für eine hohe Nachfrage nach schnellen Prozessoren sowie Speicherchips mit hoher Bandbreite. Dafür eigenen sich vor allem die 300 Millimeter großen und glänzenden Scheiben, die Siltronic herstellt. Andererseits sitzen viele Kunden aus der breiteren Industrie, also der Auto- oder auch Elektronikbranche, auf hohen Lagerbeständen, die erst abgebaut werden wollen, weshalb die Nachfrage in dem Bereich schwächelt. „Während die Endmärkte im 300-Millimeter-Bereich wachsen, steht der 200-Millimeter-Bereich auch in diesem Jahr wegen weiterhin erhöhter Lagerbestände noch unter Druck“, sagte Vorstandsvorsitzender Michael Heckmeier. Negativ wirkte sich außerdem die Schließung einer Produktionslinie im Werk in Burghausen im vergangenen Jahr aus.

Schon in der Corona-Pandemie hatte sich gezeigt, wie zyklisch das Geschäft in der Chipindustrie verläuft. Damals hatten Lieferengpässe die Preise teils in extreme Höhen getrieben. Zuletzt wurde die Branche durch den Ausbau von Rechenzentren, die es für alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) braucht, beherrscht. Eine Folge: Wegen des Auf- und Ausbaus solcher Rechenzentren können Speicherchipanbieter gar nicht soviel herstellen, wie derzeit nachgefragt wird. Zudem produzieren einige Firmen ertragsstärkere KI-Hochleistungsspeicher anstatt klassische Chips für Smartphones und Computer.

Nach aktuellen Schätzungen des Beratungsunternehmens Gartner beeinflusst das in diesem Jahr auch die globalen IT-Ausgaben. Demnach erwarten die Analysten ein Plus von knapp elf Prozent auf rund 6,16 Billionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem für Software und IT-Dienstleistungen nähmen Unternehmen und Verbraucher mehr Geld in die Hand. Für den Absatz von Elektronik-Geräten wie Smartphones oder PCs rechnen sie hingegen nur noch mit einem Plus von rund sechs Prozent. „Dies ist vor allem eine Folge der steigenden Speicherchip-Preise“, sagte Gartner-Analyst John-David Lovelock. Dies halte Nutzer momentan davon ab, ihre Geräte gegen neuere Modelle zu tauschen.

Das zeigte sich am Dienstag auch bei den beiden südkoreanischen Halbleiter-Anbietern Samsung und SK Hynix . Deren Aktienkurse schossen um elf beziehungsweise neun Prozent durch die Decke, nachdem sie am Vortag noch nachgegeben hatten. Samsung erreichte damit den größten Kursanstieg seit dem Jahr 2008. Seit Jahresbeginn legte der Samsung-Kurs um 34 Prozent zu, der von SK Hynix um rund 37 Prozent. Am Dienstag übertrafen die beiden südkoreanischen Konzerne mit einer Bewertung von zusammen rund 1,1 Billionen Dollar knapp die der beiden chinesischen Konzerne Alibaba und Tencent.

„Speicherchips sind zum kritischen strategischen Asset für die großen amerikanischen Tech-Konzerne geworden. Das ist ein bedeutender Wandel im Vergleich zu früheren Zyklen, als Speicherchips einfach nur simple austauschbare Komponenten für Computer und Smartphones waren“, sagte Simon Woo von der Bank of America in Seoul. Er schätzt, dass dieser Boom der Speicher-Chips über 2027 anhalten wird. Zumindest in den kommenden Monaten, so erwarten es Samsung und SK Hynix, werden sich die Lieferengpässe sogar noch verschärfen.

Source: faz.net