#Gastbeitrag – 5 Social Media-Trends pro 2026: So erschaffen Startups Markenwelten

Für Startups bietet Social Media 2026 die Chance, noch mehr Nähe und Vertrauen zur Followerschaft aufzubauen. In einer Welt, in der Gen AI immer mehr Feeds mit hyperreal aussehenden, aber ziemlich beliebigen Inhalten füllt, wächst jedoch das Bedürfnis der Community nach Echtheit und greifbaren Geschichten.

Nutzer:innen wollen sehen, wie etwas entsteht, nicht nur das polierte Endergebnis – auch als Beweis, dass KI nicht in der Produktion der Inhalte genutzt wurde.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob KI Social Media verändert, sondern wie Marken und Startups darauf reagieren. Was erwarten Nutzer:innen von Inhalten im Jahr 2026? Welche Formate schaffen Nähe statt Distanz? Genau aus diesen Fragen lassen sich 5 zentrale Trends 2026 ableiten.

Einblicke hinter die Kulissen erzeugen Nähe

2026 will die Community sehen, wie Dinge entstehen. Behind-the-scenes wird kein Nice-to-have, sondern ein wichtiger Bestandteil der Geschichte. Startups, die sich trauen, unperfekte Shots, spontane Momente und echte Teamdynamiken zu zeigen, bauen Vertrauen auf. Beispielsweise gibt Koro Einblicke in Out-of-Stock-Probleme oder Sortimentsentscheidungen. Die Community bekommt so ein Gesamtbild des Unternehmens. Die Kommentarspalte wird dadurch nicht nur ein Ort der Reaktion, sondern des Dialogs mit den User:innen.

Auch ein Einblick in den Joballtag, vorzugsweise mit einem Augenzwinkern, kommt bei der Followerschaft an. Bei Naughty Nuts prankt ein Mitarbeiter beispielsweise die Chefs, um neue Talente anzusprechen. ClickUp geht sogar noch eine Stufe weiter: Auf einem eigenen Kanal persifliert das Unternehmen in Comedy-Clips die Arbeitsrealitäten. In diesen machen eigens entwickelte Charaktere ein vermeintlich langweiliges Produkt wie ein Projektmanagement-Tool, witzig und unterhaltsam.

Solche Formate funktionieren, weil sie Emotionen triggern und nachvollziehbar sind. Sie werden geteilt und kommentiert – und das liebt der Algorithmus.

Social Media wird noch mehr zu Entertainment Media 

Social Media konkurriert heute direkt mit Netflix & Co., sodass Marken künftig wie Serienproduktionsfirmen handeln müssen. Bestes Beispiel ist das TikTok-Serienformat von Deutsche Bahn mit Comedian Anke Engelke. Aber auch Instagram-Serien wie die von Academy Bikes oder Brooklyn Coffee Shop zeigen, wie serielles Storytelling Reichweite erzeugt.

Der Grund für diese Entwicklung ist einfach: Auf Social wird Kultur geschaffen und je natürlicher sich Inhalte in die tägliche Unterhaltung einfügen, desto höher ihre Wirkung. Auf Plattformen wie TikTok, Instagram und YouTube steht daher nicht mehr der soziale Aspekt im Vordergrund. Nutzer:innen wollen nicht mehr selbst posten, sondern unterhalten werden. Sie scrollen durch endlose Feeds, die sich wie eine Mischung aus Netflix, Comedy-Channel, Serienbibliothek und Werbefreifläche anfühlen. Die Kommentarspalte gewinnt dabei an Bedeutung, weil die Nutzer:innen dort auf noch mehr witzige oder hilfreiche Inhalte hoffen. Hier entwickeln sich ganz eigene Trends wie der häufig genutzte Spruch „I must be on Instagram Premium“, um wertschätzend zu beschreiben, dass die Produktions- und Unterhaltungsqualität so hoch ist, dass sie eigentlich dafür zahlen müssten.

Marketing-Ökosysteme statt einzelne virale Hits

Ganzheitliche Marketing-Ökosysteme aufzubauen, in denen organischer Content, Kooperationen mit Influencer:innen, Paid-Media und Events ineinandergreifen, wird 2026 weiter an Bedeutung gewinnen. Statt isolierter Kampagnen setzen erfolgreiche Startups auf wiederkehrende Formate, die sich über verschiedene Touchpoints hinweg gegenseitig verstärken – und somit Markenwelten erschaffen. HelloFresh kombiniert dazu etwa Creator:innen-Content strategisch mit Paid-Distribution und skaliert gezielt organische Reichweite. Offline-Events oder Community-Aktionen liefern dabei zusätzlichen Content-Nachschub und vertiefen die Beziehung zur Zielgruppe. Influencer:innen fungieren nicht nur als Reichweiten-Hebel, sondern als glaubwürdige Verlängerung der Marke. 

KI-Content ersetzt keine Kreativität

Je mehr KI-Content in Feeds auftaucht, desto größer wird das Misstrauen der Nutzer:innen. Der „AI-Slop“, erzeugt oft Kritik statt Engagement. Große Fashion-Marken wie Maison Valentino und Benetton erlebten genau dieses Phänomen: Ihre KI-generierten Kampagnen sorgten auf Instagram für Kommentare wie „cheap AI mess“ oder „Have you been hacked?“. Dieses negative Feedback zeigt, dass sichtbare KI allein keinen emotionalen Wert schafft. Ihr größter Hebel liegt daher im Hintergrund – von der Recherche, über Ideenfindung, Testing, Prozessautomatisierung und Reporting. 

Die Modemarke H&M ist übrigens ein gutes Beispiel für eine transparente KI-Nutzung. Sie sagte offen, dass KI-Klonmodelle verwendet wurden und die echten Models weiterhin mitverdienen. Damit nahm sie der Kritik den Wind früh aus den Segeln. 

Fokussierte Kanäle und eigene Nischen-Communities

Ein weiterer Trend, der sich 2026 weiter durchsetzen wird, ist die Monothematisierung von Kanälen. Plattformen wie TikTok und Instagram belohnen spezialisierte, wiedererkennbare Kanäle mehr als generische Allzweck-Accounts. Startups werden daher zunehmend mehrere vertikale Kanäle aufbauen, etwa unterteilt nach den Interessen ihrer Zielgruppen. Ein Fintech-Startup könnte zum Beispiel eigene Kanäle für Freelancer:innen, für größere Unternehmen oder für private Investor:innen aufmachen, um dem Algorithmus verstehen zu geben, für wen die jeweiligen Inhalte bestimmt sind.

Parallel dazu verlagert sich ein Teil der Gespräche weg vom öffentlichen Feed in kleinere, geschlossene Gruppen bei WhatsApp, Facebook oder in Reddit-Subs. So hat etwa Maniko Nails eine eigene Community als Facebook-Gruppe mit über 37.000 aktiven Mitgliedern, die täglich dutzende Male postet, diskutiert und Ideen teilen. 

Für Startups und Marken wird es 2026 daher darauf ankommen, eigene Communities aufzubauen oder sich in bestehende Communities zu integrieren, also ihre Sprache und Codes sprechen und verstehen. 

Social Media 2026: Mensch vor Technologie 

Social Media 2026 wird nicht ohne KI auskommen. Jedoch gewinnen Startups und Marken mit KI allein keine Herzen. Die wirklichen Hebel liegen in Echtheit, Dialog und Kontext. Wer zeigt, wie Produkte entstehen, wer hinter den Ideen steht und wie der Arbeitsalltag wirklich aussieht, baut stärkere Communities auf als jene, die nur perfekt generierte KI-Assets streuen. Gründer:innen sollten KI daher als unsichtbaren Booster im Hintergrund nutzen, um die Bühne echten Menschen und Momenten zu überlassen.

Über den Autor
Mirco Gluch ist Gründer der Berliner Social-Media-Beratung Piggyback. Die Challenger-Agentur unterstützt wachstumsorientierte Unternehmen dabei, ihre Strategien, Prozesse und Performance im Social-Media-Bereich auf ein neues Level zu heben. Ziel ist es, Marken zu befähigen und als führende Brands zu etablieren. Neben Strategie-Programmen, Mentoring & Workshops wie den „AI für Social Media Online“-Kurs bietet Piggyback Interim-Teamverstärkung an. Zu bisherigen Kund:innen zählen neben Maniko Nails, Nike, Zalando, Wholey, Mercedes-Benz, CLARK, N26 und Trade Republic.

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Foto (oben): KI

Source: deutsche-startups.de