Frust wegen Verspätungen: Jeder Dritte vermeidet Zugfahrten – „wenn möglich“

Die Verspätungen der Deutschen Bahn verleiden den Deutschen das Bahnfahren in erheblichem Ausmaß. Das geht aus der jährlichen Mobilitätsstudie der HUK-Coburg-Versicherung hervor, die der F.A.Z. vorab vorliegt. Nach der jüngsten Befragung versucht jeder Dritte, Bahnfahrten „wenn irgend möglich“ zu vermeiden. Gut jeder Vierte absolviert wichtige Termine grundsätzlich nicht mehr mit dem Zug oder plant Fahrten nur mit größerem Zeitpuffer.

Profiteur der Pünktlichkeitsmisere der DB ist laut der Studie das Auto. 76 Prozent der Bundesbürger sehen in ihm das Verkehrsmittel der Zukunft. Das sei ein neuer Spitzenwert, heißt es. „Auffällig ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, dass das Auto bei jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren in der positiven Zukunftseinschätzung am stärksten hinzugewinnt“, betont die HUK: „Und in dieser Altersgruppe sinkt auch die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit der Bahn am kräftigsten ab.“

Gesamtzustand der Mobilität wird resigniert wahrgenommen

Tatsache ist jedoch auch, dass die hohen Spritpreise der Bahn kurzfristig neue Kunden zuführen. Zumindest hatte der Staatskonzern kurz nach Beginn des Irankriegs und des als Folge wesentlich teurer gewordenen Mineralöls davon berichtet, dass offenbar Autofahrer von der Straße auf die Schiene umstiegen. Am Tag, als der Spritpreis erstmals wieder die Marke von zwei Euro knackte, habe man einen deutlichen Nachfrageanstieg erlebt, hieß es Ende März auf der Bilanzpressekonferenz.

Insgesamt aber herrsche eine „breite Resignation“, wenn es um den Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland gehe, so lautet die Einschätzung der HUK-Versicherung. Straßenbahnen, S-Bahnen und Busse als Hauptpfeiler des öffentlichen Personennahverkehrs würden seit dem Jahr 2021 von nur maximal 13 Prozent der Bundesbürger als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft. Die entsprechende Einschätzung des Fahrrads sei seit den Corona-Jahren um mehr als ein Drittel eingebrochen, auf gerade einmal 16 Prozent.

Andererseits zeigen sich die Befragten offen dafür, den ÖPNV attraktiver zu machen. Rund zwei Drittel der Bundesbürger plädieren für einen grundsätzlich kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr sowie eine deutlich erhöhte Taktung von Bussen und Bahnen.

HUK-Coburg-Vorstandsmitglied Jörg Rheinländer sagte, die langjährige Mobilitätsstudie zeige, „wie gespalten die Deutschen sind“. Sie sähen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränkten sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützten Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das E-Auto setze man Hoffnungen und befürworte immer stärker eine staatliche Förderung. Befragt wurden 4114 Bürger von 16 Jahren an repräsentativ nach Alter und Geschlecht.