Geopolitik und Zölle: „Die Landwirtschaft folgt nicht mehr den Regeln von Angebot und Nachfrage“

Die globale Landwirtschaft steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Während früher die klassischen Marktmechanismen von Angebot und Nachfrage den Ausschlag gaben, bestimmen heute geopolitische Konflikte und staatliche Interventionen die Richtung. Das ist das Ergebnis des neuen Agri Commodity Outlook der Rabobank, der einen Ausblick auf das Jahr 2026 gibt. Die Autoren beschreiben eine Welt, die sich zunehmend zwischen zwei Einflusssphären, den Vereinigten Staaten und China, aufteilt.
Kriege wie in der Ukraine und im Nahen Osten, aber auch wirtschaftliche Maßnahmen wie Zölle, Subventionen und Exportbeschränkungen prägen die globalen Handelsströme. Die USA und China werden als Könige auf gegenüberliegenden Seiten des globalen Schachbretts beschrieben, die um Einfluss kämpfen. Ihre Bewegungen sind alles andere als vorhersehbar. Landwirtschaftliche Rohstoffe werden dabei als Bauern auf dem Schachbrett beschrieben. „Die Landwirtschaft folgt nicht mehr den Regeln von Angebot und Nachfrage, sondern denen der Geopolitik“, sagt Carlos Mera, Leiter der Abteilung Agrarrohstoffmärkte der Rabobank.
Handelskriege und Subventionen verändern bestehende Muster von Produktion und Export. Das Ernährungssystem wird fragmentierter und stärker politisch gesteuert. Durch Zölle und Handelshemmnisse vergrößern sich die Preisunterschiede zwischen den Erzeugerregionen weiter. „Wir gehen davon aus, dass diese geografischen Preisunterschiede im Jahr 2026 anhalten oder zunehmen werden“, sagt Mera.
„Wir stehen erst am Anfang des Mittelspiels“
Um gegenzusteuern, setzen viele Länder auf mehr Subventionen. Die Autoren sprechen von einem „globalen Subventionskrieg“. Zwar sind staatliche Hilfen im Agrarsektor nichts Neues, doch die Programme sind zuletzt deutlich ausgeweitet worden – von den USA und Brasilien bis Indonesien, Argentinien und Russland. Direktzahlungen, Mindestpreisgarantien, Biokraftstoffvorgaben oder andere Programme sorgen dafür, dass niedrige Erlöse für die Bauern sich kaum auswirken. „Diese Fülle an Unterstützung kann dazu führen, dass einige Länder unter ihren tatsächlichen Produktionskosten produzieren“, heißt es. Die Analysten rechnen deshalb damit, dass die globale Anbaufläche im Jahr 2026 auf Rekordniveau bleibt.
Geopolitische Spannungen können jedoch auch Einfluss auf den Anbau der Landwirte haben. In den USA etwa haben Bauern wegen der angespannten Beziehungen zu China, einem wichtigen Sojabohnenabnehmer, den Sojaanbau auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren heruntergefahren, heißt es im Report. Gleichzeitig wurde der Maisanbau so stark ausgeweitet wie seit den 1930er Jahren nicht mehr. Der Zollkrieg kann neben den Hauptrohstoffen aber auch unbeabsichtigt andere Produkte treffen. Die US-Behörden überprüfen derzeit die Zölle auf Produkte, die das Land nicht produziert, wie Kaffee oder Bananen. Würden diese Importprodukte von Zöllen befreit, würden laut US-Finanzminister Bessent die Preise für Verbraucher „sehr schnell sinken“.
Der Rabobank-Analyst Carlos Mera rechnet für 2026 allerdings nicht mit einer verbesserten Situation. „Wir stehen erst am Anfang des Mittelspiels“, sagt er. „Wir erwarten weiterhin Handelsstörungen, schwankende regionale Preise, starke staatliche Eingriffe und eine hohe Wahrscheinlichkeit für unerwartete Ereignisse.“