#Gastbeitrag – Der richtige Advisor fürs Early-Stage-Startup: Darauf kommt es an

Ein gut gewählter Advisor kann ein wichtiger Hebel in der Gründungsphase von Startups sein: Als Sparringspartner, Priorisierungshelfer, Zugang zum Netzwerk, nicht im Tagesgeschäft involviert, aber nah genug, um Orientierung zu geben. 

Die frühe Gründungsphase ist von hoher Entscheidungsdichte und begrenzten Ressourcen geprägt. Als Early-Stage-Startup jongliert man Produkt, Team, Finanzierung und Marktfeedback gleichzeitig, während viele Entscheidungen zum ersten Mal getroffen werden müssen. Ein gut gewählter Advisor kann hier ein wichtiger Hebel sein: als Sparringspartner, Priorisierungshelfer, Zugang zum Netzwerk, nicht im Tagesgeschäft involviert, aber nah genug, um Orientierung zu geben. 

Wir kennen diese Situation aus eigener Erfahrung: Raumdeuter ist ein junges Sport- & Tech-Startup, das mittels digitaler Plattform Sportclubs und -fans näher zusammenbringt und Fan-Relationships datenbasiert und nachhaltig profitabler gestaltet. Aus dieser Perspektive lassen sich folgende Punkte ableiten, die dir bei der Suche nach dem passenden Advisor helfen.

Skill-Gaps systematisch identifizieren und Rollen definieren

Bevor du dich mit Personen beschäftigst, brauchst du Klarheit über dein Startup: Was könnt ihr als Team gut – wo bestehen Lücken? Eine kurze Bestandsaufnahme entlang von Produkt & Tech, Markt & Vertrieb, Finanzierung und Team hilft. Wo seid ihr stark? Wo trefft ihr bisher eher Annahmen, weil euch noch Erfahrungen fehlen? Welche Fragen tauchen immer wieder auf? Dort entsteht der Bedarf für einen Advisor. Wichtig ist, dass ein Advisor nicht allgemein unterstützt, sondern durch eine klare Rollendefinition eingebunden ist. 

Begrifflich ist wichtig: Ein:e Mentor:in begleitet eher lose, häufig im Rahmen eines Programms. Ein Advisor ist in Themen und Zeitumfang klarer definiert und bietet regelmäßiges (strategisches) Sparring. Ein Beirat schließlich ist eine formalisierte Gremienrolle mit stärkerem Fokus auf Governance.

Gerade am Anfang kann es sinnvoll sein, aus einem Mentoring-Kontext heraus zu testen, ob eine engere Zusammenarbeit funktioniert. So ist es auch bei uns gelaufen: Durch unsere Teilnahme am „Solve for Tomorrow“-Innovationswettbewerb haben wir Marcus Nessler kennengelernt. Durch seine Erfahrung in Community Management, Customer Experience und datengetriebener Kommunikation war er inhaltlich ein perfektes Match. 

Die Auswahl: Warum Expertise Prominenz schlägt

Ein Advisor ist kein Aushängeschild, sondern ein Arbeitsinstrument. Prominente Namen erzeugen zwar Aufmerksamkeit, lösen aber keine konkreten Probleme, wenn Zeit, fachliche Tiefe oder Commitment fehlen.

Zentral sind vielmehr drei Dimensionen:

  • Fachliche Passung: Die Person sollte nachweislich Erfahrung in den Themen haben, die für eure nächste Entwicklungsstufe entscheidend sind. Wichtig dabei: Eine Person muss nicht alles können. Bei uns haben wir zwei Advisors, einen für Business & Produkt und einen für wissenschaftliche Gütekriterien. So stellen wir sicher, dass jedes Thema bei wirklichen Expert:innen liegt.
  • Zeit und Verlässlichkeit: Ein Advisor, der nur gelegentlich erreichbar ist, entfaltet kaum Wirkung. Ein gemeinsam definierter Rahmen schafft Verbindlichkeit.
  • Menschliche Chemie: Zusammenarbeit auf diesem Niveau erfordert Offenheit auf beiden Seiten. Ein Advisor muss ehrlich widersprechen und blinde Flecken aufdecken dürfen.

Für uns war ausschlaggebend, wer mit echter Community- und Customer-Experience-Erfahrung ins frühe Produkt- und Marktsparring einsteigen kann – und nicht, wessen Name die meiste Strahlkraft verspricht. Wiederkehrende Termine führten bei uns zu klaren nächsten Schritten, etwa die Schärfung des Narrativs, des Produktfokus oder der Prioritäten. Besonders wertvoll war Marcus‘ intrinsische Motivation, direkt neue Ansätze einzubringen, etwa in unserem ersten Markttest mit Chemie Leipzig. Das ist ein starkes Signal, dass fachliche Eignung und Arbeitsweisen zusammenpassen. 

Gib der Zusammenarbeit Struktur und Raum zur Entwicklung

Damit ein Advisor seinen Mehrwert entfalten kann, braucht es eine klare Struktur der Zusammenarbeit: 

  • Rhythmus: Feste Termine schaffen Verlässlichkeit, während flexible Zusatzschleifen Reaktion auf kurzfristige Anlässe ermöglichen. Wir treffen uns bis zu vier Mal im Monat.  
  • Zweiteilige Meeting-Struktur: Ein kurzer operativer Überblick und ein klar definierter Deep-Dive.

Die festen Termine sind das strategische Rückgrat, ohne dabei nötige Agilität zu verlieren – besonders, wenn man erste Markttests durchführt und die Investorensuche vorbereitet. Nicht nur das Startup, sondern auch die Rolle des Advisors wächst mit: Während Marcus uns anfangs stark strategisch unterstützt hat, sind sein Netzwerk und seine Erfahrung auch bei Kundengesprächen und der Investorensuche perspektivisch hilfreich. 

Der entscheidende Faktor: Vertrauen und Verlässlichkeit

Am Ende bleibt neben aller Struktur die menschliche Komponente entscheidend: Im Early-Stage-Startup sind Vertrauen, Offenheit und ein gemeinsamer Blick auf das Problem unverzichtbar. Für uns war klar: Eine Advisor-Rolle wird nur besetzt, wenn fachliche Passung und zwischenmenschliche Ebene zusammenkommen. Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wertvoll ein dauerhafter Sparringspartner ist: Ein konstant präsentes Gegenüber mit Distanz, Erfahrung und Klarheit hilft, Meinungsvielfalt zu ordnen und Entscheidungen voranzubringen.

Über die Autoren
Leon Piotrowski und Max Illmer sind die Gründer von Raumdeuter. Raumdeuter ist eine digitale Plattform, die Sportclubs hilft, Fanmeinungen in datenbasierte Entscheidungen und nachhaltiges Wissen zu verwandeln. Interaktionen mit Fans sollen enger und profitabler gestaltet werden; aktuell läuft ein Pilotprojekt mit Chemie Leipzig. Den neuen Advisor Marcus Nessler hat das Team beim Innovationswettbewerb Solve for Tomorrow von Samsung kennengelernt, wo sich Marcus seit vielen Jahren als Mentor engagiert. Marcus bringt mit über 17 Jahren Erfahrung bei Samsung als Head of Customer Experience genau die Expertise mit, die das Team aktuell braucht, um zu wachsen.

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Foto (oben): Shutterstock

Source: deutsche-startups.de