Geschäft mit Übergewicht: Wie Roche mit seiner Abnehmspritze vorankommt

Mit Übergewichtigen lässt sich viel Geld verdienen. Das haben die vergangenen Jahre gezeigt, seitdem Abnehmspritzen wie Wegovy von Novo Nordisk und Zepbound und Mounjaro von Eli Lilly auf dem Markt sind. Novo Nordisk hat zusätzlich Ozempic im Portfolio, das eigentlich zur Behandlung von Typ2-Diabetes zugelassen ist, allerdings im sogenannten Off-label-use – also dem Gebrauch außerhalb der Zulassung – auch oft zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird.

Es handelt sich um ein Milliardengeschäft, von dem auch andere Unternehmen profitieren möchten. Dazu zählt der Schweizer Pharmakonzern Roche, der am Dienstag mit positiven Daten aus einer Phase-II-Studie für sein Präparat CT-388 auftrumpfen konnte.

Demnach verloren die Studienteilnehmer mit dem wöchentlich zu spritzenden Mittel 22,5 Prozent Gewicht nach 48 Wochen. „Der deutliche Gewichtsverlust in Verbindung mit einem gut verträglichen Sicherheitsprofil bestärkt unser Vertrauen“, erklärte Roche-Medizinchef Levi Garraway. Der Konzern will noch in diesem Quartal mit den entscheidenden und teuren Phase-III-Studien beginnen. Roche plant, das Medikament zukünftig auch gemeinsam in Kombination mit anderen Präparaten gegen Übergewicht einzusetzen.

An der Schweizer Börse kamen die Nachrichten gut an. Der Aktienkurs stieg am Vormittag zwischenzeitlich um 1,3 Prozent auf 355 Franken – und damit auf ein neues Hoch seit zwölf Monaten. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um gut sieben Prozent zugelegt.

Später Markteintritt

Roche steigt damit recht spät in den Markt für Adipositasmittel ein. Bisher wird der durch den dänischen Konzern Novo Nordisk mit Mitteln wie Wegovy beziehungsweise Ozempic sowie von Eli Lilly mit Zepbound und Mounjaro beherrscht. Sie gelten als Blockbuster, also Medikamente, die mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr einbringen. Analysten der Investmentbank Morgan Stanley schätzen das jährliche Marktvolumen für Abnehmmedikamente bis 2035 auf bis zu 150 Milliarden Euro, weshalb auch die Schweizer künftig etwas vom Kuchen abbekommen möchten.

Neben Roche arbeiten jedoch auch noch Branchenschwergewichte wie Astra-Zeneca und Pfizer an eigenen Präparaten gegen Übergewicht. Zudem tüfteln Eli Lilly und auch Novo Nordisk jeweils an einer Pille, die in der Verabreichung deutlich patientenfreundlicher wäre. Bisher zeigten sich die Tabletten allerdings weniger wirksam als die Spritzen. Sie sollen jedoch durch einen günstigeren Preis und die leichtere Gabe punkten. Beide Präparate sollen schon bald auf den Markt kommen.

Roche will unter die Top 3

Roche hat insgesamt sechs Kandidaten zur Behandlung von Fettleibigkeit und damit verbundenen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Bluthochdruck in der Entwicklung. Der Wirkstoff CT-388 kam durch die milliardenschwere Übernahme des amerikanischen Biotechunternehmens Carmot Ende 2023 ins Portfolio der Schweizer. Roche möchte schließlich nicht weniger, als mit Therapien gegen Übergewicht zu den drei größten Anbietern aufzusteigen. Roche schätzt, dass die nun in der Entwicklung befindlichen Medikamente bis zum Jahr 2030 auf den Markt kommen und drei davon zu Blockbustern werden können.

Analysten zeigten sich am Dienstag zufrieden. Die vorgelegten Studienergebnisse seien ermutigend, schrieb Citi-Analyst Graham Parry. Die Ergebnisse zeigten eine ähnliche Wirksamkeit wie Zepbound. Vontobel-Analyst Stefan Schneider wertete die Ergebnisse ebenfalls als ermutigend. Er sieht den frühesten Marktstart allerdings im Jahr 2028. Er hob seine Kurserwartung auf 349 von 345 Franken an.

Michael Leuchten von Jefferies zeigte sich hingegen zurückhaltender. Er sagte, das Präparat von Roche scheine genauso gute Ergebnisse zu liefern wie Zepbound und sogar besser zu sein als Wegovy. Allerdings sei der Markt schon sehr eng. Das Unternehmen müsse erst einmal den kommerziellen Mehrwert des Präparats beweisen, sagte der Branchenfachmann weiter. Außerdem zeige sich eine deutliche Lücke zwischen dem Gewichtsverlust unter idealen Studienbedingungen (22,5 Prozent) und dem unter realitätsnahen Bedingungen (18,3 Prozent). Dies deute auf mögliche Probleme bei der Therapietreue hin.

Roche selbst zeigte sich dennoch überzeugt. Die Ergebnisse zeigten, dass CT-388 das Potential habe, das beste Produkt seiner Klasse zu werden, sagte der zuständige Entwicklungschef. Der Gewichtsverlust habe nach 48 Wochen noch nicht den Höhepunkt erreicht, was darauf hindeuten könnte, dass bei längerer Einnahme noch bessere Ergebnisse erzielt werden.

Source: faz.net