Finanzaufsicht: Kreditfonds zu tun sein aus dem Schatten

Bafin-Chef Mark Branson mag keine Tabus. Der oberste deutsche Finanzaufseher will alle Risiken für Banken und Anleger transparent ansprechen. Auch in diesem Jahr lieferte er auf seiner turnusmäßigen Pressekonferenz ein buntes Potpourri von drohenden Abflüssen bei offenen Immobilienfonds über die Dollar-Abhängigkeiten bis hin zu Internetkäufen auf Kredit („buy now, pay later“), durch den sich zu viele Verbraucher in die Überschuldung treiben lassen.

Hier konnte Branson immerhin berichten, dass die bisher für Kleinkredite bis 200 Euro nicht vorgesehene Bonitätsprüfung ab Ende 2026 vorgeschrieben ist und natürlich von der Bafin streng kontrolliert werden wird. Ansonsten wirkt manches auch wie Pfeifen im Walde.

Mehr als Hälfte der Finanzrisiken im Schattenbanken-Sektor

So wachsen die von Nichtbanken wie Hedgefonds, aber auch Leasinggesellschaften vergebenen Kredite stärker als von Banken. Diese im Schatten stehenden Akteure wollte aber lange kein Finanzaufseher genauer ansehen. Die Insolvenz des von Private-Credit-Fonds finanzierten US-Autozulieferers First Brands im Oktober 2025 hat nun einige aufgeschreckt, nicht nur Branson, sondern auch den möglicherweise künftigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank: Klaas Knot legte gerade bei einem Besuch der Frankfurter Universität nahe, dass Private-Credit-Fonds nur deshalb günstiger als Banken Kredit anböten, weil sie weniger Regeln befolgen müssen.

Tatsächlich liegen inzwischen mehr als die Hälfte der Finanzrisiken im Schattenbanken-Sektor und damit außerhalb der Bankenregulierung. Hier gibt es ein echtes Tabu, das es zu brechen gilt: Alle, die Kredit vergeben, müssen den gleichen Regeln und der gleichen Aufsicht unterliegen – auch Nichtbanken.

Source: faz.net