Geschirrhersteller insolvent: In welcher Kahla-Porzellanfabrik soll welcher Ofen nicht zur Neige gehen

Die Porzellanmanufaktur Kahla aus dem gleichnamigen Städtchen in Thüringen hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das Amtsgericht Gera hat in einer Bekanntmachung vom 2. März den Rechtsanwalt Thomas Jacobs von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Jacobs und sein Team sind laut einer Pressemitteilung schon in Kahla und haben erste Gespräche mit dem Geschäftsführer Daniel Jeschonowski und dem Betriebsratsvorsitzenden Stefan Schau geführt. Die 120 Mitarbeiter seien in einer Betriebsversammlung persönlich über das Insolvenzantragsverfahren informiert worden. Ihre Löhne und Gehälter werden über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert, die dafür nötige Vorfinanzierung sei schon eingeleitet.
Kahla stellt Porzellangeschirr für Haushalte, Hotels, Restaurants und Unternehmen her. Die Produktion und die Auslieferung sollen trotz der Insolvenz wie geplant fortgeführt werden. Die Zusammenarbeit mit den Kunden und Geschäftspartnern werde in vollem Umfang fortgesetzt. Produktion, Auftragsbearbeitung und Auslieferung erfolgen laut Pressemitteilung regulär, auch neue Aufträge werden angenommen, bestätigt und ausgeführt. Als Zeichen für den Fortgang der Geschäftstätigkeit lädt das Unternehmen auch in diesem Jahr zu seinem Porzellanmarkt am Standort Kahla Anfang April ein.
Porzellanhersteller brauchen viel Energie für ihre Öfen
Grund für den Insolvenzantrag waren eine deutlich schwächer als erwartet verlaufende Messesaison und nachlassende Bestellungen. Insbesondere Gastronomen hätten sich mit Käufen zurückgehalten. Neben der wirtschaftlichen Verunsicherung in Deutschland stellen die abermals stark gestiegenen Energiepreise für energieintensive Produktionsunternehmen wie die Porzellanmanufaktur Kahla eine erhebliche Belastung dar. Die Brennöfen werden auf bis zu 1400 Grad geheizt. „Die ohnehin sehr hohen Energiekosten werden wegen des Irankriegs weiter ansteigen“, heißt es in der Mitteilung.
Kahla hat vor etwa fünf Jahren schon eine Insolvenz und eine Restrukturierung überstanden, nachdem im Jahre 2020 ein Großauftrag weggebrochen war. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir als Kahla-Team viel geleistet und ein hervorragendes Markenerlebnis geschaffen. Wir sind unternehmerisch auf dem richtigen Weg, werden aber in Zukunft mehr Wachstum erreichen müssen“, sagt Geschäftsführer Jeschonowski laut der Pressemitteilung. Vor diesem Hintergrund sei der Insolvenzantrag der notwendige Schritt, um das Unternehmen strukturell neu aufzustellen.
Die Wurzeln der Traditionsmarke Kahla reichen bis in Jahr 1844 zurück. Das Unternehmen überstand Kriege, Krisen, Inflation und den DDR-Sozialismus. Nach der Wiedervereinigung vor gut 35 Jahren und der Übernahme durch die Treuhand stand es kurz vor dem Ende. Doch es ging weiter.