Folgen des Iran-Kriegs: Zunehmende Belastung zu Händen Wirtschaft und Verbraucher

Gasflamme auf einem Herd.

Stand: 15.04.2026 • 11:28 Uhr

Unternehmen und Verbraucher in Deutschland ächzen unter hohen Energiepreisen. Ökonomen warnen: Es steht noch Schlimmeres bevor – mit steigenden Preisen, höheren Zinsen und Unternehmenspleiten.

Wer einen neuen Gas- oder Stromvertrag abschließt, merkt schon jetzt: Energie in Deutschland ist deutlich teurer geworden. Das Vergleichsportal Verivox meldet, der Gaspreis für Neukunden sei gegenwärtig so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Eine Kilowattstunde kostet demzufolge zuletzt fast 11 Cent. Heißt: 30 Prozent mehr als unmittelbar vor Beginn des Iran-Krieges.

Energiepreis-Schock zeigt sich verzögert

Diesen Anstieg dürften in den kommenden Monaten mehr und mehr Kunden zu spüren bekommen, so Andreas Goldthau, Energieexperte der Universität Erfurt im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Das dicke Ende komme noch, vor allem für die Verbraucher. „Die Preise für private Verträge sind fix, für Monate. Man merkt im Moment also noch nicht, wie sich die Preisentwicklung auf die einzelnen Haushalte niederschlagen wird“, so Goldthau.

Laufen Verträge über Gas- und Stromlieferungen aus, merken das auch die Unternehmen. Das Produzieren wird absehbar teurer. Die Kunden werden das in Form von höheren Preisen zu spüren bekommen, etwa für Lebensmittel. Im März ist die Inflation bereits deutlich nach oben geklettert auf 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ökonomen rechnen damit, dass die Teuerungsrate nun weiter steigt.

Volkswirte rechnen mit höheren Zinsen

Bleibt die Straße von Hormus noch länger geschlossen, dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen sein, schon sehr bald mit höheren Zinsen gegenzusteuern. Das wiederum belastet die Konjunktur.

Hans-Jörg Naumer, Kapitalmarktexperte bei Allianz Global Investors, betont, die Wachstumserwartungen für Deutschland könne man langsam streichen: „Wir hatten ohnehin schon ein sehr schwaches Wachstum. Und in diese schwache Wachstumsphase, die ja nochmal aufgebläht worden ist mit enorm vielen staatlichen Ausgaben, kommt jetzt dieser Energiepreisschock.“

Zahl der Insolvenzen könnte weiter steigen

Die Lage vieler Unternehmen ist ohnehin angespannt. Im ersten Quartal des Jahres gab es so viele Firmenpleiten in Deutschland wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer Statistik des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle hervor. In den kommenden Monaten könnte die Zahl der Insolvenzen weiter anziehen.

Zuletzt warnten Verkehrsverbände: die steigenden Kosten brächten viele Unternehmen an den Rand ihrer Existenz. Betroffen seien etwa Speditionen, Logistikunternehmen oder Bus-, Taxi- und Mietwagenbetriebe. In einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz heißt es, Versorgung, Mobilität und Arbeitsplätze seien gefährdet.

Lage schon vor Iran-Krieg angespannt

Die schwierige Situation vieler Unternehmen habe aber nicht nur mit dem Energiepreisschock zu tun, so Kapitalmarktstratege Naumer. Es habe schon vor der Eskalation im Iran Rekorde bei den Energiepreisen gegeben. Dazu komme: „Wir sind mit an der Weltspitze, was die Steuerbelastung, was die Bürokratiebelastung angeht. Also die Unternehmen hatten schon vor dem Iran-Krieg genügend zu kämpfen.“

In dieser Lage werden die Rufe nach Entlastungen immer lauter. Mit Blick auf die hohen Spritpreise plant die Bundesregierung, die Energiesteuer vorübergehend zu senken. Ökonomen sind aber skeptisch, ob das den gewünschten Effekt bringt.

Belastungsprobe für den Wirtschaftsstandort

Professor Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lenkt den Blick auf den gesamten Wirtschaftsstandort. Er sagt, kurzfristige Maßnahmen allein seien nicht zielführend.

Es gehe darum, dass Unternehmen die Zuversicht haben, dass in den kommenden Jahren eine gute, stabile und bezahlbare Energieversorgung sichergestellt ist, so Neuhoff. „Wenn diese Perspektive da ist, dass die Rahmenbedingungen dafür da sind, dann kommen wir auch durch eine kritische Situation jetzt in diesem Jahr durch“, so der Ökonom.

Deutlich ist schon jetzt: Die gegenwärtige Spritpreiskrise dürfte sich bald ausweiten in eine breit angelegte Phase der Teuerung, die bereits begonnen hat.

Source: tagesschau.de