Griechenland: Kritik an alter Technik nachher Flugchaos

Nichts geht mehr, hieß es am Sonntag plötzlich auf Flughäfen in ganz Griechenland. Eine technische Störung hatte den Flugverkehr lahmgelegt. Fluglotsen konnten weder untereinander noch mit Piloten kommunizieren, das Umlenken von Flügen und ein Leeren sämtlicher Flugrouten über dem Land erschienen unausweichlich, um Sicherheitsrisiken im Luftverkehr auszuschließen. Nur schrittweise konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden, am Montag zeichnete sich eine Normalisierung ab. Die Suche nach den Gründen für die Funkstille im Flugverkehr, die zu einer landesweiten Betriebsunterbrechung führen musste, läuft derweil.

Eine Cyberattacke oder ein Terroranschlag gelten inzwischen als sehr unwahrscheinlich. Im Fokus der Suche nach den Ursachen für die Großstörung steht mittlerweile ein Defekt an einem Funkmast rund 60 Kilometer westlich von Athen. Sabotage an dem Mast schloss der griechische Nachrichtendienst nach ersten Erkenntnissen aus.

Aber die Untersuchungen dauern an, warum ein Defekt zu einer Störung der zentralen Funk- und Kommunikationssysteme für den Flugverkehr in einem bislang dort unbekannten Ausmaß führen konnte. Über Stunden waren der Funk in einem Frequenzbereich – einschließlich der Notfallkanäle – komplett ausgefallen.

„Unsere Systeme sind uralt“

Nach Ansicht des griechischen Verbands der Fluglotsen lässt sich ein Grund dafür schon benennen. „Unsere Systeme sind uralt“, sagte der Verbandschef Panagiotis Psarros dem Sender ERT News. Fluglotsenvertreter hätte in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen und sogar eine Beschwerde bei der EU eingereicht. Der griechische Verkehrsminister Christos Dimas entgegnete, es habe während der Störung zu keiner Zeit Gefahr für die Flugsicherheit bestanden. Nun gehe es darum, eine abermalige Störung in einem derart großen Ausmaß zu verhindern und die Verantwortlichen dafür zu benennen.

Zur Kritik von Fluglotsen, vorhandene Technik sei nicht mehr zeitgemäß , sagte Dimas: „Wir haben zwar ältere Systeme, aber sie entsprechen den europäischen Standards.“ Man habe mit der EU-Kommission einen Modernisierungsplan vereinbart, der bis zum Jahr 2028 umgesetzt werden solle.

Griechenland war in den vergangenen Jahren schon diverse Schritte zur Ertüchtigung der in die Jahre gekommenen Luftfahrtinfrastruktur gegangen. Der Frankfurter Flughafenkonzern Fraport führt inzwischen den Betrieb an 14 Airports und nahm dort Modernisierungen vor. Der staatlichen Flugsicherung wird in der Branche indes noch Nachholbedarf attestiert, deren Systeme sollen teils aus den Neunzigerjahren stammen.

Der Flugbetrieb war im Laufe des Sonntagnachmittag etappenweise wieder angelaufen. Zunächst ging es darum, Überflüge über Griechenland wieder zu ermöglichen, danach auch eine begrenzte Zahl an Starts und Landungen zu ermöglichen, Für den Neustart wurden alternative Frequenzen genutzt. Am Montag normalisierte sich der Betrieb. Online-Abflugtafeln griechischer Flughäfen zeigten noch einige Verspätungen, aber kaum Ausfälle.

Am Sonntag hatten chaotische Zustände an den größeren Flughäfen des Landes in Athen, Thessaloniki oder Heraklion auf Kreta geherrscht. Tausende Passagiere drängten sich in den Terminalhallen, wo sie nur erfuhren, dass vorerst kein Flug startet. Die Phase des Stillstands dauerte am Sonntag vom Morgen bis in den frühen Nachmittag.