Freihandel mit Australien: So weitermachen, nur schneller Gesuch

Freihandel mit AustralienSo weitermachen, nur schneller bitte

24.03.2026, 14:32 Uhr RTL01231-1Ein Kommentar von Volker Petersen
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Ursula von der Leyen und Premier Anthony Albanese unterzeichneten das Abkommen in Canberra. (Foto: picture alliance/dpa/AAP)

Die EU unterzeichnet ein Freihandelsabkommen mit Australien. Für Europa ist das ein Schritt in die richtige Richtung – dem aber weitere folgen müssen.

Ein rauer Wind weht auf der Welt, so hat es Kanzler Friedrich Merz zuletzt öfter beschrieben. Ukraine, Iran, dann die US-Zölle, die auf ihre Weise besonders schwer wiegen. Denn sie sind ein feindlicher Akt eines Landes, das zu den engsten Verbündeten Europas zählte. Spätestens seit Trumps zweiter Amtszeit läuft für Deutschland und die EU daher das Projekt: Neue Freunde finden.

Konkret bedeutet das: Neue Handelspartner zu finden, um den Schlag ins Kontor durch die US-Verluste abzumildern, die vor allem Deutschland treffen. Das ist mühsame Kleinarbeit in kleinen Schritten. Aber anders geht’s halt nicht. Den einen großen Partner, an den die Europäer sich anlehnen können gibt es nicht mehr – und der kommt wohl auch nicht mehr zurück.

Genau deswegen ist der Abschluss eines Freihandelsabkommen der EU mit Australien eine gute Nachricht. Es gibt zwar kaum Länder, die geographisch weiter entfernt liegen. Aber kulturell und politisch rückt man näher zusammen. Auch die Australier standen den USA immer sehr nahe und auch dort gibt es viel Entfremdung über Trumps Gebaren.

Engere Bande mit Australien zu knüpfen, entspricht genau der Linie, die der kanadische Premier Mark Carney auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ausrief. Die mittelgroßen Länder, so wie Kanada, Deutschland, Australien sollen sich zusammentun und mehr Handel treiben, enger zusammenarbeiten. Carney fand viel Beachtung für seine Rede. Es gelang ihm, die Stimmung dieser neuen Zeit auf den Punkt zu bringen.

Beispiel Kanada

Noch muss das Europaparlament den Vertrag ratifizieren. Seit die Grünen dort das Abkommen mit dem Südamerika-Block Mercosur noch einmal verzögerten, hat dieser Schritt an Schrecken gewonnen. Aber selbst das Abkommen mit Mercosur tritt demnächst, am 1. Mai, vorläufig in Kraft. Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay haben es mittlerweile angenommen.

Mit Mercosur treibt die EU jetzt schon deutlich mehr Handel als mit Australien, und so ist der Vertrag, den Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Canberra unterzeichnete, kein Befreiungsschlag und kein Gamechanger. Aber er bringt der deutschen Auto- und Chemieindustrie neue Absatzchancen und erleichtert den Import von Lithium. Australien ist bereits der größte Lieferant des Alkalimetalls, das in der Batterieherstellung benötigt wird.

Was solche Abkommen bringen können, zeigt das Beispiel Kanada. Der Vertrag namens CETA trat 2017 in Kraft. Seitdem ist das gemeinsame Handelsvolumen um 25 Prozent gewachsen. Jährlich werden 590 Millionen Euro an Zöllen gespart. Für Australien erwartet die EU-Kommission sogar eine Milliarde Euro Zollersparnis. Natürlich produzieren solche Abkommen nicht nur Gewinner. Fleischimporte beispielsweise machen europäischen Landwirten das Leben nicht leichter. Aber die Chancen überwiegen die Risiken.

So ist es folgerichtig, dass die EU weitere Freihandelsabkommen anstrebt, beispielsweise mit Indien, Indonesien und Mexiko. Die Zeit drängt allerdings. Mehr als 20 Jahre verhandeln wie mit Mercosur oder fast acht Jahre wie bei Australien, das geht so nicht mehr. Deutschland und Europa müssen schnell resilienter werden – um für den rauen Wind auf der Welt etwas besser gerüstet zu sein.

Quelle: ntv.de

Source: n-tv.de