Flasche mit Aufschrift „Polonium“ für Ostereiersuche gefunden – Erste Analyse soll Dienstag erfolgen

Was als harmlose Ostereiersuche begann, endete mit einem Großeinsatz: Zwei Männer stießen in einem Garten auf eine Flasche, in der sich offenbar Polonium befindet. Mit dem Gift war 2006 der Putin-Gegner Alexander Litwinenko getötet worden.

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Nachdem zwei Männer bei der Ostereiersuche im Garten ein Fläschchen mit der Aufschrift „Polonium 210“ gefunden haben, hat das Umweltministerium das Fläschchen in Vaihingen an der Enz nordwestlich von Stuttgart abgeholt. Dies teilte die Polizei mit.

Zunächst war unklar, ob es sich tatsächlich um das hochgefährliche Strahlengift handelt. Das Fläschchen soll erst am Dienstag vom Umweltministerium geöffnet und analysiert werden, wie die Stadt mitteilte.

Polonium 210 ist ein potenziell tödliches Strahlengift. Die Feuerwehr schätzte nach eigenen Angaben das Fläschchen als echt ein. „Das Behältnis passt zum Stoff“, sagte Kreisbrandmeister Andy Dorroch. „Der Stoff ist auch nicht irgendwie handschriftlich draufgekritzelt, sondern der ist sauber offiziell beschriftet.“ Zudem sei das Fläschchen mit geschätzten 200 Gramm Gewicht relativ schwer, was wiederum dazu passe, dass Polonium 210 ein relativ schwerer Stoff sei. „So, dass wir schon davon ausgehen, dass es sich um den Stoff tatsächlich handelt.“

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Allerdings seien alle Messungen im Umfeld des Fläschchens negativ gewesen. Es sei keine Radioaktivität gemessen worden. Die Männer seien unverletzt. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg übernahm die Ermittlungen zu dem Gegenstand. Die Stadt betonte in einer Stellungnahme am Sonntagabend, dass für die Anwohner keinerlei Gefahr bestehe.

Die Männer hatten in dem Garten am Ortsrand Ostereier gesucht und dabei das weiße Kunststofffläschchen mit rotem Deckel entdeckt, wie der Kreisbrandmeister sagte. Weitere Angaben zu den Männern machte er nicht. Die beiden hätten nach dem Fund den Notruf gewählt.

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Der Fund führte zu einem Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 138 Einsatzkräften und 41 Fahrzeugen vor Ort – darunter ein Strahlenschutzzug und Gefahrgutzug sowie einer Fachberaterin Strahlenschutz, die beruflich im Kernkraftwerk arbeitet, wie der Kreisbrandmeister sagte.

Der Bereich um den Fundort wurde den Angaben zufolge abgesperrt. Anwohner mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen. Experten des Landesumweltministeriums brachten das Fläschchen weg. Die Behörde habe entsprechende Räumlichkeiten, um solch gefährliche Stoffe zu lagern, sagte eine Sprecherin des LKA. Wo genau der Stoff gelagert wird, blieb unklar. Nach dem Abtransport wurde das Wohngebiet wieder freigegeben.

Ermittlungen sollen nach Ostern beginnen

Wenn am Dienstag die Flasche geöffnet und analysiert wird, wollen sich auch die Behörden über die weiteren Ermittlungen und Zuständigkeiten austauschen. Sollte in dem Fläschchen tatsächlich Polonium 210 nachgewiesen werden, werde der Stoff dekontaminiert und fachgerecht entsorgt. Es sei möglich, dass das Landeskriminalamt die Ermittlungen übernehme, sagte die Sprecherin der Behörde. Bereits jetzt ermittelt die Polizei, wie das Fläschchen in den Vorgarten gelangen konnte.

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Für die Anwohner habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, berichtete die Stadt. Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth betont, es sei wichtig, bei solchen Alarmen für alles gerüstet zu sein: „Für die Bürgerinnen und Bürger ist es beruhigend zu wissen, dass im Fall der Fälle verlässliche Abläufe für größtmögliche Sicherheit sorgen“, sagte der Rathauschef der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich würden wir aber sehr viel lieber mit den Sonnenseiten unseres schönen Städtchens in die Schlagzeilen kommen, als mit einem äußerst seltenen Strahlenschutzeinsatz, der sich hoffentlich als Fehlalarm herausstellen wird.“

Putin-Kritiker Litwinenko starb 2006 nach Polonium 210-Anschlag

Polonium ist ein chemisches Element mit hoher Radiotoxizität und deshalb sehr gesundheitsschädlich. Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist der Stoff vor allem dann gefährlich, wenn er eingeatmet oder aufgrund offener Wunden über die Haut aufgenommen wird. Der Putin-Kritiker und frühere Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko starb 2006 in London nach einem Anschlag mit Polonium 210.

dpa/säd/doli

Source: welt.de