Geld hochziehen: So wurde Deutschland jener größte ETF-Markt in Europa

Deutschland ist mit rund 14,5 Millionen Anlegern mit Abstand der größte Markt für ETF in Europa – getrieben durch das Investment von Frauen und Menschen mit geringerem Einkommen. Das ist ein Ergebnis der Umfrage „People & Money“, die vom Vermögensverwalter Blackrock und Yougov schon zum dritten Mal durchgeführt wurde. Die Umfrage analysiert das Anlageverhalten von mehr als 40.000 Befragten in 15 europäischen Ländern.

Deutschlands ETF-Investoren machen rund 44 Prozent des gesamten europäischen Marktes von rund 32,8 Millionen Anlegern aus. Seit der ersten Umfrage im Jahr 2022 sind rund 13 Millionen ETF-Anleger in Europa hinzugekommen.

In Deutschland haben demnach rund 55 Prozent der Menschen in ETF investiert, mehr als doppelt so viele wie im europäischen Durchschnitt. Seit der ersten Umfrage sind demnach allein in Deutschland rund 5,3 Millionen ETF-Anleger hinzugekommen. Gut ein Drittel davon ist unter 35 Jahren alt. Vor allem aber Frauen haben das Wachstum getrieben, heißt es. Die von ihnen ausgelöste Wachstumsrate liegt über den Zeitraum seit 2022 bei 56 Prozent. Zwar wird in Deutschland über alle Einkommensgruppen hinweg in ETF investiert, allerdings waren es demnach insbesondere auch Menschen mit einem Einkommen von weniger als 30.000 Euro im Jahr, die in ETF investiert haben, heißt es in der Auswertung weiter.

Sparpläne: ein deutsches Erfolgsmodell

David Wenicker, der für Blackrock in Deutschland das Geschäft mit Vertriebspartnern leitet, sieht im Gespräch mit der F.A.Z. dafür verschiedene Gründe. So liege das unter anderem an den hierzulande weit verbreiteten Sparplänen, die es in vielen anderen Ländern in der Form gar nicht gebe. Sparpläne, auch schon mit wenigen Euro im Monat, seien durch Neobroker und andere Plattformen in den vergangenen Jahren noch deutlich zugänglicher gemacht worden. Für junge Menschen in ihrem ersten Job sei es auf diesem Wege sehr einfach möglich, schon Kleinstbeträge zu investieren. Hinzu kämen die im Vergleich zu anderen Produkten niedrigen Gebühren, die das ETF-Sparen attraktiv machten.

Das Wachstum ist ungebrochen. Laut Umfrage planen demnach innerhalb des kommenden Jahres rund 6,6 Millionen Deutsche, in ETF zu investieren, wovon etwa 1,6 Millionen bislang Neulinge auf dem Gebiet sind – ein Plus von elf Prozent zur derzeitigen Basis. Europaweit dürften in den nächsten zwölf Monaten neben Deutschland vor allem auch Sparer aus Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien für insgesamt rund 6,6 Millionen neue ETF-Investoren sorgen. Das wären dann 77 Prozent aller neuen ETF-Sparer in Europa.

Viele haben noch Geld auf den Bankkonten

Das Potential ist damit allerdings bei Weitem noch nicht erschöpft. Denn der ETF ist trotz seines Erfolgs in den vergangenen Jahren nur auf Platz 3 – nach Aktien und Investmentfonds – der Anlageprodukte in Europa. Die Umfrage habe gezeigt, dass Millionen neuer Anleger hinzugekommen seien. In Summe seien es in Europa nun 117 Millionen. „Allerdings liegen immer noch 14 Billionen Euro auf europäischen Bankkonten“, sagte Timo Toenges, Blackrock-Europa-Verantwortlicher für digitalen Vertrieb. Es müsse also noch mehr getan werden, damit das Geld besser angelegt werde.

Zumindest in Deutschland scheint das bei vielen Anlegern angekommen zu sein. Fast die Hälfte entschied sich der Umfrage zufolge erstmals zu investieren, da ihr Geld auf dem Konto zu wenig Rendite abwarf. Vier von zehn Personen gaben an, dass sie sich finanziell für die Zukunft besser absichern wollten. Als Gründe, warum sich Deutsche für ETF entscheiden, nennen sie den einfachen Weg, überhaupt mit einer Geldanlage zu beginnen, geringe Management- und Verwaltungsgebühren sowie die vermeintlich besseren Renditeaussichten. Der Umfrage zufolge erwägt die Hälfte der Deutschen, einen regelmäßigen ETF-Sparplan in den kommenden zwei Jahren aufzusetzen. Weit überwiegend (71 Prozent) wollen sie dann in Aktien-ETF investieren, während jüngere Sparer auch Interesse an Krypto sowie aktiv gemanagten ETF zeigten.

Source: faz.net