Fünfjähriger wartet seitdem Monaten uff Termin zu Händen Doktorspiel
Die Krise im deutschen Gesundheitssystem zieht immer weitere Kreise: Um es möglichst realitätsnah zu machen, muss ein Fünfjähriger aus dem Sauerland ewig auf einen Termin fürs Doktorspiel mit den Nachbarskindern warten.
Ben-Henry Schwork aus Meschede kann seinen Frust nur schwer verbergen: „Seit geschlagenen fünf Monaten warte ich schon auf einen Termin!“, murrt der Fünfjährige aus dem Sauerland und rollt entnervt mit den Augen.
Sein Unmut ist nur zu verständlich. Bereits im November hatte sich der Junge mit den Nachbarskindern Leonie und Noah zum Doktorspielen verabredet. Nach wie vor steht in den Sternen, wann es endlich zu dem Termin kommt. „Ich bin leider gesetzlich versichert, da können Leonie und Noah nach eigenen Worten nichts tun“, erklärt Ben-Henry mit matter Stimme.
Realistisches Doktorspiel
Dennoch will sich das Kindergartenkind nicht zu sehr beklagen. „Wir wollen das genauso wie die Großen machen“, bekräftigt der Fünfjährige die feste Absicht, das Doktorspiel so realistisch wie möglich zu gestalten.
Und das bekommen Ben-Henry und seine Spielgefährten wirklich beeindruckend hin: Schon jetzt warten gesetzlich Versicherte in Deutschland im Schnitt 42 Tage auf einen Facharzttermin. Tendenz steigend, warnt Kassenärzte-Chef Andreas Gassen, sollte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Kürzungsempfehlungen für die niedergelassenen Mediziner der von ihr eingesetzten Expertenkommission umsetzen.
Gesundheitssystem als Garant für Spiel und Spannung
Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb es im Kindergarten in Meschede lange Gesichter gibt: „Damit es richtig echt ist, arbeiten Leonie und Noah täglich in 30-Stunden-Schichten, weil zu wenige Kinderärzte da sind“, geben die zahlreichen kleinen Wartelisten-Patienten mit einem gewissen Verständnis zu Protokoll.
Blöd für Ben-Henry ist nur, dass er wegen des möglichst realitätsnahen Nachstellens der Krise im deutschen Gesundheitssystem niemanden mehr zum Spielen hat: „Ich bin ganz schön einsam, seitdem mein Teddy im Januar an Atemnot gestorben ist“, berichtet der Fünfjährige traurig, „wegen eines Medikamentenengpasses gab es keinen Stoffbären-Hustensaft für ihn.“
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Source: welt.de