Gender Investment Gap: Gründerinnen fehlt oft Kapital

Drei Frauen bei einer Geschäftsbesprechung.

Stand: 08.03.2026 • 08:48 Uhr

Der „Gender Investment Gap“ bei Start-ups wächst: Gründerinnen erhalten deutlich weniger Risikokapital als Gründer. Gleichzeitig engagieren sich so viele Frauen an der Börse wie nie zuvor.

Frauen kommen in Deutschland noch immer schwerer an Kapital als Männer. Im vergangenen Jahr hat sich die ohnehin schwierige Finanzierungssituation für Gründerinnen weiter verschlechtert.

Floss 2024 noch 13 Prozent des Risikokapitals an Start-ups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam, so habe sich dieser Anteil 2025 „in etwa halbiert“, erklärt die Beratungsgesellschaft EY auf Anfrage der ARD-Finanzredaktion. Auch die Gesamtsumme der Investitionen in Start-ups mit mindestens einer Gründerin ist deutlich gesunken.

Gender Investment Gap wächst in der Start-up-Szene

Unterm Strich bedeutet das: Der sogenannte Gender Investment Gap in der Start-up-Szene ist nochmals größer geworden; das vergangene Jahr brachte eher einen Rückschritt als Fortschritte.

Auch Carolin Gabor, Gründerin des Münchner Wagniskapitalfonds caesar. Ventures, zieht eine ernüchternde Bilanz. „Nur ein Prozent des gesamten Risikokapitals in Deutschland geht an weibliche Gründerinnen – da haben wir also noch einen massiven Nachholbedarf.“

Warum Gründerinnen weniger Risikokapital erhalten

Studien sehen mehrere Gründe für diesen „Gender Investment Gap“. Forschende der Universität Toronto, aber auch der Copenhagen Business School verweisen auf den anhaltenden Einfluss von Geschlechterstereotypen: Vor allem in männerdominierten Branchen haben Gründerinnen geringere Chancen auf Eigenkapital.

Hinzu kommen Netzwerk-Effekte: Die Wagniskapital-Branche ist selbst stark männlich geprägt – und Investoren finanzieren häufiger Gründer, die ihnen ähneln. „90 Prozent der Entscheider in den Risikokapitalfonds sind Männer. Männer investieren also in Männer“, betont auch Unternehmerin Gabor. „Da haben wir Frauen einfach schlechtere Karten, weil wir nicht Teil dieser ‚Boys Clubs‘ sind.“

Zudem bekämen Männer von Investoren häufiger chancenorientierte Fragen, Frauen dagegen eher risikoorientierte Fragen.

Frauen investieren weiterhin seltener in Aktien

Doch der „Gender Investment Gap“ zeigt sich nicht nur bei der Finanzierung von Start-ups, sondern auch bei der Beteiligung von Frauen am Kapitalmarkt. So engagierten sich im vergangenen Jahr laut dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) 15,1 Prozent der Frauen in Deutschland am Aktienmarkt, bei den Männern lag der Anteil bei 24,8 Prozent.

Immerhin: Die Lücke zu den Männern wird kleiner: 2025 investierten 5,4 Millionen Anlegerinnen in Aktien, Aktienfonds oder ETFs – so viele wie noch nie.

Junge Frauen engagieren sich verstärkt an der Börse

Eine stärkere Beteiligung von Frauen an den Finanzmärkten sei auch deshalb wichtig, weil Frauen im Schnitt noch immer geringere Einkommen, Vermögen und Altersvorsorgeansprüche haben, betont Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des DAI, gegenüber der ARD-Finanzredaktion.

„Für eine stärkere Angleichung kann ein verstärktes Engagement von Frauen an den Kapitalmärkten einen großen Beitrag leisten. Junge Frauen zeigen, wie das geht. Bei der jüngeren Generation wächst das Interesse am Kapitalmarkt, und der Abstand zwischen Frauen und Männern wird kleiner. Das ist sehr ermutigend.“

Finanzielle Sozialisation beeinflusst Anlageverhalten

Doch warum investieren weiterhin weniger Frauen als Männer in Aktien? Eine Studie des Mannheimer Zentrums für Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht einen wichtigen Grund bereits in der Kindheit: Eltern sprechen mit Töchtern seltener über Geld als mit Söhnen. Das kann später zu geringerer Finanzkompetenz und weniger Selbstvertrauen bei der Geldanlage führen.

Auch DAI-Vorständin Peucker hält es für wichtig, dass mehr Mütter mit ihren Töchtern über Geldanlage sprechen. „Denn wir wissen aus Umfragen, dass Frauen insgesamt weniger und mit weniger Menschen über Geld reden.“

Warum finanzielle Gleichstellung früh beginnt

Der „Gender Investment Gap“ existiert also nach wie vor – sowohl bei Start-ups als auch an der Börse. Doch während sich die Situation für Gründerinnen zuletzt verschlechtert hat, holen Frauen als Anlegerinnen langsam auf.

Eine langfristige Aktienanlage kann dabei ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur finanziellen Gleichstellung sein. Damit das gelingt, braucht es jedoch mehr Vorbilder: Frauen, die investieren und offen über Geld sprechen. Und das möglichst früh – am besten schon im Elternhaus.

Source: tagesschau.de