Friedensplan zu Gunsten von die Ukraine: „Keiner kauft uns unsere Werte mehr ab“
Alle reden über ein mögliches Ende des Ukrainekriegs. Wir rufen bei dem Soziologen Hartmut Rosa an. Er ist einer der weltweit angesehensten Intellektuellen unserer Tage, gerade aus Brasilien gelandet, demnächst geht es nach Indien. Ein Gespräch darüber, ob Europa sich überschätzt und ob man mit Russland überhaupt Frieden schließen kann
DIE ZEIT: Hartmut Rosa, wie schauen Sie auf die Nachrichten zur Ukraine? Erleben wir einen europäischen Moment?
Hartmut Rosa: Diese Nachrichten nehme ich eher positiv auf. Endlich ist Bewegung drin. Und Hoffnung. Es war unerträglich, dass der Krieg uns nicht mehr beschäftigt hat. Aber ehrlich gesagt: Dieser Moment ist doch eher beschämend für Europa, warum sind wir nicht in die Initiative gegangen? Warum müssen wir immer warten, bis andere etwas tun, um in Gang zu kommen? Wir schimpfen seit fast vier Jahren immer nur wie die Rohrspatzen, anstatt Ideen zu entwickeln, wie es weitergehen soll. Aber natürlich finde ich es gut, dass wir als Europäer in Genf jetzt wenigstens einen Gegenvorschlag zum trumpschen 28-Punkte-Plan entwickelt haben, der verhandelbar ist.