Gegen den Markttrend: Ölaktien im Aufwind

Blick auf Öllagertanks im Hamburger Hafen.


marktbericht

Stand: 09.03.2026 • 13:31 Uhr

Steigende Ölpreise haben den Abwärtstrend am deutschen Aktienmarkt beschleunigt. Eine Branche profitiert jedoch direkt von der Lage am Persischen Golf: Ölaktien haben Hochkonjunktur.

Ein regelrechter Ölpreisschock schickt den DAX zu Wochenbeginn nach unten. Bis zum frühen Nachmittag verliert der deutsche Leitindex 1,4 Prozent auf 23.270 Punkte.

Der sprunghafte Anstieg bei den Öl- und Gaspreisen schürt nicht nur die Sorge vor Wachstumseinbußen, sondern auch vor einer Rückkehr der Inflation, die wiederum eine lockere Geldpolitik unwahrscheinlicher macht. Zeitweise stiegen die Ölnotierungen über 100 Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022.

Seit Beginn des Kriegs am Persischen Golf vor etwas mehr als einer Woche hat sich der Ölpreis um rund 50 Prozent verteuert. Es bleibt weiter unklar, wann die ersten Tanker die Straße von Hormus wieder passieren können. „Die Angst davor, dass das schwarze Gold die Weltkonjunktur ausbremsen könnte, ist deutlich größer geworden“, kommentierte IG-Chefmarktanalyst Christian Henke.

Wohl dem, der Ölaktien hat

Während die Börse also insgesamt erheblich unter dem rasanten Ölpreisanstieg leidet, profitiert eine Branche direkt davon: Schon vor Beginn der US-israelischen Angriffe am 28. Februar zogen die Aktien der meisten Ölkonzerne an. Steigende Ölpreise schlagen sich schließlich direkt in höheren Erlösen und Gewinnen nieder. Zwar dominieren im Ölgeschäft längerfristige Lieferverträge, doch auch diese müssen laufend neu abgeschlossen werden.

Der größte amerikanische Ölkonzern ExxonMobil, hinter Saudi Aramco der zweitgrößte der Welt, hat seit Jahresbeginn um fast ein Viertel an Wert zugelegt.

Beim größten europäischen Ölkonzern Shell beläuft sich das Plus seit Beginn der Angriffe auf über fünf Prozent, seit Anfang des Jahres über 17 Prozent.

Auch der zweitgrößte britische Ölkonzern BP befindet sich seit Mitte Januar im Aufwind.

Beim französischen Ölriesen TotalEnergies ist das Plus seit Kriegsbeginn nicht so erheblich, allerdings auch diese Aktie schon seit Jahresbeginn kräftig an Wert gewonnen.

Dabei liegt nahe, dass die Konzerne, die auch im Persischen Golf aktiv sind, weniger von der dramatischen Lage profitieren können. Doch selbst die Aktie des weltgrößten Ölkonzerns Saudi Aramco hat an der Börse in Riad seit Beginn der Angriffe zugelegt.

Was, wenn das Öl wieder fließt?

Beliebt sind Ölaktien bei Anlegern auch, weil sie als relativ stabile Dividendenzahler gelten. Gerade in nervösen Börsenphasen besinnen sich Anleger oft auf Dividendentitel.

Allerdings zeigt der Blick auf die längerfristige Kursentwicklung, dass Ölaktien auch lange Seitwärtsphasen und teilweise schwere Kurseinbrüche durchmachen.

Auf kürzere Sicht könnte der jüngste Aufschwung stoppen, wenn die Straße von Hormus wieder von Tankern befahren wird. Die Experten von Charles Barker etwa gehen von einer vier- bis fünfwöchigen Unterbrechung der Öl- und Gaslieferungen aus dem Golf aus.

Auch eine Freigabe von Notfall-Ölreserven der führenden Industriestaaten, die noch heute beschlossen werden könnte, könnte die Öltitel belasten. Wie die Financial Times unter Berufung auf Insider berichtet, hätten sich drei G7-Staaten, darunter die USA, bereits für die Idee ausgesprochen.

Ölintensität der Produktion stark gesunken

Auf längere Sicht ist auch eine weitere wichtige Entwicklung zu beachten: Die Analysten der DWS haben gerade daran erinnert, dass Erdöl nicht mehr dieselbe Bedeutung für die Wirtschaft hat wie früher. Seit Ende der 70er Jahre ist der Ölverbrauch je Einheit realer Wirtschaftsleistung deutlich gesunken. Bezogen auf das reale Bruttoinlandsprodukt in Milliarden Dollar sank der Ölverbrauch in Millionen Tonnen von über zwölf auf unter vier Prozent. Das heißt, die globale Wertschöpfung ist deutlich weniger abhängig vom Öl geworden.

„Gründe dafür sind Effizienzgewinne, der Strukturwandel hin zu Dienstleistungen und die Energiewende weg vom Öl“, so die Experten der Fondsgesellschaft. „Wo die Öl-Intensität niedrig ist, treffen höhere Preise nur einen kleineren Teil der Produktionskosten.“

Source: tagesschau.de