Fortschritte in jener Forschung: Roche-Aktie gewinnt an Wert

Der Aktienkurs des Schweizer Pharmariesen Roche legte am Donnerstag um bis zu 2,8 Prozent zu, nachdem Konzernchef Thomas Schinecker gute Zahlen für die ersten drei Monate vorgelegt und den Ausblick für 2026 bestätigt hatte. So erzielte Roche einen Umsatz von 14,7 Milliarden Schweizer Franken. Einen Unterschied machen jedoch Wechselkurseffekte. Während Roche seinen Umsatz zu konstanten Wechselkursen um sechs Prozent steigern konnte, entsprach das Ergebnis in Schweizer Franken einem Rückgang von fünf Prozent. „Alles in allem ein guter Start ins Jahr 2026“, kommentierte das US-Analysehaus Bernstein. Verhaltener äußerten sich mitunter Analysten von Goldman Sachs, die größere Umsätze erwartet hatten.

Sowohl der Bereich Pharma als auch Diagnostik haben laut Schinecker zugelegt, wobei das Gros auf die Medikamentensparte mit 11,5 Milliarden Schweizer Franken entfällt. Im Diagnostikgeschäft wirken sich Preisreformen in China dämpfend aus. Auch eine mildere Grippe-Saison hatte zur Folge, dass weniger von Roches Grippe-Medikament Xofluza sowie Teststreifen nachgefragt wurden.

Konzernchef Schinecker verwies auf die Fortschritte, die Roche in der Forschung erzielt. So habe Fenebrutinib, ein Mittel, das bei Multipler Sklerose zum Einsatz kommt, gute Ergebnisse in einer Phase III-Studie vorgelegt. Das oral verabreichte Medikament reduziert Entzündungen im Gehirn und bremst das Fortschreiten von Behinderungen.

Brustkrebs-Pille soll Ende 2026 auf den Markt kommen

Bei dem Burstkrebsmedikament Giredestrant sieht Schinecker „weiterhin erhebliches Potential“ und stellte eine Markteinführung in den USA für Ende 2026 in Aussicht. Einen kleinen Rückschlag musste Roche bei Patientinnen hinnehmen, bei denen die Krebserkrankung weit fortgeschritten war. Hingegen zeigten sich bei Patientinnen in einem frühen Stadium, der größten Betroffenengruppe, dass das Risiko für das Wiederauftreten von Tumoren um 30 Prozent gesenkt werden konnte. „Wir haben hier die erste neue Behandlung seit mehr als 20 Jahren verfügbar.“

Im Rennen um das wirksamste Abnehmpräparat hat Roche seinen Kandidaten CT-388 bisher noch nicht zur Marktreife gebracht.  Die Ungeduld steigt, zumal sowohl Marktführer Eli Lilly als auch Konkurrent Novo Nordisk nach den erfolgreich eingeführten Spritzen inzwischen auch die Zulassung für ihre Abnehmpillen in den USA erhalten haben. Derweil habe Roches Abnehmspritze in Phase-II-Tests einen starken Gewichtsverlust und eine gute Verträglichkeit bewiesen, sagte Schinecker. Der Gewichtsverlust in Woche 48 sei bereits so gut wie bei einem führenden GLP1-Wettbewerber in Woche 72, noch zeige sich zudem kein Plateau.

Ähnlich positiv habe sich der Wirkstoffkandidat Petrelintide entwickelt. Er habe zu einer Gewichtsreduktion von mehr als zehn Prozent geführt und sei sehr verträglich. Angesichts der Nebenwirkungen und des Jo-Jo-Effekts, die mit der Einnahme von GLP1-Präparaten einhergehen, strich der Roche-Chef hervor, dass Patienten ein Medikament bräuchten, auf das sie umsteigen können, um ihr Gewicht zu halten. Geplant sei in diesem Jahr noch eine Studie, in der die Kombination aus Petrelintide und CT‑388 getestet wird.

Mögliche Effekte, die der Irankonflikt für den Roche-Konzern haben könnte, schätzt Schinecker als gering ein. Roche werde nicht aus Nahost beliefert. Eine Herausforderung sei eher, Medikamente zu den Patienten in der Region zu bringen. Ebenso bekümmern die in Deutschland angekündigte Gesundheitsreform und die zusätzlich negativen Auswirkungen durch die US-Preispolitik den Roche-CEO wenig. Er betonte, Medikamente weiterhin in jedem europäischen Land auf den Markt bringen zu wollen.

Source: faz.net