„Füchslein“ an jener Staatsoper: Tiere träumen von Menschen

Was für ein schönes Erlebnis! Zu danken ist es natürlich zuerst Leoš Janáček und seinem so überaus entwickelten Sinn für ökonomische Verdichtung, vergleichbar allenfalls Alban Berg und dessen fast gleichzeitig entstandenem „Wozzeck“; man geht einfach anders in ein Kunsterlebnis, wenn man weiß, dass konzentrierte hundert Bühnenminuten vor einem liegen und nicht etwa fünf Stunden. Zudem hatte man an diesem Abend, der – mehr als ein Jahrhundert nach der Uraufführung! – die allererste Präsentation des Werks an Berlins Staatsoper brachte, den angenehmen Eindruck, dass der Regisseur Ted Huffman (erstmals am Haus) und sein Team das Geschehen weder konzeptionell noch optisch auszupolstern versuchten, sondern in kluger Einfühlsamkeit ganz dem dramaturgisch skizzenhaften und oft skurril-pointiert zuspitzenden, aber dennoch seelisch tieflotenden Gespür des Gesamtkunstwerkers Janáček vertrauten, der sich Libretto und Partitur parallel erarbeitete. Wobei die Gestaltung der deutschen Übertitel eng, wenn auch verknappt und entsentimentalisiert, der alten Übersetzung von Max Brod folgte, die, seitdem fast überall in Originalsprache gesungen wird, ziemlich aus der Mode gekommen ist; hier indessen erwies sie sich als immer noch gut brauchbar.
Source: faz.net