Geschäftsklima: ifo-Index sinkt verblüffend
Die Hoffnungen auf eine Belebung der deutschen Konjunktur lassen nach. In den deutschen Chefetagen herrscht Pessimismus, der ifo-Geschäftsklimaindex hat sich im November wieder eingetrübt.
„Die deutsche Wirtschaft zweifelt an einer baldigen Erholung“ – so kommentiert ifo-Präsident Clemens Fuest die Daten des aktuellen ifo-Geschäftsklimaindex. Danach hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen überraschend eingetrübt.
Der Index sank nach 88,4 Punkten im Oktober auf 88,1 Zähler im November. Die Firmen blickten zwar etwas optimistischer auf ihre Lage, bewerteten aber zugleich ihre Aussichten skeptischer als zuletzt. Ökonomen hatten zuvor mit einem geringen Anstieg gerechnet.
Einzelhandel: Enttäuschung vor Weihnachten
Im Verarbeitenden Gewerbe trübte sich die Stimmung ebenfalls ein. „Insbesondere die Erwartungen bekamen einen deutlichen Dämpfer“, betonte Fuest. „Die deutsche Wirtschaft kommt nicht vom Fleck“, sagte ifo-Konjunktur-Experte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters.
Im Handel gab das Geschäftsklima nach. „Insbesondere der Einzelhandel zeigte sich zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts enttäuscht“, heißt es. Auch am Bau trübte sich die Stimmung ein – „die schwache Nachfrage bleibt ein bestimmender Engpass“.
Im Dienstleistungssektor hellte sich das Klima dagegen erneut auf. Einen merklichen Rückschlag gab es im Bereich Transport und Logistik, während es im Tourismus spürbar bergauf ging.
„Standortnachteile reparieren“
Ökonomen sehen in ersten Reaktionen Verantwortung bei der Politik: „Das Geschäftsklima dürfte vor allem wegen der zögerlichen Politik durchhängen“, kommentiert Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe. Klagen über Wettbewerbsnachteile und Materialmangel seien seit Langem hörbar.
„Umso wichtiger ist es, dass Standortnachteile von der Bundesregierung endlich repariert werden. Auf den ausgebliebenen Herbst der Reformen darf nicht ein Winter mit Tiefschlaf folgen“, so Krüger.
„Leider ist die Politik Teil des Problems. Es wäre besser, wenn sie Teil der Lösung werden würde“, stellt auch Jens-Oliver Niklasch fest, Ökonom bei der LBBW. „Wir haben zuletzt die BIP-Prognose für 2026 etwas gesenkt und dabei gehofft, dass eine einmalige Korrektur abwärts genügen müsste. Die jüngsten Zahlen nagen schon wieder an dieser Hoffnung.“
Source: tagesschau.de