Geburtstag: Herr Janosch, wie wird man im Prinzip 95?

Janosch ist fester Bestandteil der Lektüre für Kinder, aber auch Inspiration für viele Erwachsene. Nun feiert er seinen 95. Geburtstag – vielleicht wird es eine Hängematten-Sause.
Janosch hat mit seinen Werken unzähligen Menschen schöne Momente beschert, vor allem Kindern. Die eigene Kindheit des Schriftstellers und Illustrators, der jetzt seinen 95. Geburtstag feiert, war dagegen „die Hölle“, wie er selbst immer wieder sagte.
Auf die Welt kam Janosch, der mit bürgerlichem Namen Horst Eckert heißt, am 11. März 1931 im damaligen Hindenburg, Oberschlesien, wo er unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. In der Familie gab es Gewalt und Alkoholsucht. „Meine Mutter hat mich immer gehauen – dabei sagte sie, wenn du nicht aufhörst zu heulen, schlag ich dich tot“, erzählte er vor einigen Jahren dem „Spiegel“. Mit dem Verabreichen von selbst gebranntem Schnaps wurde er als Kind gegen seine Gelbsucht behandelt. Mit 13 Jahren begann er eine Schlosserlehre.
Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie nach Westdeutschland in den oldenburgischen Raum, wo der junge Horst in Fabriken als Textilmusterzeichner arbeitete. Er lernte das Malen und begann 1953, an der Münchner Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Schon in der Probezeit musste er sein Studium abbrechen, angeblich wegen „mangelnder Begabung“. Seither ist Janosch freier Künstler, Maler und Autor von mehr als 150 – manche sprechen auch von 300 – Kinderbüchern und Romanen, von denen einige Werke in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurden. 1970 schrieb er seinen ersten Roman, „Cholonek oder Der liebe Gott aus Lehm“, seinen Durchbruch hatte er 1978 mit „Oh, wie schön ist Panama“, seinem auch international erfolgreichsten Kinderbuch.
Janosch floh ein zweites Mal – nach Teneriffa
Seit mehr als 40 Jahren lebt Janosch auf Teneriffa, wo er 1980 ursprünglich landete, um eine Krankheit auszukurieren. Er fand ein altes Backofenhaus, hoch oben in den Bergen – und blieb. Vermutlich hat ihm die Umgebung gutgetan. In Interviews war von Janosch nie viel Privates zu erfahren – aber viel Erfundenes, wie er selbst sagt. Fakt ist, 2013 heiratete er auf der Insel seine langjährige Freundin Ines.
Die Themen, die Janosch beschäftigt haben, waren vor allem jene, die ihn als Kind geprägt haben: strenger Katholizismus, seelischer Missbrauch, Bescheidenheit und später dann „schöne Mädels“ und seine Hängematte. So zumindest ist es den Interviews zu entnehmen, die er, wie gesagt, immer ungern und mäßig wahrheitsgetreu gibt.
Wondrak: Einblick ins Leben von Erwachsenen
Während die meisten Menschen Janoschs Bücher wohl für ihre Kinder kaufen, gab sein im „Zeit-Magazin“ 300 Mal veröffentlichter „Wondrak“ Lebensweisheiten für Erwachsene von sich. Einfache Fragen an Janosch beantwortete dessen Alter Ego Wondrak mit schlichten Worten und großem Humor. Wer seine Ratschläge beherzigt, kann womöglich ein langes, glückliches Leben führen.
Janosch veröffentlichte seine letzten „Wondraks“ mit 88 und wird nun stolze 95 Jahre alt – er bleibt Wondraks Philosophie wohl selbst treu.
Die Fotostrecke gibt einen Einblick in Leben und Werk des berühmten Künstlers.
Source: stern.de