Forschungsreaktor geplant: Bayern investiert massiv in Forschung zu Kernfusion

Für etwa zwei Milliarden Euro soll bis Anfang der 2030er-Jahre ein erster Forschungsreaktor zur Kernfusion in Garching bei München entstehen. In München unterzeichneten dazu Vertreter der Bayerischen Staatsregierung, des Münchner Start-ups Proxima Fusion, des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) sowie des Dax-Konzerns RWE am Donnerstag eine entsprechende Absichtserklärung. Ziel ist die Zusammenarbeit auf dem Weg über den Demonstrationsreaktor „Alpha“ bis hin zu „Stellaris“, dem ersten kommerziellen Magnetfusionskraftwerk am Standort des ehemaligen Atomkraftwerks Gundremmingen.
Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem „völlig neuen Kapitel für die Energiepolitik“. Gerade vor dem Hintergrund des enorm gestiegenen Strombedarfs habe die Kernfusion ein „Riesenpotential“. Zweifeln an der Wirtschaftlichkeit der Technologie begegnete Söder mit dem Verweis auf Amerikaner und Chinesen – dass die bereit seien, Milliarden zu investieren, „ist ein Signal, dass was geht“. Söder gestand zu, die Finanzierung werde „ein wirklicher Kraftakt“ sein.
Der Freistaat werde sich mit 400 Millionen Euro beteiligen. Mindestens weitere 400 Millionen Euro kommen über Proxima Fusion durch private Investoren; dieser Tage findet in München dazu eine große Investorenkonferenz statt. Vom Bund erhofft Söder sich im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland, welche die Bundesregierung nach dem Vorbild von Söders Hightech Agenda aufgesetzt hat, mehr als eine Milliarde Euro.
Kritik der Grünen: Steuerverschwendung sondergleichen
Parallel zum Projekt „Alpha“ in direkter Nachbarschaft zum Max-Planck-Institut in Garching sollen laut RWE in Gundremmingen die Vorbereitungen für den späteren Bau des ersten kommerziell nutzbaren Fusionsreaktors „Stellaris“ erfolgen. Dieser soll weitgehend identisch zu „Alpha“ sein und ermöglichen, mittels Magnetfusionstechnologie nutzbare Energie zu erzeugen. Die Finanzierung dieses Reaktors ist noch offen. Der RWE-Vorstandsvorsitzende Markus Krebber sagte, die Fusionsenergie habe das Potential, ein „Gamechanger“ zu werden.
Er zeigte sich auch überzeugt, dass – wenn es gelinge, „den klaren Fahrplan zur kommerziellen Nutzung der Fusionstechnologie zu erhärten“ – „genug privates Geld“ da sein werde, um die Investition zu realisieren. Der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) sagte: „Das, was heute hier passiert, ist unsere Antwort auf den Atomausstieg – nämlich der Einstieg in die Kernfusion.“
Fusionsenergie basiert auf dem Prozess der Verschmelzung von Atomkernen, aus dem die Sonne und andere Sterne ihre Energie beziehen. An der Fusionstechnologie wird schon seit Jahrzehnten geforscht, bisher muss aber noch immer mehr Energie zugeführt werden, als am Ende gewonnen wird. Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz der Grünen im Bayerischen Landtag, kritisierte das Vorhaben Söders als „eine Steuerverschwendung sondergleichen“. Es handele sich um „gewaltige Summen für mehr als zweifelhafte Fusionsprojekte, deren Versprechen seit 70 Jahren nie eingelöst wurden“.
Source: faz.net