Haarspenden z. Hd. Brandopfer: Solidarität mit Crans-Montana
Mehr als einen Monat nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana liegen noch zahlreiche Opfer mit Brandwunden in Krankenhäusern. Nun spenden immer mehr Menschen ihre Haare für die Herstellung von Perücken.
Alexandra Bernard nimmt Platz im Salon von Friseurin Christelle Roy, mitten im Genfer Innenstadtviertel Eaux-Vives. Normalerweise lassen sich hier ihre Teenager-Söhne die Haare schneiden, erzählt Alexandra während sie in den großen Spiegel blickt. Sie selbst sei schon seit dreißig Jahren nicht mehr beim Friseur gewesen.
Glänzend und füllig ist die silbergraue Haarpracht, die bis weit über die Schultern der 54-jährigen Alexandra reicht und farblich perfekt zu ihrem knallblauen Pulli passt. Aber die Entscheidung steht: Die schönen langen Haare sollen ab – mindestens 20 Zentimeter, auch wenn sie dann ganz schön kurz sein werden, warnt Friseurin Christelle.
Perücken für Brandopfer
Sie wisse zwar nicht, ob sie sich danach wiedererkennen werde, sagt Alexandra, aber sie bleibt dabei: Sie wird ihr Haar spenden, damit daraus Perücken gemacht werden können für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana.
Das Inferno in der Bar „Le Constellation„, die 41 getöteten und mehr als hundert teils schwer verletzten jungen Menschen – das alles habe sie tief berührt, sagt Alexandra. „Auch meine Kinder hätten in der Bar sein können an Silvester. Logisch, dass ich tue, was möglich ist. Ich habe erst Blut gespendet und nun spende ich meine Haare“, sagt sie.
Sicher verpackt sammelt Friseurin Christelle die gespendeten Zöpfe.
Es ist ein dicker Zopf, den Friseurin Christelle da mit der Schere und viel Kraft abschneidet – bevor sie Alexandra einen schicken Pagenkopf verpasst. Professionell und kostenlos bekommt sie einen neuen Look.
Immer mehr Friseursalons machen mit
Alexandras Zopf landet in einer Kiste mit weiteren langen Zöpfen. Per Post gehen sie an den Verein „Crans-Montana Solidarité“, der die Haarspende-Aktion Mitte Januar mit Aufrufen bei Facebook und Instagram ins Leben gerufen hat.
Friseurin Christelle, selbst Mutter von drei Kindern im Alter der Brandopfer, ließ sich nicht lange bitten. Sie habe den Verein sofort kontaktiert und selbst Nachrichten gepostet. „Seither kommen jede Woche zwei oder drei Personen zu mir und spenden ihre Haare“, sagt sie.
Alexandra vor dem Haarschnitt: Statt langer Haare soll sie einen Pagenkopf bekommen.
Die Genfer Coiffeuse ist Teil eines Solidaritätsnetzes, das immer größer wird: Etwa 150 Friseursalons in der Schweiz, aber auch in Frankreich, Italien und Belgien machen schon mit und schneiden willigen Haar-Spenderinnen eine neue Frisur – umsonst. Einzige Bedingung: die Haare müssen mindestens 20 Zentimeter lang, ungefärbt und gesund sein – so wie die von Alexandra aus Genf. Ein Glücksfall, freut sich die Friseurin und sagt: Danke für diese Spende.
Source: tagesschau.de
