Gute Geschäfte trotz Trump? Deutsche Firmen in den USA rechnen mit Umsatzplus

Trumps Strafzölle werden von Unternehmen größtenteils an Kunden weitergegeben – das Leben in den USA verteuert sich weiter. Die deutsche Firmen beklagen eine mangelnde Planungssicherheit – die dürfte mit dem US-Präsidenten kaum eintreten.

Es ist ein Stimmungsbild, das zwischen Wachstumsoptimismus und unabwägbaren Risiken pendelt. Nach einem turbulenten Geschäftsjahr 2025 scheint sich bei deutschen Unternehmen in den USA eine Art Gewöhnungseffekt eingestellt zu haben. Ein Großteil der 243 befragten Unternehmen erwarte im zweiten Amtsjahr von US-Präsident Donald Trump eine spürbare Erholung, wie die jährliche Umfrage der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer zeigt.

So rechnen 82 Prozent der befragten Firmen mit steigenden Umsätzen, nachdem 2025 zwar 64 Prozent Wachstum verzeichnet hatten, zugleich aber fast ein Viertel der Firmen einen Rückgang hinnehmen musste. Auffällig ist dabei die Spreizung: Knapp ein Viertel sagt für 2026 ein sehr starkes Umsatzwachstum voraus, während zehn Prozent von einem erneuten Rückgang ausgehen – mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor.

Doch die Umsatzerwartungen sind auch getrieben von der soliden Wirtschaftsentwicklung in den USA. Die meisten Prognosen der Institute sagen für 2026 ein BIP-Wachstum zwischen 1,8 und 2,2 Prozent voraus. Es ist vor allem die politische Lage in den Vereinigten Staaten und die daraus resultierende Unberechenbarkeit, die vielen Firmen zu schaffen macht. Die Umfrage wurde vor dem Beginn des Krieges im Iran durchgeführt.

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Erstmals nennen die Unternehmen nicht mehr den Fachkräftemangel, sondern die politische Unsicherheit als größte Herausforderung: 46 Prozent der Befragten sehen darin das Hauptproblem. Direkt dahinter folgen die finanziellen Auswirkungen der Zölle, die 44 Prozent als besonders belastend einstufen. Fast ein Drittel der Firmen empfindet zudem die administrative Abwicklung der Zollregelungen als erhebliche Hürde, was zusätzliche Kosten und Planungsaufwand bedeutet.

Die Auswirkungen von Trumps Handelspolitik schlagen sich entsprechend deutlich in den Antworten nieder. 86 Prozent der Unternehmen berichten von negativen Effekten, etwa höheren Importkosten oder komplexeren Lieferketten.

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Bemerkenswert sind vor allem die daraus entstehenden Preiseffekte für den Markt. Bei denjenigen, die ihre Preise infolge der Zoll-Aufschläge angepasst haben, gibt mehr als die Hälfte (54 Prozent) die Kosten vollständig an ihre Kunden oder Vertriebspartner weiter. Ein weiteres Drittel teilt die Kosten. Nur acht Prozent der Firmen geben an, die gestiegenen Kosten zu „schlucken“, also geringere Margen in Kauf zu nehmen.

Dass der Großteil der Firmen die Preisaufschläge weiterreicht – ob amerikanisch oder nicht – deckt sich mit einer Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. „Entgegen der Rhetorik der US-Regierung bleiben die Kosten der US-Strafzölle nicht an Exporteuren im Ausland hängen, sondern treffen die amerikanische Wirtschaft selbst“, sagte Studienautor Julian Hinz. „Die Zölle sind ein Eigentor. Die Amerikaner bezahlen die Rechnung selbst.“

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Im Falle von deutschen Unternehmen in den USA zeigt sich das am Beispiel Stihl. Die Firma produziert seit fast 50 Jahren in den USA Kettensägen und Rasenmäher. Kampagnen mit dem Titel „Made in the USA“ tragen dazu bei, dass der schwäbische Mittelständler vor Ort als amerikanisches Unternehmen wahrgenommen wird. Das Werk in Virginia Beach hat allerdings eine vorgelagerte Lieferkette. Die Teile kommen aus vielen verschiedenen Ländern – darauf wiederum fallen Zölle an. Deshalb hätte man die Preise im Verkauf anheben müssen, sagte Stihl-Vorstandsvorsitzender Michael Traub vor einigen Wochen gegenüber WELT. Die Lage sei herausfordernd. Denn die hohen Zölle könne kein Unternehmen auf Dauer stemmen.

Mit Sorge blicken die Unternehmen aber auch nach Deutschland. Dort dominieren drei Themen das Risikobild: wachsende Bürokratie (50 Prozent), zunehmende Marktunsicherheit beziehungsweise Rezessionsgefahr (48 Prozent) und eine schwächelnde Inlandsnachfrage (42 Prozent). Vor diesem Hintergrund wirkt der US-Markt mit seiner Größe und breiten Kundenbasis weiterhin wie ein Stabilitätsanker für viele deutsche Firmen.

Trotz der Unsicherheiten in Trumps Amerika halten die Unternehmen an ihren Investitionsplänen in den USA fest. 67 Prozent planen, ihre Investitionen 2026 zu erhöhen, mehr als die Hälfte will innerhalb der nächsten drei Jahre mindestens eine Million US-Dollar oder mehr in den Standort USA stecken – ein Wert auf Höhe des langjährigen Durchschnitts. Im Mittelpunkt stehen Investitionen in die Entwicklung von Fachkräften sowie in die digitale Transformation, zu der zunehmend auch Anwendungen der künstlichen Intelligenz zählen. 57 Prozent der befragten Unternehmen geben an, bereits mindestens ein KI-Projekt im Betrieb umgesetzt zu haben – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 28 Prozent.

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„Die USA bleiben ein Wachstumsmarkt und Unternehmen investieren entsprechend“, sagt Matthias Amberg, Präsident der Deutsch-Amerikanischen Handelskammern. Die Firmen begegneten der handelspolitischen Unsicherheit mit Pragmatismus, der Chef der Beratungsgesellschaft Rödl mit Sitz in Chicago. Klar sei, dass sie sich mehr Planbarkeit und Entlastung bei Zöllen wünschten, sagt Amberg.

Genau die dürfte aber auch 2026 kaum eintreten. Die pauschalen Zölle von 15 Prozent, die Trump Ende Februar gegen alle Länder verhängt hat, gelten 150 Tage. Danach muss der Kongress neue Strafmaßnahmen absegnen. Erste Firmen wie FedEx und auch eine Vielzahl von US-Bundesstaaten hatte nach dem wegweisenden Zoll-Urteil des Obersten Gerichtshofs auf Rückerstattung der Zoll-Aufschläge geklagt.

Planungssicherheit – unter deutschen Firmen in den USA eines der Lieblingswörter – dürfte damit auch im zweiten Amtsjahr von Donald Trump kaum eintreten.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.

Source: welt.de