Geopolitik und Lieferketten: Airbus-Chef schlägt Alarm wegen „beispielloser Anzahl von Krisen“

Airbus-Chef Guillaume Faury hat die Belegschaft des europäischen Flugzeugherstellers in einem internen Schreiben vor neuen geopolitischen Risiken gewarnt. „Der Beginn des Jahres 2026 ist von einer beispiellosen Anzahl von Krisen und beunruhigenden geopolitischen Entwicklungen geprägt“, heißt es in dem Schreiben.

Und weiter: „Wir sollten im Geiste der Solidarität und der Eigenständigkeit handeln.“ Die industrielle Landschaft sei mit Schwierigkeiten übersät, die durch die Konfrontation zwischen den USA und China noch verschärft würden. Airbus lehnte eine Stellungnahme ab.

Die diversen handelspolitischen Spannungen hätten schon „erheblichen logistischen und finanziellen Kollateralschaden“ verursacht, schrieb der französische Manager weiter. US-Präsident Donald Trump hatte im April umfassende Zölle angekündigt, woraufhin China mit Beschränkungen für den Export von Seltenen Erden reagierte.

Später froren die USA zeitweise die Ausfuhr von Triebwerken und anderen wichtigen Komponenten nach ⁠China ein. Diese werden dort für den
chinesischen Jet C919 benötigt, sind aber auch für Airbus-Flugzeuge erforderlich, die in China montiert werden. Die Luft- und Raumfahrtindustrie hat eine ⁠teilweise Ausnahmeregelung von den US-Zöllen erhalten.

Trotz der Turbulenzen gratulierte Faury den 160.000 Mitarbeitenden zu den seiner Einschätzung nach ‍insgesamt „guten Ergebnissen“ im ‍vergangenen Jahr. Die Rüstungssparte Airbus Defence and Space stehe dank einer tiefgreifenden Umstrukturierung „auf einer viel stärkeren Basis“. Die Hubschraubersparte sei „bemerkenswert beständig in der Stärke ihrer Leistung“. Airbus veröffentlicht seine Bilanz am 19. Februar.

Die Lieferketten hätten sich nach der ⁠Corona-Pandemie zwar verbessert, blieben aber ein Störfaktor, erklärte Faury. „Unsere größten Schwierigkeiten hatten wir mit den Triebwerken von
Pratt & Whitney und CFM (Joint
Venture aus GE Aerospace und Safran Aircraft ‌Engines, d. Red.).“ Zudem müsse Airbus aus seinem bisher größten Rückruf vom ‍November wegen eines Software-Updates lernen. „Wir müssen unsere Systeme und Produkte im Allgemeinen rigoroser managen“, forderte Faury. Wegen fehlerhafter ‍Rumpfteile musste der Boeing-Rivale zudem seine Auslieferungsziele senken, ⁠hielt aber an den Finanzzielen fest.