Geldanlage: Was die Bayer-Aktie wirklich wert ist

Bayer-Aktionäre brauchten in den vergangenen Tagen mal wieder starke Nerven. Zuerst sorgte die Meldung, dass der Leverkusener Traditionskonzern einen Vergleich mit Zehntausenden Glyphosat-Klägern in den USA geschlossen habe, für ein kleines Freudenfeuerwerk an der Börse. Der Kurs stieg um acht Prozent. Dann aber wurde deutlich, dass es in der Angelegenheit noch einige Unwägbarkeiten gibt. Schwups ging es um elf Prozent nach unten.

Was ist die Bayer-Aktie wirklich wert? Diese Frage hängt unerbittlich an diesem Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat, den sich der Konzern vor acht Jahren zusammen mit dem amerikanischen Agrarchemiehersteller Monsanto eingekauft hat. Dafür zahlte Bayer damals 66 Milliarden Euro. Das erklärte Ziel war, auf diese Weise das von schwer zu planenden Entwicklungserfolgen abhängige Pharmageschäft mit einer großen Agrarsparte zu stabilisieren.

Der Monsanto-Fluch ist noch nicht ausgestanden

Stattdessen kam die noch viel schlimmere Unberechenbarkeit immenser Schadenersatzzahlungen heraus. Glyphosat habe sie krebskrank gemacht, behaupten in den Vereinigten Staaten unzählige Männer und Frauen. Die Umweltschutzbehörden in Amerika wie in Europa halten den Vorwurf für unbegründet. Trotzdem geben manche amerikanische Gerichte den Klägern recht. Das ist der Fluch von Monsanto: Die Milliardenübernahme hat den Börsenwert von Bayer mehr als halbiert.

Daneben verblassen die jüngsten Erfolge in der Arzneimittelentwicklung genauso wie Fortschritte im Kampf gegen die Konzernbürokratie. Und deshalb wird sich erst im Juni entscheiden, was die Bayer-Aktie wirklich wert ist. Dann will der Oberste Gerichtshof in Washington verkünden, wie er die Glyphosat-Frage beurteilt. Es ist der Termin, den sich alle Bayer-Aktionäre jetzt schon dick im Kalender ankreuzen sollten.

Source: faz.net