Gewerbeimmobilien: Aareal Bank lenkt Kredite in den USA um
Der Vorstand des Immobilienfinanzierers Aareal hat nach eigener Aussage keine Angst, dass die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ihm wichtige Mitarbeiter in seinem renditestärksten Segment abwerben könnte. „Um Hotels zu finanzieren, braucht es Know-how. Ein Mitarbeiterteam allein reicht nicht“, sagte Marktvorstand Christof Winkelmann. Zum Know-how gehörten auch die passende Unternehmenskultur, Erfahrung und Risikosysteme. „Das dauert“, sagte Winkelmann. Vorstandschef Christian Ricken ergänzte: „Ich bin da maximal entspannt.“ Aareal-Mitarbeiter schätzten die mittelständische Entscheidungskultur in der Bank, sie könnten ihren Kunden Kreditzusagen machen, ohne die in Konzernen üblichen, aber unsicheren Gremienbeschlüsse abwarten zu müssen.

Die ungleich größere Helaba hatte sich für einen Kauf der Aareal interessiert, im November 2025 scheiterten die Verhandlungen aber. Die Helaba interessierte an der Aareal die Finanzierung von Hotels, die sie selbst bisher nicht betreibt. Im Gespräch mit der F.A.Z. hatte Helaba-Chef Thomas Groß Anfang Februar gesagt, die Landesbank prüfe nun das Immobiliengeschäft aus eigener Kraft, um die Hotelfinanzierung zu erweitern. Dafür werde die Helaba zunächst Know-how aufbauen. Darauf bezogen sich nun Fragen auf der Bilanzpressekonferenz der Aareal am Donnerstag.
Dort nannte der Vorstand drei Hebel, um die Nettoeigenkapitalrendite von 7,5 Prozent bis 2027 auf das Ziel von 13 Prozent zu bringen. Einer ist weniger Eigenkapital: Derzeit hat Aareal 15,5 Prozent bezogen auf die risikogewichteten Aktiva, zwei Prozentpunkte weniger halten die Eigner für ausreichend. Ricken deutete an, dass die Bankenaufseher zur Sicherheit eine höhere Quote fordern, aber ihr Vertrauen in Aareal wachse. So habe die Bankenaufsicht ja erlaubt, dass die Aareal-Eigner, im Wesentlichen die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge, nach dem Verkauf der Softwaretochtergesellschaft Aareon im Sommer 2024 nahezu zwei Milliarden Euro als Sonderdividende aus der Aareal Bank „abzogen“. Über die Verwendung des Gewinns für 2025, der mit 137 Millionen Euro nach Steuern um 23 Prozent niedriger ausfiel als im Vorjahr, sei noch nicht entschieden, sagte Ricken. „Unsere Eigentümer sind nicht gierig.“
Weniger Büros, dafür Luxus-Hotels in USA
Während ihr Wettbewerber Deutsche Pfandbriefbank sich aus den USA zurückzieht, soll Aareal dort aktiv bleiben. Allerdings will auch Ricken Aareals Engagements im seit 2022 unter Preisabgabedruck stehenden Bürosegment verringern und dagegen Kreditzusagen für Hotels der Luxuskategorie erhöhen. Zudem werde sich Aareal stärker US-Banken wie JP Morgan oder Citi als kleinerer Finanzierungspartner anbieten, denn für diese Großbanken sei Aareal kein Wettbewerber. Die Margen bei diesen Krediten seien zwar nicht ganz so gut, aber sie lieferten ein gutes Risikoprofil zu Aareals Immobilienkreditportfolios, das mit derzeit 34 Milliarden Euro 2026 nicht wachsen soll. Inzwischen liegt der US-Markt mit Kreditzusagen von 6,5 Milliarden Euro auf gleichem Niveau wie in Großbritannien. In Deutschland hat Aareal zehn Prozent vergeben, also etwa die Hälfte.
Durch beschleunigten Abbau von US-Bürofinanzierungen soll der Wert der notleidenden Kredite im Verlauf des ersten Halbjahres 2026 auf weniger als eine Milliarde Euro sinken und sich die Risikovorsorge normalisieren. Als dritten Hebel zur Gewinnverbesserung hat Ricken die günstige Finanzierung über Einlagen ausgemacht. So sammelt Aareal auch Einlagen von Privatleuten über die Plattform Raisin ein. Diese „tolle Zusammenarbeit“ soll beendet werden, wie Ricken sagte, weil Aareal das Geschäft lieber selbst steuern möchte.
Source: faz.net