Fastenzeit und Ramadan: Wie welcher Verzicht zum Gewinn wird

Ein Warenregal im Supermarkt

Stand: 18.02.2026 18:47 Uhr

Heute beginnt für Christen und Muslime gleichzeitig eine besondere Zeit. Beim Fasten geht es um mehr als Verzicht. Die meisten freuen sich auf besinnliche Wochen und mehr Zeit für Gemeinschaft und Familie.

Von Carolyn Wißing, WDR

Lichterketten in Form von Halbmonden und Laternen hängen entlang der Venloer Straße in Köln. Der Schriftzug „Ramadan Kareem“ wünscht Muslimen einen großzügigen Fastenmonat. „Es ist schön hier durch die Straßen zu gehen und von sich selbst etwas zu spüren und zu entdecken“, sagt Hacer Bektas. Ihr Verein „The Ramadan Project“ organisiert die Dekoration nun schon seit drei Jahren.

Es sei eine schöne Geste für Muslime, aber auch ein Signal an die anderen Menschen in der Stadt, dass nun ein besonderer Monat beginne. „Wir haben den Ramadan sehnsüchtig erwartet,“ sagt Bektas.

Vorfreude auf das Fastenbrechen im Familienkreis

Die Vorfreude ist auch im türkischen Supermarkt Karadağ zu spüren. Es ist wuselig zwischen den Regalreihen. Viele Menschen kaufen ein für das erste Fastenbrechen. Datteln seien gerade besonders gefragt, erklärt Junior-Chef Can Karadağ. „Damit starten die meisten traditionell das Essen am Abend.“ Nur von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang essen und trinken gläubige Muslime während des Ramadan.

Aycan Gencer legt Zwiebeln und einen Bund frische Petersilie in ihren Einkaufskorb. Die 50-Jährige wird Linsensuppe kochen am ersten Tag, wenn auch ihre Töchter zum Fastenbrechen kommen. Sie sagt, sie freue sich sehr auf die nächsten Wochen. „Für mich ist das eine besonders schöne Zeit, wenn Besuch kommt und wir alle zusammen essen und sitzen.“

„Eine Zeit der Reinigung und Ruhe für uns“

Das Zusammenkommen am Abend und das gemeinsame Fastenbrechen – das ist die eine Seite des Ramadan. Der Verzicht tagsüber ist die andere. Kein Rauchen, kein Sex und vor allem kein Essen oder Trinken.

Ob das nicht schwierig oder ungesund sei, diese Frage hört Dania Ulfat immer wieder. „Das Fasten ist auch eine Zeit der Reinigung und Ruhe für uns, eine Zeit, wo wir die Möglichkeit haben, unserem Glauben näher zu kommen.“ Die junge Mutter tische bewusst nicht zu viel Essen beim Fastenbrechen auf. Im Ramadan gehe es darum, sich bewusst zu machen, dass andere vielleicht nicht genug zum Leben hätten. „Wenn man sich ein bisschen in diese Menschen hineinversetzt, dann ist das Fasten gar nicht mehr so schwer.“

Verzicht auf Genuss oder schlechte Gewohnheiten

Überfluss und Demut sind auch Thema beim Gottesdienst im Kölner Dom zum Beginn der christlichen Fastenzeit. „Es geht darum, etwas leerer zu werden, zu schauen, was ist eigentlich das Lebensnotwendige“, sagt Domdechant Robert Kleine. Etwa 40 Gläubige stehen an, um sich am frühen Morgen das Aschekreuz auf die Stirn geben zu lassen.

Nicole Sattinger ist eine von ihnen. Sie nimmt sich vor, in den 40 Tagen bis Ostern bewusster zu leben. „Vielleicht mal still werden im schnellen Leben, mal in sich gehen und auf Dinge verzichten, um sie später wieder zu schätzen.“ Dinge wie Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch. Viele Christen versuchen auch Gewohnheiten umzustellen und den Fernseh- oder Handykonsum einzuschränken.

Karl Alexander Mandl hat eine intensive Karnevalszeit hinter sich, erzählt er. Da sei es gut, jetzt bis Ostern herunterzufahren. „Ich möchte die Zeit nutzen, um über meine eigene Endlichkeit nachzudenken und zu schauen, was ich in der Welt noch Gutes bewirken kann.“

Euphorie und Energie durch Fasten

Eine Beschäftigung mit sich selbst – das streben auch die Teilnehmer einer Fasten-Wandertour an, die gerade im Rheintal unterwegs sind. Morgens im Frühstücksraum ihres Hotels in Bonn sitzen sie bei Tee und klarer Suppe. Nur Flüssiges werden sie eine Woche lang zu sich nehmen. Das muss reichen für die 16 Kilometer Wanderweg jeden Tag.

„Mit so wenig Kalorien sich zu bewegen, dann merkt man morgens, jetzt hätte ich gern mal zwei Spiegeleier“, sagt Uwe Seefeldt. Für ihn ist es das erste Mal, dass er fastet. Er hat ein festes Ziel. „Ich habe körperliche und mentale Ernährungsgewohnheiten und die möchte ich in den Griff bekommen.“ In dieser Atmosphäre mit Bewegung und ohne einen gefüllten Kühlschrank in der Nähe hofft er, dass die Umstellung leichter fällt.

Kerstin Zimmer hat eine solche Fasten-Wandertour schon häufiger mitgemacht. Für sie sei es reizvoll, dass sie in der Gemeinschaft fasten könne und einen tiefgründigen Austausch in der Gruppe erlebe. Aber auch die körperliche Erfahrung sei intensiv. „Nach ein zwei Tagen setzt eine Euphorie ein und der Körper setzt eine Energie frei, die man auch sonst nicht kennt“, sagt Zimmer.

Bis Ostern sind es 40 Tage. So lange dauert die christliche Fastenzeit. Der Ramadan endet mit dem Fastenbrechen am 20. März. Bis dahin werden jeden Abend in der Venloer Straße in Köln die Halbmonde und Laternen aufleuchten.

Source: tagesschau.de