„Geiler Zocker“ – doch wie tief verzaubert Vieira noch den HSV?
Kölns Trainer Lukas Kwasniok kommentierte den wunderschönen Treffer von HSV-Edeltechniker Fabio Vieira mit dem Wort „Weltklasse“. Und Vieiras Coach Merlin Polzin kündigte an, dass es sich lohne, das Lupfertor noch ein paar Mal anzusehen. Der vom FC Arsenal ausgeliehene Portugiese unterstrich mit seinem Heber über Torwart Marvin Schwäbe zur Führung beim 1:1 (1:1) des Hamburger SV gegen den 1. FC Köln seine Klasse. „Es war ein großartiges Tor“, kommentierte der 25-Jährige, der als kreativer Kopf des HSV-Spiels in dieser Saison schon oft seine Klasse unter Beweis gestellt hat. Seine Bilanz: Fünf Treffer und vier Vorlagen.
Der Treffer gehöre zu seinen drei schönsten jemals, befand Vieira. Als er bei der zweiten Auswahl des FC Porto spielte, habe er mal ein ähnliches Tor bejubelt als junger Spieler. „Ich wusste, dass es ein großer Schritt für mich war, hierherzukommen, um wieder mein wahres Potenzial auszuschöpfen“, sagte er. Zuvor hatte er in der mit Topstars gespickten Mannschaft des englischen Spitzenclubs Arsenal keine große Rolle gespielt.
Nach einem überwiegend schwachen Auftritt im Abstiegskampfduell gegen den 1. FC Köln konnten sich die HSV-Fans an dem wunderschönen Treffer etwas erfreuen. Auch, wenn der offensiv nächste schwache Auftritt des HSV teils harte Kost für die Anhänger war. Trainer Polzin bemängelte viele Unsauberkeiten im Spiel seiner Mannschaft.
Zwei wichtige Leihgeschäfte
Der HSV ist mit seinen 30 gesammelten Punkten zwar auf einem guten Weg Richtung Klassenerhalt. Dennoch dürften sich viele schon sorgen, wie der HSV möglicherweise ohne den ausgeliehenen Vieira und den von Tottenham ausgeliehenen Abwehrchef Luka Vuskovic in der kommenden Saison aussieht, sollte die zweite Erstligasaison nach der Bundesliga-Rückkehr perfekt gemacht werden.
Vieira gehört für Trainer Polzin in dieser Saison zu den wichtigsten Eckpfeilern im Team. Und machen Fähigkeiten kann das Trainerteam um Polzin auch teilweise nicht beibringen. „Er trifft sicherlich deutlich bessere Entscheidungen, als wir sie als Trainer ihm irgendwie vorgeben können, weil er einfach ein geiler Zocker ist“, sagte Polzin und fügte hinzu: „Wir freuen uns über jeden Moment, in dem er beim HSV dann noch aufläuft.“
Doch wie lange noch? Die Hanseaten besitzen eine Kaufoption, die mehreren Medienberichten zufolge bei etwa 20 Millionen Euro liegen soll. Angesichts dieser Summe ist ein Transfer für den Aufsteiger unrealistisch – nie zuvor hat der Club so viel Geld für einen Profi auf den Tisch gelegt. Wie zuletzt das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, hofft Sportdirektor Claus Costa auf einen Rabatt. Zuletzt war über einen Nachlass von 50 Prozent spekuliert worden. Doch selbst die Hälfte würde für den HSV eine große Hürde darstellen. Und das volle Gehalt kommt noch dazu.
Vieira fühlt sich wohl in Hamburg
„Jeder weiß, dass ich noch einen Vertrag bei Arsenal habe. Warten wir also das Saisonende ab. Dann reden wir darüber und schauen, was wir tun können“, sagte Vieira. Auf den Wohlfühlfaktor kann der norddeutsche Traditionsclub aber bauen. „Die Stadt ist großartig“, schwärmte der Offensivprofi, der die Community im Portugiesenviertel am Hamburger Hafen genieße mit Essen aus der Heimat und Gesprächen in seiner Landessprache. „Immer wenn ich frei habe, gehe ich dorthin, um mich wie zu Hause zu fühlen.“ Beim HSV hoffen die Fans, dass Vieiras regelmäßige Besuche dort bestehen bleiben.
Source: welt.de